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Verstappen gegen Hamilton : Der erste große Knall

Es geht um die Weltmeisterschaft: Max Verstappen (rechts) und Lewis Hamilton wollen beide den Titel. Bild: Picture-Alliance

Nach einem Duell zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton kommt es in Silverstone zu einem heftigen Unfall. Auf der Straße zum Formel-1-Titel ist nur Platz für einen Piloten. Zurückziehen wird niemand mehr.

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          Die Formel 1 kürt ihre Weltmeister auf der Grundlage zweier simpler physikalischer Prinzipien: Vortrieb und Verdrängung. Seitdem der Deutsche Nico Rosberg unmittelbar nach dem Gewinn des Titels im Dezember 2016 in die Rennfahrerrente gedriftet ist, hat Lewis Hamilton der Szene ziemlich ungefährdet vorgeführt, wer Chef im Ring ist. 2017 gewann Hamilton neun von 20 Rennen, 2018 und 2019 je elf von 21, in der vergangenen Saison elf von 17.

          Die Konkurrenz? Abgehängt. Verdrängt eben. Nachzufragen bei Sebastian Vettel, der im Ferrari Hamilton selten davon fuhr, meist hinterher jagte, bis ihm manches Mal schwindelte. Die Touren zu den WM-Titeln vier, fünf, sechs und sieben waren Triumphfahrten eines Unangreifbaren.

          Mercedes jagt hinterher

          Der Anlauf auf Titel Nummer acht ist es nicht. Im Gegenteil: Hamilton jagt hinterher, Mercedes jagt hinterher. Max Verstappen und Red Bull setzen in diesem Formel-1-Sommer die Maßstäbe. Das „Imperium“, wie Mercedes-Teamchef Toto Wolff vom eigenen Haus am Freitag in Silverstone sprach, ist auf der Suche nach der Überholspur. So lange Hamilton diese nicht gefunden hat, muss der Champion auf dem Beschleunigungsstreifen Nerven bewahren. Weil der Vortrieb nicht ausreicht, kommt es auf die Verdrängung an.

          Deshalb hat er in Copse Corner nicht zurückgezogen, als er in der Startrunde des Großen Preis von Großbritannien dort innen an Verstappen vorbei wollte. Auf mindestens 39 Punkte wäre Verstappens Vorsprung bei einem Sieg gewachsen. Hamilton hatte Schuld – und Glück. Sein Auto war nicht beschädigt, die Rennkommissare belegten sein Vergehen mit einer adäquaten Strafe.

          Verstappens Abflug war heftig, so heftig, dass ein Check im Krankenhaus von Coventry nötig wurde. Nach einer eingehenden Untersuchung wurde er noch am Sonntagabend entlassen. Doch die Folgen des Crashs können kaum Grundlage der Bestrafung Hamiltons sein. Der Brite war auf seiner Linie geblieben, wollte mit dem Kopf durch die Wand. Kein Gentleman auf Sonntagsfahrt, aber die sind selten Formel-1-Weltmeister geworden. Die Zehn-Sekunden-Pause an der Box war angemessen für einen Alpha-Piloten mit Beharrungsdrang.

          Der erste große Knall im Duell zwischen Hamilton und dem 13 Jahre jüngeren Verstappen dürfte die Ouvertüre für einen Kampf um Biegen und Brechen bis zum Saisonende gewesen sein. Zurückstecken wird niemand mehr. Hamilton ist auf der Jagd nach dem achten Titel, dem ultimativen Alleinstellungsmerkmal. Auch Verstappen weiß, dass die große Chance mit Autos nach neuem Reglement im kommenden Jahr passé sein könnte.

          Doch Hamilton hat womöglich noch in anderer Hinsicht Glück: Die heftige, emotionale Reaktion seiner Gegner – Verstappen warf Hamilton auf Grund seines Jubels nach dem Sieg mangelnden Sportsgeist und fehlenden Respekt vor – auf sein Foul zeigt, dass sich Red Bull des eigenen Vorsprungs nicht sicher ist. Womöglich hat das Imperium mit dem Stern am Wagen in Silverstone doch heftiger zurückgeschlagen, als es den Gegnern lieb war. Verstappen kann sich das nicht gefallen lassen. Der nächste Crash droht. Auf der Straße zum Titel ist nur Platz für einen Piloten.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

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