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Formel 1 in Österreich : Verstappens Solotour in Spielberg

Max Verstappen lässt die Konkurrenz mal wieder zurück. Bild: Reuters

Schon wieder gewonnen: Max Verstappen vergrößert mit seinem Erfolg in Österreich in der Fahrerwertung der Formel 1 seinen Vorsprung vor Lewis Hamilton – in einem Rennen mit vielen Strafzetteln.

          3 Min.

          Jubel in den Ohren von Max Verstappen. Das hat er lange nicht mehr so intensiv gehört, live im Moment des Triumphes. Am Sonntag schallte der Chor der Landsleute von den Tribünen hinüber in den Parc fermé, wo der Niederländer Sekunden zuvor seinen Red Bull als Erster abgestellt hatte. Schon wieder gewonnen. Nach dem Sieg vor einer Woche an derselben Stelle nun auch den Großen Preis von Österreich in der Steiermark.

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          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Es war der dritte Erfolg innerhalb von zwei Wochen. Diesmal folgten ihm Valtteri Bottas im Mercedes als Zweiter und Lando Norris (McLaren) auf Rang drei. Der stärkste Rivale um den Titel, Lewis Hamilton, wurde „nur“ Vierter. Und so ist der Vorsprung Verstappens vor dem Silberpfeil-Piloten in der Fahrerwertung gewachsen auf 32 Punkte (182). Es hätten noch mehr sein können.

          Warum so schnell? Die Frage muss sich Sergio Pérez gefallen lassen. Kaum hatte das Feld nach dem Start und einer Neutralisierung wegen des havarierten Alpine von Esteban Ocon wieder volle Fahrt aufgenommen, da drängte der Mexikaner mit Macht auf Rang zwei. Vor sich, dann neben sich Norris. Atem anhalten. Eine Jagd Rad an Rad durch die Kurven. Pérez wollte den kleinen Fauxpas vom Samstag im Qualifikationstraining schnell ausgleichen, Überraschungsgast Norris in der ersten Startreihe überholen, um Red Bull zu einer geschlossenen Führung zu verhelfen.

          Schadensbegrenzung als Motto

          Mit der Brechstange in der vierten von 71 Runden? Es reichte nur zu einem Tête-à-Tête. Auf der Außenbahn sauste Pérez dann auf den schmutzigen Belag und ins Abseits. „Er hat mich rausgeschoben“, rief der Ko-Pilot von Verstappen, eingekauft, um dem Niederländer Schutz zu bieten, immer schön Zweiter zu werden. Nun kreiste er als Zehnter. Auftrag verfehlt, mehr noch: Mercedes ohne große Not Platz geschaffen. Hamilton stieg kampflos auf, Dritter, formatfüllend im Rückspiegel seines famosen jungen Landsmannes Norris.

          Zwar nach 14 Runden 6,3 Sekunden zurück hinter dem führenden Verstappen. Aber welcher Titelkandidat „schenkt“ diesem Siegertyp schon gerne Punkte, wenn er über das Jahr gesehen mit einem Duell auf Augenhöhe zu rechnen hat? Zumal Mercedes in Österreich nach einer vergleichsweise schwächeren Qualifikation (Rang 4 und 5 für Hamilton sowie Bottas) Schadensbegrenzung vor dem Start als Motto ausgegeben hatte. Zwar gaben die Streckenkommissare Pérez recht. Aber auf die Strafe hätte Red Bull gerne verzichtet: fünf Sekunden Stillstand für Norris.

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          Der konnte den siebenmaligen Weltmeister in dieser Phase zwar nicht auf Abstand halten. Das wäre ihm nur im Red Bull möglich gewesen. Die missglückte Pérez-Aktion brachte aber auch Bottas voran. Weil der übereilige Red-Bull-Fahrer später im Stile Norris’ den Angreifer Charles Leclerc samt dessen Ferrari abfertigte, ereilte ihn dasselbe Urteil: fünf Sekunden Zuschlag nach dem Ende des Rennens. Mercedes’ Teamchef Toto Wolff sagte es nicht, aber er wird es gedacht haben zur Mitte des Grand Prix: Die Firma dankt.

          Später richtete sich der Chef an die eigenen Leute. Als Hamiltons Tempo nachließ und Bottas’ Stunde schlug: Überholerlaubnis vorbei am Unantastbaren. Die Aerodynamik hinten links soll Schaden genommen haben. Auch Norris schlüpfte durch. Hätte Pérez seinen Job erledigt, dann wäre Hamilton nur Fünfter geworden und Bottas nicht Zweiter. „Wir haben einen deutlichen Rückstand und das langsamere Pakte“, sagte Wolff, „aber die WM ist noch lange nicht Entschieden.“

          Der zweite Auftritt der Formel 1 in Österreich erfüllte die Erwartungen der (meisten) Fans auf den Tribünen. 62.000 zählte der Veranstalter. Sie haben die seit dem 1. Juli geltende Freizügigkeit in der Alpenrepublik genutzt: grenzenloser Zutritt für Geimpfte, Genesene, Getestete. Die Ränge gefüllt mit Menschen gehüllt in Orange, augenscheinlich Niederländer und andere Anhänger Verstappens in bester Feierlaune schon während dessen souveräner Solotour.

          17,9 Sekunden Vorsprung im Ziel, da spielte es keine Rolle, dass es keine große Sause wurde. Das Rennen plätscherte dahin. Wenn da nicht Pérez zum Dritten gewesen wäre. Wieder drängte er Leclerc in den Staub. Schimpfe vom Monegassen, ein weiterer Strafzettel von der Streckenpolizei, noch mal fünf Sekunden obendrauf: Sechster. Red Bulls Sportdirektor Helmut Marko zählte mit: „Mehr Strafpunkte als Punkte.“

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          Immerhin bot das Spektakel eine handfeste Spur von „Racing“. Im Mittelfeld kämpfte Sebastian Vettel zunächst noch mit dem etwas kuriosen Urteil wegen Blockierens im Qualifikationstraining. Rückversetzung von Startplatz acht auf elf, obwohl er als Letzter einer Gruppe von Piloten in die strafwürdige Position bugsiert worden war. „Seb hat alles richtig gemacht“, sagte Aston-Martin-Teamchef Andy Stevenson. Den Letzten bissen die Hunde, in diesem Fall die Streckenkommissare?

          „Sie haben uns erzählt“, behauptete Stevenson gegenüber dem Fachmagazin Auto Motor und Sport, „dass man sonst zu viele Leute hätte bestrafen müssen.“ Vettels Versetzung hinderte ihn nicht an einem guten Auftritt bis in die letzte Runde. Angriff auf Kimi Räikkönen im Alfa Romeo, den Zwölften. Vettel ist schon fast vorbei, als der Finne reinzieht und seinen Kumpel aus der Spur dreht. Der Heppenheimer fand es ein „bisschen überflüssig“, wurde als 17. gewertet vor dem überrundeten Mick Schumacher, Vorletzter im Haas. Dem gelang, was ihm immer gelingt im langsamsten Auto. Er deklassierte seinen Teamkollegen.

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