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Formel 1 in Österreich : Karambolage mit Vettel – Fehler von Hamilton

Optische Täuschung: Die Silberpfeile trugen Schwarz, und obwohl Lewis Hamilton hinter Valtteri Bottas ins Ziel kam, bekommen Charles Leclerc (Ferrari) und Lando Norris (McLaren) die anderen Pokale. Bild: Reuters

Weltmeister Lewis Hamilton muss seinem Mercedes-Teamkollegen beim Start der Formel 1 den Sieg überlassen, weil er patzt und bestraft wird. Für Sebastian Vettel im Ferrari kommt es noch schlimmer.

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          Lewis Hamilton? Der Weltmeister aus Großbritannien stand vor allem vor dem Großen Preis von Österreich im Mittelpunkt. Er und Vallteri Bottas fuhren in Silberpfeilen, die schwarz lackiert wurden, um den Kurs, sie trugen auch schwarze Rennanzüge, Hamilton hatte sogar sein Helmdesign verändert und den Slogan „Black Lives Matter“ und eine Faust auf die Seite sprühen lassen. Und während alle anderen Fahrer vor dem Rennen mit T-Shirts und der Aufschrift „End Racism“ zum Fototermin gingen, trug er eine eigene Edition mit einem „Black Lives Matters“-Schriftzug auf der Brust. Alles ein bisschen viel? Nach zwei Fehlern, einem im Qualifikationstraining, einem im Rennen, blieb Hamilton jedenfalls nur Platz vier. Es siegte Bottas vor Charles Leclerc (Ferrari) und Lando Norris (McLaren). Sebastian Vettel (Ferrari) wurde Zehnter.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es war ein außergewöhnlicher Grand Prix, der erste seit Beginn der Corona-Pandemie. Einer, der auch im Zeichen des Anti-Rassismus-Kampfes stand. Vierzehn Piloten gingen als Zeichen des Protests auf die Knie – neben Hamilton unter anderem auch Vettel, sechs Fahrer verzichteten auf diese Geste. Etwa Leclerc, der vor dem Rennen twitterte: „Ich glaube, dass Fakten und das Verhalten im täglichen Leben wichtiger sind als formale Gesten, die in einigen Ländern möglicherweise als kontrovers angesehen werden könnten.“

          Sportlich hatte Mercedes das gesamte Wochenende dominiert: Hamilton setzte die Bestzeiten in jeder der drei Trainingssitzungen, nur im Qualifying musste er sich seinem Teamkameraden Bottas geschlagen geben: um zwölf Tausendstelsekunden, umgerechnet 82 Zentimeter – ein Wimpernschlag. Den Rest des Feldes trennten Welten vom Weltmeister-Team. Etwas mehr als eine halbe Sekunde lag Verstappen als Dritter des Zeitentrainings schon am Samstag zurück, Leclerc als Siebter und Vettel als Elfter sogar rund eine Sekunde. Erst ein Protest von Red Bull brachte kurz vor dem Rennen Bewegung in die Startaufstellung. Hamilton war während einer Gelb-Phase im Qualifikationstraining nicht stark genug vom Gas gegangen, wurde bestraft und startete lediglich als Fünfter.

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          Ganz vorne behauptete Bottas seine Führung gegen Verstappen, dahinter wagten zunächst Lando Norris (McLaren) und Alex Albon (Red Bull) zarte Angriffe. Hamilton blieb in Lauerstellung und war vor allem darum bemüht, seinen Rennwagen in der turbulenten Anfangsphase nicht zu beschädigen. In Runde vier zog er an Norris vorbei, in der achten an Albon. Auf Platz zwei rückte er kampflos vor, als Verstappen an Tempo verlor und mit seinem Red Bull an die Box rollen musste (13. Runde). Knapp acht Sekunden lag Hamilton da hinter Bottas zurück, doch der Brite kam näher.

          Und Vettel? Der Deutsche hatte im Mittelfeld sichtbare Probleme, seinen Ferrari mit der Typenbezeichnung SF1000 zu bändigen. Der rote Renner lag unruhig in den Kurven, auf den Geraden mangelte es ihm an Tempo. Und trotzdem ging es für den Dreiunddreißigjährigen Stück für Stück nach vorne. Nach 23 Runden war er Achter – rund 35 Sekunden hinter Bottas. Ferrari fuhr in einer anderen Welt, einer, die den Ansprüchen und dem Glanz der Marke jedoch so gar nicht entspricht.

          Sebastian Vettel erlebte in Österreich keinen guten Start in die Saison.

          Erst ein Ausrutscher von Kevin Magnussen (Haas F1) und der daraus resultierende erste Safety-Car-Einsatz der Saison brachte das Feld wieder zusammen (27. Runde). Am Ende der langen Bergaufpassage Richtung Kurve drei hatte der Däne die Kontrolle über seinen Rennwagen verloren und stand danach in der Auslaufzone. Bottas nutzte die Gelegenheit, kam an die Box, und die Mechaniker schickten ihn mit harten Reifen zurück auf die Strecke. Die Verfolger machten es ihm nach.

          Beim Restart hielt Bottas Hamilton weiter auf Distanz, hinter den beiden aber wurde es eng. Carlos Sainz Jr. (McLaren) griff Leclerc an, der Monegasse verteidigte sich und Platz sechs – und hinter den beiden witterte Vettel seine Chance. Angriff innen in Kurve drei! Doch er verbremste sich, rutschte in den McLaren des Mannes, der ihn im kommenden Jahr bei Ferrari ersetzen wird – und drehte sich. Anstatt in den Windschatten Leclers ging es für ihn zurück auf Platz fünfzehn. I have damage“, funkte Vettel an den Kommandostand. Klar, der Ferrari hatte die Karambolage nicht schadlos überstanden. Am Ende wurde Vettel Zehnter.

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          Ganz vorne setzten Bottas und Hamilton inzwischen zum Parallelflug um den Red-Bull-Ring an. Mit einem Abstand von zeitweise nur einer halben Sekunde kämpften sie um den Sieg in der Steiermark. Ohne Rücksicht auf Verluste. Zuerst forderte Hamilton die volle Motorleistung für einen Angriff auf Bottas, dann warnten die Ingenieure beide Fahrer davor, dass sie die Getriebesensoren beschädigen würden, wenn sie weiter so über die Kerbs fahren würden. Hamilton funkte zurück: „Ich bleibe generell von den Kerbs weg.“ Antwort: „Verstanden, tu dein Bestes und pass auf das Auto auf!“ Hamilton: „Er (Bottas, Anmerkung der Redaktion) nutzt die Kerbs viel mehr als ich.“ Ob während Corona-Pandemie oder im Anti-Raissismus-Kampf – im Cockpit bleibt Hamilton, wie er ist, und geht auf alles.

          Als sich am Alfa Romeo von Kimi Raikönen ein Rad löste, das Safety Car wieder auf die Strecke kam, und Albon auf die weichste Reifenmischung setzte, wurden die Karten noch einmal neu gemischt. Erst schnappte sich Albon Sergio Perez (Racing Point), dann griff er auch Hamilton an, wollte außen am Briten vorbei ziehen, als sich die Reifen der beiden Boliden berührten – und Albon von der Strecke kreiste. Hamilton wurde mit einer Fünf-Sekunde-Zeitstrafe belegt. Nun war Leclerc wieder im Spiel, der bis auf Platz drei nach vorne gekommen war und am Ende sogar Zweiter wurde vor Norris, der als Dritter ins Ziel kam. Hamilton blieb nur der vierte Platz. „Es hat Spaß gemacht“, sagte Leclerc. „Wahnsinn!“, sagte Norris. Wer hätte das gedacht?

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