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Formel 1 in Österreich : Verstappen siegt nach spektakulärer Aufholjagd

Max Verstappen jubelte nach dem Rennen – und durfte den Sieg auch später behalten. Bild: EPA

Nach einem verpatzten Start scheint der Niederländer abgeschlagen. Doch mit einem gewagten Manöver sichert sich der Red-Bull-Pilot den Sieg, den er auch nach einer langen Untersuchung behält. Und Vettel ärgert sich.

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          Mercedes ist geschlagen. Und Ferrari wieder erster Verlierer? Charles Leclerc hatte eine Frage: „Was zur Hölle ist das?“ Drei Runden vor Rennende war der Große Preis von Österreich am Siedepunkt. Leclercs Ferrari, so lange einsam an der Spitze, in Kurve drei Rad and Rad mit Max Verstappens Red Bull. Verstappen innen, auf dem Kurs, Leclerc draußen. Leclerc lenkt minimal ein, die Autos berühren sich an den Vorderrädern. Verstappen schießt vorbei, auf das Ziel zu. Die schwarz-weiße Flagge fällt, auf den Bildschirmen erscheint in orangener Schrift: „Incident under investigation“. Untersuchung durch die Rennkommissare also. Und eine Strafe für Verstappen, weil er Leclerc von der Strecke gezwungen hat?

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          „Ich denke, es war alles in Ordnung. Wir fahren Rennen, wenn das nicht erlaubt ist, welchen Sinn hat dann die Formel 1?“, fragte Verstappen, ohne zu wissen, was die Schiedsrichter entscheiden würden. Leclerc hatte eine konträre Sicht, biss sich aber auf die Zunge. Drei Wochen nach der Strafe für Sebastian Vettel in Kanada, die Lewis Hamilton zum Sieger machte, war das Ergebnis wieder abhängig vom Urteil der Rennkommissare.

          Die Schiedsrichter, unter ihnen der achtmalige Le-Mans-Sieger Tom Kristensen, berieten, während zehntausende Verstappen-Fans auf die Zielgerade strömten. Sie bekamen die österreichische Bundeshymne zu hören und „Het Wilhelmus“. Sieg für Red Bull und Verstappen, sein sechster Grand-Prix-Sieg. Ferrari wieder erster Verlierer? Eine Entscheidung hatten die Kommissare noch nicht getroffen, als der Zeitplan die Siegerehrung diktierte. Die Stewards nahmen sich Zeit, erst drei Stunden nach Rennende meldeten sie sich. Das Ergebnis: Verstappen behält seinen Sieg. Die Rennkommissare werteten das Überholmanöver als normalen Rennzwischenfall.

          Langweilige Formel 1?

          Vorhersehbare, langweilige Formel 1? Da standen in den ersten drei Startreihen: Autos in Rot und in Blau, in Silber, Orange und Weiß. Ferrari, Red Bull, Mercedes, McLaren und Alfa Romeo. Ganz vorne Leclerc, der Schnellste, sein Ferrari der einzige Wagen unter den ersten zehn, der von der Position ins Rennen ging, für die ihn seine Qualifying-Zeit aufgestellt hatte. Alle anderen waren von den Stewards verschoben worden, wurden bestraft, wie Lewis Hamilton, aus der ersten Reihe auf Platz vier verbannt, weil er den Finnen Kimi Räikkönen regelwidrig aufgehalten hatte. Oder rückten auf Grund der Strafen auf, wie Max Verstappen. Er stand nun an Hamiltons Platz rechts neben Leclerc, nachdem die Rockband Opus 34 Jahre nach ihrem Hit „Life is live“ Österreichs Bundeshymne hatte intonieren dürfen. Ruhm scheint in der Steiermark weniger vergänglich als anderswo.

          Formel 1

          Wie seit einigen Jahre üblich, ist der Große Preis von Österreich eher die große Feriensause der Niederlande. Wieder waren ausnehmend große Teile der Tribünen von in Oranje gekleideten Menschen besetzt, erhitzt von der Sonne und in froher Hoffnung auf einen blitzartigen Start ihres Stars und eine Wiederholung der Siegesfahrt vom Vorjahr. Er ließ sie warten. Ein ausgemacht miserabler Start für Verstappen, dessen Red Bull sich im Schneckentempo von der Startlinie löste, warf den Niederländer auf Platz acht zurück.

          Für Sebastian Vettel dagegen, dessen Qualifying noch unbefriedigender verlaufen war als sieben Tage zuvor in Le Castellet, weil ihn in Spielberg eine defekte Luftdruckleitung von der Teilnahme am entscheidenden Segment ausschloss, ging es dagegen dezidiert nach vorne los: Von Platz neun auf Platz sechs nach der ersten, nun nach Niki Lauda benannten Kurve. Und nach sieben Runden schon Platz vier, vorbei erst an Lando Norris im McLaren, dann am alten Garagennachbarn Kimi Räikkönen, nun für das von Alfa Romeo gesponserte ehemalige Sauber-Team unterwegs. Damit waren Hamilton und sein Teamkollege Valtteri Bottas im roten Sandwich: Leclerc vor Bottas, Hamilton und Vettel. Es wurde Zeit für das Strategiespiel von Spielberg. Während Bottas und Hamilton auf der mittelharten Mischung kreisten, hatte Ferrari auf Risiko gesetzt: weich. Schneller vom Start weg, aber so viel schneller, dass ein ausreichender Vorsprung dabei herausspringen würde für die Piloten der Scuderia?

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