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Formel 1 in Monza : „Mamma Mia!“

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Vielleicht. Die Bereitschaft, alles zu tun, um vorne zu bleiben, zeigte der Monegasse 24 Stunden später. Als Hamilton nach beider Boxenstopps angriff, als es so aussah, als könnte der Ferrari-Mann den Silberpfeil nicht mehr hinter sich halten. Auf dem Weg zur zweiten Schikane zog der Weltmeister auf der rechten Außenbahn auf die Höhe des roten Renners. Leclerc lenkte schnurstracks nach rechts vor dem Linksknick, touchierte den Mercedes und zwang Hamilton in den Notausgang. „Er hat mich rausgedrückt“, klagte Hamilton. Die Streckenpolizei zeigte Leclerc die schwarzweiße Flagge, eine Art Verwarnung. Der verstand die Welt nicht: „Für was?“

Leclerc lernt schnell. So ist er durch die Nachwuchsklassen gesaust, hat 2018 bei Sauber die Formel-1-Lehre mit Bravour bestanden nach ersten Fehlern. Wiederholen gilt nicht. Am Sonntag spielte sein Österreich-Erlebnis eine Rolle. Auf dem Red-Bull-Ring war Leclerc auf den letzten Metern, den ersten Sieg in der Formel 1 vor Augen, noch von Max Verstappen (Red Bull) verdrängt worden. Auch nicht auf die feine Art. „Ich werde in Zukunft aggressiver fahren“, kündigte Leclerc an. Gesagt, getan, gefreut: „Ich finde es gut, dass wir härter fahren können“, sagte Lecelerc nach dem Sieg in Monza. An seinem Feiertag verdichtete sich aber der Eindruck, die Streckenkommissare meinten es gut mit dem 21-jährigen Aufsteiger des Jahres. 36. Runde: Unter Druck von Hamilton kürzt Leclerc die erste Schikane ab. „Das gefährliche Fahren wird fortgesetzt“, kommentierte Hamilton die Szene während der Jagd im Stile eines rasenden Reporters. Allein die Aufsicht des Internationalen Automobil-Verbandes sah diesmal keinen Grund einzugreifen. Wie sich die Zeiten ändern. Vor einem Jahr hatte Verstappen wegen des gleichen Manövers vor der Nase von Bottas eine Zeitstrafe erhalten: fünf Sekunden Aufschlag.

Rennstrecke als Pilgerstätte: Ganz Monza in Rot

„Ich habe Fehler gemacht, aber ich bin vorne“, sagte Leclerc unter dem Jubel der Ferrari-Fans. Seit 2010 (Fernando Alonso) hatte es keinen Ferrari-Sieg mehr in Monza gegeben. Hamilton war trotz seiner unbestrittenen Qualitäten mitunter ausgepfiffen worden, selbst oder gerade nach einem Sieg im Königlichen Park. Am Sonntag hätte er Michael Schumacher (ebenfalls fünf Erfolge) hinter sich lassen können. Aber die Hatz raubte ihm wohl für einen Moment den Nerv. In der 42. Runde verschätzte er sich bei Tempo 350 beim Anbremsen der ersten Schikane. Der nötige Zug durch den Notausgang verschaffte Leclerc eine Atempause für ein paar Runden. Bis ihm Hamiltons „Ersatzmann“ Bottas im Nacken saß, der Profiteur des Missgeschickes. Wieder einmal bot sich dem Finnen die Chance, die Arbeit des Chefpiloten zu erledigen, die Vertragsverlängerung gleich postwendend zu rechtfertigen. „Komm, Valtteri“, rief der Renningenieur in den Funk, „das ist dein Sieg.“ Aber kurz darauf drehte sich Teamchef Toto Wolff auf seinem Hocker in der Mercedes-Garage wie schmerzerfüllt zur Seite. Als könne er nicht mehr hinschauen. Auch Bottas verbremste sich. Ein typisches Bild an diesem Nachmittag. Und so sauste Leclerc glückserfüllt zu seinem zweiten Formel-1-Sieg und rief, was auch für Vettel galt: „Mamma mia.“

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