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Kommentar zur neuen Saison : Darum wird die Formel 1 so leise

  • -Aktualisiert am

Fährt Sebastian Vettel in dieser Saison zum WM-Titel im Ferrari? Bild: dpa

Früher waren Präsentationen der Formel-1-Autos große Schauspiele. Heute fehlt das ganze Tamtam. Dahinter steckt allerdings nicht nur der Zwang, mit der Ressource Geld vorsichtiger umgehen zu müssen.

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          Sie haben das noch nicht bemerkt? Die Formel 1 brummt wieder. Zumindest werden in diesen Tagen die neuen Boliden für die Mitte März beginnende Saison vorgestellt. Früher waren das große Schauspiele mit Premierencharakter. Einst ließ McLaren mit Hilfe von Mercedes zu einer Gala vor etwa 1500 Gästen nach Valencia bitten, dass es krachte. Und heute? Still und leise präsentierte das amerikanische Team Haas seinen Rennwagen Ende der vergangenen Woche, am Montag folgten Toro Rosso und Williams. Alles mehr oder weniger virtuelle Vorstellungen, ohne Tamtam, Geräuschkulisse und Völkerwanderung. Auch das ist eine Art Enthüllung. Insofern der geneigte Formel-1-Fan ein ökologisches Bewusstsein hinter dieser Knäckebrot-Variante zu entdecken bereit ist und freudig konstatiert: Die Formel 1, sie bewegt sich doch.

          Und zwar weiterhin dank rund 45 Liter Benzin auf einhundert Kilometern, relativ effektiv gemessen an der Leistung des Hybrid-Antriebs, aber auch nicht überragend umweltfreundlich. Was die Frage aufwirft, ob hinter den Sparbier-Präsentationen nicht doch etwas anderes steckt. Zweifellos der Zwang, mit der Ressource Geld vorsichtiger umzugehen. Wahrscheinlich aber auch die Neigung zur Paranoia. Denn was man sah bislang, war allenfalls die Oberfläche. Eine neue Lackierung zum Beispiel mit den Labeln neuer Sponsoren. Zur Vorstellung des neuen Mercedes am Mittwoch auf der Rennstrecke von Silverstone sind Medien erst gar nicht zugelassen. Weil mancher Experte fotografieren könnte, was der Weltmeister so lange wie möglich vor der Konkurrenz geheim halten will?

          Anno 2019 gibt es unauffälligere Methoden, einen Blick auf das Interieur der Rennwagen zu werfen, die über 16 Monate von Hunderten Ingenieuren zu einem gut und gerne vier Millionen Euro teuren Boliden zusammengefügt wurden. Das Engagement von Firmen zur Abwehr von Cyberattacken offenbart die wahre Furcht von Teamchefs. Dass Mechaniker auch kurz vor dem Start des ersten Rennens in Melbourne hinter dem Heck der Autos großer Teams Aufstellung nehmen werden, um die Sicht auf angeblich Geheimnisvolles zu verdecken, zeugt von der Fähigkeit zur Selbstironie.

          In Wahrheit, glaubt die Formel 1, fahre sie ihrer Zeit voraus. McLarens Teamchef Zak Brown freut sich jedenfalls über seinen neuen Sponsor: BAT, der Tabakkonzern, ist zurück und will, selbstverständlich, „a better tomorrow“ erschaffen. Zur besseren Zukunft soll die Zusammenarbeit mit McLaren auch auf dem Gebiet der Batterie-Entwicklung beitragen. Ob Tabakkonzern oder Formel 1, Unternehmen und Sport werden sich schneller wandeln müssen, als sie glauben. Falls sie im Rennen bleiben wollen.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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