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Qualifying in Monza : Ferrari erlebt erwartetes Desaster, Hamilton auf Pole

Schied bereits im ersten Qualifyingsabschnitt aus: Sebastian Vettel Bild: AP

Lewis Hamilton sammelte beim Qualifying in Monza nicht nur den ersten Platz ein, sondern auch mehrere Rekorde. Die Ferraris und allen voran Sebastian Vettel enttäuschten schwer – und das beim Heimrennen.

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          Das Qualifying zum Großen Preis von Italien ist für Sebastian Vettel und Ferrari mit dem befürchtet miserablen Ergebnis schon im ersten Qualifikationsabschnitt zu Ende gegangen. Der viermalige Formel-1-Weltmeister fuhr auf dem Hochgeschwindigkeitskurs im Königlichen Park von Monza nur die siebzehntschnellste Zeit, ihm fehlten rund 4 Hundertstelsekunden für den Sprung in den zweiten Teil der Qualifikation. Neben der im Vergleich zur Konkurrenz offenkundigen Untermotorisierung litt Vettel am Samstagnachmittag unter der verfehlten Strategie seines Teams, das ihn zu früh auf die letzte Runde schickte. So fuhr Vettel in einem Pulk von sechs Autos, vor sich die noch schwächer motorisierten Williams, ohne Aussicht auf den auf den langen Geraden des Kurses wichtigen Windschatten.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          „Der Plan war eine saubere Runde. Das hat nicht funktioniert. Zu viele Autos auf einem Fleck, die sich auch noch gegenseitig überholt haben, Chaos“, sagte Vettel anschließend. Teamkollege Charles Leclerc profitierte vom besseren Management seiner Ausfahrt und schaffte den Sprung in einen weiteren Anlauf. Dann war auch für den Monegassen Schluss beim Vorlauf für den 999. Grand Prix der stolzen Scuderia – Platz 13. Nicht weniger als ein Debakel, aber eines, das abzusehen war, spätestens nach dem Ausflug ins Hohe Venn am vergangenen Wochenende. In den Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps starten die beiden Ferrari-Piloten allerdings noch von Platz 13 (Leclerc) und 14 (Vettel). In Monza ging es weiter abwärts. Erstmals seit 1984 verpassten beide Ferrari-Piloten einen Startplatz unter den besten Zehn. „Das ist heute gar nichts gewesen“, stellte Vettel fest. „Es geht nicht um Monza“, sagte Ferrari-Sportdirektor Laurent Mekies. „Es geht darum, den Weg zurück zu finden. Ferrari hat sich verfahren, nicht erst in Monza, aber auf der Strecke, die wie keine andere Motorenleistung – oder ihr Fehlen – offenlegt, hat sich die Orientierungslosigkeit des berühmtesten Teams im Feld noch stärker gezeigt.

          Durfte sich neben der Pole Position auch über neue Rekorde freuen: Lewis Hamilton im Mercedes.
          Durfte sich neben der Pole Position auch über neue Rekorde freuen: Lewis Hamilton im Mercedes. : Bild: Reuters

          Die besten Startpositionen für das Sonntagsrennen im Park (15.10 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 und bei RTL und Sky) sicherten sich wie erwartet die Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas. Hamilton fuhr die Bestzeit, schlug seinen Teamkollegen um 69 Tausendstelsekunden. „War nicht schlecht“, sagte Hamilton. „Ich bin froh, dass ich eine saubere Runde hinbekommen habe.“

          Dritter wurde überraschend McLaren-Pilot Carlos Sainz, der in der kommenden Saison Vettel bei Ferrari ersetzt, vor Sergio Perez im Wagen vom Team Racing Point. Nur auf Platz fünf kam Max Verstappen im Red Bull, der mehr als 0,9 Sekunden langsamer als Hamilton war. Das zweitbeste Team im Feld liegt damit weiter deutlich hinter Mercedes, obwohl an diesem Samstag erstmals die Nutzung der „Party-Mode“ genannten Leistungsspitzen in der Motoreinstellung untersagt sind, die Red Bull insbesondere für die eigene Unterlegenheit gegenüber Mercedes geltend gemacht hatte. Er sei „irrsinnig froh“ über das Ergebnis, sagte Mercedes-Teamchef Wolff, dass trotz des Eingriffs in das Motorenreglement, der „viel Einsatz von Geld“ mit sich gebracht hatte.

          „Der blockiert mich die ganze Zeit, der Idiot“

          Die letzten Minuten des ersten Qualifikationsteils sorgten selbst beim ältesten Piloten im Feld, dem Finnen Kimi Räikkönen, für emotionale Aufwallungen. Vom Franzosen Esteban Ocon mehrfach und durchaus gefährlich geblockt, schimpfte Räikkönen über den Funk an seine Alfa-Romeo-Crew: „Der blockiert mich die ganze Zeit, der Idiot.“ „Ja, ja, wir sehen das“, bekam der Finne als Antwort.

          Minuten später verlor Räikkönen seinen zwei Jahre alten Rundenrekord auf der Traditionsstrecke in der Lombardei. Damals hatte die Ferrari-Strategie Räikkönen und nicht Vettel beim Windschattenspiel bevorzugt und auf die Pole Position gebracht, eine Entscheidung, die Vettels Aussichten auf einen WM-Titel mit Ferrari nicht unwesentlich beeinflusste. Im zweiten Qualifikationsabschnitt unterbot Lewis Hamilton nun zunächst Räikkönens Rekord von 1:19,119 Minuten für die 5,793 Kilometer lange Strecke im Autodromo Nazionale. Schließlich setzte er mit 1:18,887 eine neue Bestzeit, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 264,362 km/h – eine schnellere Runde gab es in 70 Jahren Formel 1 nicht. Für Hamilton ist es die siebte Pole Position in Monza, die 94. seiner Karriere: beides weitere Rekordzahlen.

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