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Formel 1 in Silverstone : Räikkönen vermasselt Hamilton das Heimrennen

  • Aktualisiert am

Räikkönens Formkurve zeigt nach oben Bild: AFP

Kimi Räikkönen hat den Großen Preis von Großbritannien gewonnen. Der Ferrari-Pilot verwies den spanischen Weltmeister Fernando Alonso und den Briten Lewis Hamilton auf die Plätze zwei und drei. Mit FAZ.NET-Bildergalerie.

          3 Min.

          Kimi Räikkönen hat mit seinem zweiten Sieg in Serie WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton und McLaren-Mercedes das Heimrennen gründlich vermasselt und für neue Spannung im Titelrennen gesorgt.

          Nur eine Woche nach seinem Triumph mit Ferrari in Frankreich entschied der 27 Jahre alte Finne auch den Großen Preis von Großbritannien zu seinen Gunsten vor dem zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso. Er krönte mit seinem Premierenerfolg in Silverstone zugleich den 750. Formel-1-Start der Scuderia. Hamilton belegte am Sonntag im zweiten Silberpfeil den dritten Platz.

          „Ein Super-Wochenende, eine tolle Sache“, sagte Räikkönen wie immer weit gehend emotionslos. Grand-Prix-Guru Bernie Ecclestone gratulierte: „Der Richtige hat gewonnen.“ Alonso räumte ein: „Mehr als der zweite Platz war nicht drin.“ Auch wenn er den prestigeträchtigen Heimtriumph verpasste, verteidigte Hamilton mit seinem neunten Podestplatz im neunten Grand Prix klar die WM-Führung. „Ich bin happy“, kommentierte der britische Jungspund seinen beeindruckenden Rekord.

          Räikkönens Formkurve zeigt nach oben Bilderstrecke

          Mitfavorit Massa würgt den Motor ab

          Bei Halbzeit liegt der Senkrechtstarter mit 70 Punkten vor Alonso (58). Räikkönen (52) schob sich durch seinen dritten Saisonerfolg in der Gesamtwertung vor seinen Teamkollegen Massa (51). „Die WM ist noch nicht gelaufen“, kündigte der Sieger für den Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring in zwei Wochen eine Fortsetzung der Aufholjagd an.

          Massa büßte seine Siegchancen schon vor dem Start ein: Wegen eines abgestorbenen Motors musste der 26 Jahre alte Brasilianer aus der Boxengasse ins Rennen gehen und das Feld eine zweite Einführungsrunde fahren. Der Ferrari-Pilot stürmte nach einer bravourösen Aufholjagd zwar noch auf Rang fünf vor, war über den Rückschlag im Titelrennen aber schwer enttäuscht. Nick Heidfeld holte als Sechster und damit bester Deutscher drei WM-Punkte. Der BMW-Sauber-Pilot aus Mönchengladbach machte auf dem 5,141 Kilometer langen Kurs insgesamt drei Ränge wett. „Der sechste Platz ist in Ordnung, Problem war mein neunter Startplatz. Jetzt freue ich mich auf mein Heimrennen und hoffe auf dem Nürburgring auf ein gutes Ergebnis“, sagte „Quick Nick“.

          Hamilton-Hype lockt die Massen

          Nico Rosberg (Wiesbaden) machte im Williams-Toyota nach dem verpatzten Qualifying zwar auch noch Boden gut, musste sich aber mit Rang zwölf begnügen. Ralf Schumacher musste einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Der 30 Jahre alte Kerpener stellte seinen Toyota in der 24. von 59 Runden wegen eines Kupplungsschadens an der Box ab. Zu diesem Zeitpunkt lag der vom sechsten Platz gestartete Schumacher an elfter Stelle. „Wir hätten vielleicht einen Punkt holen können. Aber es hat nicht sollen sein“, sagte er zerknirscht. Adrian Sutil (Gräfelfing) rollte mit seinem Spyker wegen eines Motorschadens schon im 17. Umlauf aus.

          Der Hamilton-Hype (Siehe auch: Hamilton schlägt auch Prinz William & Kate) lockte an den drei Grand-Prix-Tagen 255.000 Fans an und damit 65.000 mehr als im Vorjahr. Am Sonntag strömten 85.000 Zuschauer auf die Traditionsstrecke, darunter das Glamour-Paar Victoria und David Beckham. Sie hofften allerdings vergeblich auf den ersten Sieg eines Briten seit 2000. Damals hatte der Schotte David Coulthard in einem McLaren-Mercedes gewonnen.

          Räikkönen siegte auch dank der besseren Boxenstrategie nach 303,214 Kilometern in 1:21:43,074 Stunden mit 2,459 Sekunden Vorsprung vor Alonso. „Ich habe versucht, Sprit zu sparen und die Reifen zu schonen“, verriet der Finne seine Taktik. „Dann habe ich gepusht. Nach dem zweiten Stopp lief alles einfach.“ Hamilton lag 39,373 Sekunden zurück. Der Pole Robert Kubica belegte als bester BMW-Sauber-Vertreter den vierten Platz. „Das war für uns das perfekte Ergebnis“, kommentierte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen das Abschneiden seiner beiden Schützlinge. „Das war nicht unser bestes Rennen in diesem Jahr“, meinte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. „Die Führung in beiden WM-Wertungen motiviert uns aber für unser Heimrennen.“ In der Konstrukteurs-WM behauptete McLaren-Mercedes mit 128 Punkten die Führung vor Ferrari (103).

          Alonso als lachender Dritter

          Der von der Pole-Position gestartete Hamilton verteidigte die Spitze gegen den gleich beim Start wild attackierenden Raikkönen. In der 14. Runde hätte der Finne den jungen Briten fast gepackt, aber dieser konnte den Angriff gerade noch einmal abwehren. Zwei Umläufe später übernahm der Ferrari-Vertreter die Führung durch Hamiltons frühen ersten Boxenstopp ohne eigenes Zutun. Der Brite zeigte beim Reifenwechsel Nerven und ließ die Kupplung zu früh kommen, was zusätzliche hundertstel Sekunden kostete. „Da habe ich einen Fehler gemacht“, räumte der Formel-1-Frischling ein. Räikkönen tankte zwei Runden später und lag danach vor Hamilton.

          Lachender Dritter der ersten Abfertigungsrunde des Führungstrios war jedoch Alonso: Der als Letzter stoppende Spanier übernahm die Spitze vor dem Finnen und seinem Teamkollegen. Beim zweiten Tanken fiel die Entscheidung über den Sieg: Räikkönen steuerte viel später als die beiden silbernen Konkurrenten die Box an und konnte damit den früh hereingekommenen Alonso an der Spitze wieder ablösen. Danach ließ der Finne nichts mehr anbrennen und fuhr seinen insgesamt zwölften Grand-Prix-Erfolg sicher nach Hause. „So war das nicht geplant“, ärgerte sich Alonso. „Wir haben die Strategie umgestellt und etwas gepokert.“

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