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Formel 1 in Silverstone : Vettel bleibt nur noch ein wenig Ironie

Sebastian Vettel startet nur von Platz sechs ins Rennen am Sonntag. Bild: EPA

Die Silberpfeile fahren vornweg in Silverstone. Bottas startet am Sonntag vor Weltmeister Hamilton. Drittschnellster ist Leclerc im Ferrari. Teamkollege Vettel fühlt sich offenkundig nicht wohl und hat einige Autos vor sich.

          Lewis Hamilton jagt an diesem Wochenende dem sechsten Sieg in Silverstone nach, aber erstmal muss er seinen Teamkollegen einholen. Valtteri Bottas startet von der Pole Position in den Großen Preis von Großbritannien am Sonntag (15.10 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1, bei RTL und Sky). Der Finne im Mercedes fuhr in 1:25,093 Minuten um den 5,891 Kilometer langen Silverstone Circuit und war damit sechs Tausendstelsekunden schneller als sein Teamkollege Hamilton.

          „Es ist das ganze Wochenende schon knapp zwischen Lewis und mir“, sagte Bottas anschließend. Er fuhr seine Bestzeit im ersten Versuch des letzten Qualifikationsabschnitts und musste dann hoffen, dass der WM-Führende Hamilton ihn nicht übertreffen würde. „Ich hätte mich (im zweiten Versuch; d. Red.) verbessern müssen, ich bin froh, dass es gereicht hat. Es ist nicht einfach, hier eine Runde hinzubekommen.“

          Windböen machen es auf dem offenen, auf einem alten Militärflughafen gelegenen Kurs schwierig, die Zeiten konstant zu verbessern. Hamilton berichtete nach der Qualifikation von unvorhersehbaren Windbedingungen. Zudem ist der Kurs vor dem Rennen neu asphaltiert worden. Vergangenes Jahr hätten den Fahrern vor allem auf der Wellington-Gerade, benannt nach den hier im Zweiten Weltkrieg stationierten Vickers-Wellington-Bombern, „die Zähne geklappert“, wie Hamilton sagte. Nun ist der Kurs deutlich ebener. Allerdings sind die Auswirkungen auf den Reifenverschleiß eine Unbekannte, die den Teams am Sonntag Schwierigkeiten bereiten könnte.

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          Bottas verstand seinen Erfolg vom Samstag durchaus als Signal. Er hatte zwei der ersten vier Rennen der Formel-1-Saison gewonnen, war dann aber erst zuletzt in Österreich wieder vor Hamilton ins Ziel gekommen. „Der Kampf um die WM läuft noch“, sagte Bottas am Samstag. „Es gibt noch etliche Rennen.“ Derzeit liegt er 31 Punkte hinter seinem Teamkollegen. Die beiden Mercedes-Piloten haben acht der neun bisherigen Rennen 2019 gewonnen.

          Drittschnellster war Charles Leclerc im Ferrari, der deutlich besser unterwegs war als Sebastian Vettel. Der Deutsche konnte sich nur auf Platz sechs qualifizieren, ihm fehlten auf Bottas sieben Zehntelsekunden. Leclerc war damit das dritte Mal nacheinander schneller als Vettel im Qualifying. Auf zwei von drei Streckenabschnitten war Leclerc sogar schneller als die beiden Mercedes-Piloten, im dritten, letzten Abschnitt ist der Ferrari allerdings deutlich unterlegen.

          „Wir tun uns mit dem Frontflügel immer noch schwer“, sagte Leclerc nach dem Qualifying. Er hofft auf einen starken Rennstart, klang aber nach der Qualifikation nicht danach, als mache er sich großen Hoffnungen auf einen Sieg. „Wenn man sich die Rennsimulationen anschaut, wird es sehr schwer, mit den Mercedes mitzuhalten. Aber ich dachte, wir würden noch mehr Probleme bekommen.“

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          Ferrari-Teamchef Mattia Binotto sagte anschließend, Vettel habe sich offenkundig nicht so wohl im Auto gefühlt wie Leclerc. „Wir müssen das analysieren. Er war nicht so gut wie Charles, das müssen wir uns anschauen.“ Vettel versuchte es anschließend mit ein wenig Ironie: „Es ab schon schlimmere Qualifyings, immerhin konnte ich mitmachen.“

          Vor zwei Wochen in Österreich hatte er den dritten Quali-Abschnitt wegen eines technischen Defekts verpasst. Doch auch in Silverstone wiederholte sich der Eindruck, der Vettels Saison bislang prägt. Er sprach davon, dass er sich am Nachmittag mit dem Fahrverhalten des SF90H nicht wohl genug gefühlt habe, um das Auto von einer Ecke in die nächste zu werfen.

          Beide Ferrari-Piloten werden mit weichen Reifen ins Rennen starten – anders als Bottas und Hamilton, die ebenso auf der mittelharten Mischung starten wie die beiden Red-Bull-Piloten zwischen Vettel und Leclerc: Max Verstappen, der Sieger vor zwei Wochen in Spielberg, und Pierre Gasly. Das könnte dazu führen, dass Ferrari die Konkurrenz mit einem zusätzlichen Boxenstopp zu überholen versucht, wie Red-Bull-Teamchef Christian Horner vermutete. Ob die Strategie erfolgreich sein kann, wird sich erst im Rennen zeigen, wenn klar wird, welche Auswirkungen der frische Asphalt auf die Haltbarkeit der Reifen unter Rennbedingungen tatsächlich hat.

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