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Formel 1 in Singapur : Neunter Sieg - Vettel fehlt noch ein Punkt

  • -Aktualisiert am

Strahlender Sieger: Sebastian Vettel Bild: dapd

Sebastian Vettels neunter Sieg in dieser Saison genügt noch nicht ganz zum zweiten WM-Titel. Doch das Rennen in Singapur beherrscht der Heppenheimer nach Belieben.

          3 Min.

          Ein Pünktchen noch bis zum zweiten WM-Titel. Was das für Sebastian Vettel bedeutet? Einmal Zehnter werden in den letzten fünf Rennen der Saison. Das dürfte zu schaffen sein, wenn man einen solch famosen Boliden fährt und entsprechend virtuos bedienen kann. Am Sonntag gab Vettel seine 14. Formel-1-Vorstellung in diesem Jahr. Beim Großen Preis von Singapur beendete er sie zum neunten Mal als Erster. Diesmal vor Jenson Button im McLaren-Mercedes und seinem Teamkollegen Mark Webber. Nun führt er die Fahrerwertung mit 309 Punkten vor Button (185) an. Der Verbeugung des Heppenheimers im Ziel vor seinem Publikum folgte deshalb die Verneigung der gesamten Formel 1.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          „Sebastian ist ein phantastischer Fahrer, er hatte alles unter Kontrolle“, sagte McLarens Teamchef Martin Whitmarsh quasi stellvertretend nach dem Solo des Hessen in dem weitgehend unspektakulären Nachtrennen unter Flutlicht: „Bei ihm sieht alles so leicht aus.“

          Dabei floss Vettel nach dem Rennen der Schweiß in Strömen von der Stirn. „Dieser Sieg ist mir sehr wichtig. Das ist ja meine Lieblingstrecke, mit das anstrengendste Rennen der Saison. Hier gibt es keinen Platz für Fehler. Man muss so viel so schnell entscheiden.“ Vettel, so das allgemeine Urteil, hat diese Kunst des Rennfahrens am Sonntag auf den Punkt gebracht. Schon zur Halbzeit schien das Rennen gelaufen. Für Vettel und gleichzeitig gegen ihn.

          Schatten an der Wand: Der Weltmeister ist auch in Singapur nicht zu schlagen Bilderstrecke

          Da drehte er an der Spitze einsam seine Runden, deklassierte die Konkurrenz im Sekundentakt. So wuchs der Vorsprung auf 18,7 Sekunden an. Button verlor als Profiteur des Starts den Hessen zwar nach wenigen Runden aus den Augen. Aber sein zweiter Platz vertagte die Entscheidung um den Titel. Und selbst wenn Button sich verirrt hätte in den Straßen von Singapur: Hinter ihm hatte sich zunächst Fernando Alonso im Ferrari vor Webber, der aus der ersten Startreihe hinter Vettel wegen Kers-Problemen auf Rang vier zurückgefallen war, breit gemacht. Auch diese beiden Verfolger, wären sie vorgerückt, hätten Vettel im ganz großen Wettlauf gebremst.

          Die Wucht der Walze schleudert Schumacher in die Luft

          Die Formel 1 brauchte also eine Pace-Car-Phase, um der Prozession ein Ende zu machen und Vettels Machtdemonstration gefährden zu können. Niemand spekulierte auf einen Spannungsgeber. Aber in Singapur gehören solch elektrisierenden Unterbrechungen zum Programm, seit Renault bei der Premiere im Stadtstaat 2008 einen Unfall inszenierte, um Alonso zum Sieg dirigieren zu können. Diesmal war keine Absprache im Spiel, als Michael Schumacher mit seinem linken Vorderrad in der 30. Runde auf den gewaltigen Hinterreifen am Sauber von Sergio Perez prallte. Die Wucht der Walze schleuderte den Mercedes in die Luft und Schumacher samt Boliden geradeaus in die Streckenbegrenzung: „Die Sicherheitsvorkehrungen haben vieles abgebremst. Der Aufprall war so einigermaßen akzeptabel.“

          Das Verhalten Perez' aus Sicht des Rekordweltmeisters nicht: „Er fährt nicht auf seine normale Linie zurück und geht sehr früh vom Gas. Dafür war ich dann zu nah dran. Ich weiß nicht, wo wir gelandet wären. Wir waren gut unterwegs“, sagte Schumacher zu dem missglückten Kampf um Rang acht. „Es wären viele Punkte für uns gewesen.“ Dem Crash vorausgegangen war ein Fahrfehler von Schumachers Teamkollege Nico Rosberg (Siebter vor Adrian Sutil im Force India). Der hatte sich mit Perez in der Schikane angelegt, den Sauber dabei ins Abseits gedrängt. Die Streckenkommissare werteten den Vollkontakt als Rennunfall - und verwarnten Schumacher für dessen Kontaktaufnahme nach dem Rennen.

          „Ich hätte ihn wohl nie einholen können“

          Vettel-Freund Schumacher als Königsmacher? Diese Variante ist keine Unbekannte in der Formel 1. Der Dreher des Rheinländers kurz nach dem Start des Saisonfinales 2010 bereitete Vettels erste Krönung vor. Der Luftsprung von Singapur aber verhalf diesmal nur zu einer allerdings halbwegs unterhaltsamen Sondervorstellung zweier Piloten. Lewis Hamilton nutzte auch die Rückstands-Verkürzung zu einer Versöhnung mit seinen Kritikern. Er wäre der Mann gewesen, der Vettel an Buttons Stelle zum Champion gekürt hätte. Wenn er nicht beim Start in seinem McLaren-Mercedes von Rang vier auf sieben zurückgefallen und bei der folgenden Aufholjagd im Heck von Felipe Massas Ferrari hängen geblieben wäre.

          Die Folge des Übermutes: Ein neuer Frontflügel, eine Durchfahrtsstrafe, Rückfall auf Platz 19 und - eine Hamilton-Show im Stadtverkehr. Einen nach dem anderen knöpfte sich der Weltmeister von 2008 vor, schoss links und rechts an Kollegen von Rang und Namen wie Rosberg oder Sutil vorbei. An manchen, wegen unterschiedlicher Strategien, gleich zweimal. Erhitzt, verschwitzt und derangiert erreichte Hamilton nach der fast zweistündigen Saunatour das Ziel; nach fünf Aufenthalten in der Boxengasse als Fünfter. Das war eine willkommene Ablenkung in der schwülen Nacht.

          Denn die Krux eines perfekten Rennens in der Formel 1 ist die Eintönigkeit. Vettel, durch die Neutralisierung des Grand Prix nach Schumachers Unfall um seinen Vorsprung beraubt, fing nach dem „fliegenden“ Neustart wieder an, wo er auf gehört hatte. Mit fehlerfreien Runden, mit Kurvenfahrten im RB7 wie auf Schienen. Wieder wuchs sein Vorsprung im Sekundentakt pro Runde, diesmal auf zwölf Sekunden. Erst in der Schlussphase, als Vettel in den Schonmodus schaltete, näherte sich Button. Aber auch der brachte es nachher auf den einen, entscheidenden Punkt: „Ich hätte ihn wohl nie einholen können.“

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