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Formel 1 in Monza : Drohen und kreisen

Hallo auch: Flavio Briatore (rechts) bei Ferrari und Luca di Montezemolo Bild: picture alliance / dpa

Die Dichte an illustren Namen beim Rennen in Monza scheint größer als in Monaco. Die Formel 1 rotiert dabei um Zwielichtgestalten und Zukunftsthemen - nur vorwärts kommt sie nicht.

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          Monza wichtiger als Monaco? Paul Hembery, der Mann, der als Sportchef von Pirelli die Formel 1 mit Reifen versorgt, hatte diesen Eindruck. „Hier sind mehr Promis zu sehen als in Monte Carlo“, behauptete der Engländer am Sonntagvormittag, noch bevor der branchenübliche Auftrieb der Licht- und Zwielichtgestalten so richtig begonnen hatte.

          Franz Beckenbauer, zum Beispiel, war noch nicht da, sah sich aber am Sonntag zum ersten Mal ein Formel-1-Rennen am Ort des Geschehens an. David Hasselhoff hatte sich schon am Samstag blicken lassen, als Gast von Red Bull in ein Sponsorenhemd gehüllt, und Nico Rosberg durfte Rowan „Mr Bean“ Atkinson seinen Arbeitsalltag erklären. Ergebnis: „Er hat mehr Ahnung vom Rennfahren als ich“, twitterte der Deutsche und versendet ein Grinsegesicht gleich mit: Nicht, dass das noch einer ernst nimmt.

          Apropos Beckenbauer, Hasselhoff und Atkinson: Sie waren nicht die einzigen Gäste im Königlichen Park, deren schöpferisch wertvolle Werktätigkeit schon eine Weile zurückliegt. Beim Zirkus in Monza waren mal wieder eine ganze Reihe ehemaliger Direktoren zu Besuch. Ron Dennis hielt zum 50. Geburtstag des McLaren-Rennstalls eine Rede. 2007 hatte er als Teamchef die 100-Millionen-Dollar-Rekordstrafe zu verantworten, die der Internationale Automobil-Verband Fia gegen McLaren wegen des Spionageskandals verhängt hatte, in dem ein McLaren-Ingenieur in den Besitz von technischen Zeichnungen und anderen Daten von Ferrari gelangt war.

          Nun nutzte Dennis die Gelegenheit, zu beweisen, dass er seit seinem Abgang als Teamchef 2009 als Vorstandsvorsitzender der McLaren-Gruppe zwar den Umsatz des Unternehmens auf mehr als eine Milliarde Dollar gesteigert hat, aber in Sachen Humor nicht wesentlich zulegen konnte: „Ich habe ein paar Kilo zu viel auf den Rippen, aber ich bin fit. Super fit. Richtig fit.“ Subtext ans Team, im Jubiläumsjahr erfolglos wie selten unterwegs: Wenn ihr nicht bald in Schwung kommt, mache ich euch wieder Beine. Es gibt Menschen im Fahrerlager, die das für eine sehr effektive Drohung halten.

          „Das Familienleben ist sehr aufregend“

          Zwei Stunden zuvor, während der Qualifikation am Samstag, hatte keine achtzig Meter entfernt ein Mann seinen großen Auftritt, der die Formel 1 2009 nur ein halbes Jahr nach Dennis verlassen musste: Flavio Briatore war bei Ferrari zu Gast. Selbstverständlich nur als Privatmann, sicher, certo, wie der Italiener zu sagen pflegt. „Das Familienleben ist sehr aufregend“, sagte der Mann, der als Renault-Teamchef seinen Piloten Nelson Piquet jr. nach dessen Angaben einst beim ersten Rennen in Singapur 2008 zum absichtlichen Unfall aufgefordert hatte, um Briatores Starpiloten Fernando Alonso einen Vorteil zu verschaffen. Briatore wurde gesperrt.

          Und nun zu Gast bei Ferrari, bei amigo Alonso, der auf seinen Rat hört. Ausgerechnet in Monza? Mancher wollte darin eine versteckte Botschaft des in letzter Zeit auffällig unausgeglichenen Spaniers an Scuderia-Teamchef Stefano Domenicali sehen, aber, siehe oben: Signore Briatore ist ja zurzeit im Gegensatz zu Mr Dennis voll und ganz ausgelastet mit la famiglia. Und wo wäre der Einfluss der Familie wesentlicher als in Italien?

          Zum Arbeiten, so schien es, war nur einer der wesentlichen Teamchefs aus den vergangenen zwei Dekaden Formel 1 nach Monza gekommen: Jean Todt nutzte die Gelegenheit, seine Kandidatur für eine zweite Amtszeit als Präsident der Fia zu verkünden. „Warum sollte ich auch nicht? Ich will das beenden, was ich begonnen habe“, sagte Todt. Ja, warum auch nicht? Vielleicht, weil sich vor allem die spöttische britische Fraktion in der Formel 1 fragt, was Todt denn als Fia-Präsident so treibt. In Monza war der Franzose aber bei keinerlei Untätigkeit zu entdecken.

          Schon am Freitag kombinierte er geschickt Wahlkampfauftakt und dolce vita, bat Vertreter von 30 Automobilclubs, die mit anderen am 6. Dezember über ihr Oberhaupt abstimmen werden, zum gemeinsamen Abendessen. Ein gutes Essen im Kreise der Lieben, die italienischen Gepflogenheiten standen in Monza hoch im Kurs. Auf den Franzosen Todt, der einst als Ferrari-Teamchef mit Michael Schumacher die Formel 1 dominiert hatte, wartet mit dem Engländer David Ward ein Herausforderer, der als gut vernetzt gilt, mit einer „Agenda des Wandels“ antritt, in der Ward unter anderem einschneidende Kürzungen der Kompetenzen des Fia-Präsidenten verspricht und einen scharfen Blick auf die Ausgaben der Formel-1-Teams, von denen weiterhin mindestens die Hälfte eher schlecht als recht über die Runden kommt.

          „Die Teams diskutieren das“

          Zudem gilt Ward als Vertrauter von Todts Vorgänger, Max Mosley. Jenem Mann, der einst Dennis und Briatore bestraft und der Serie ein Sparprogramm verordnet hatte. Nun will auch Todt sparen - „weiterhin“, wie er das nennt. Weiterhin unklar ist aber vor allem, auch nach Monza, wie viele Rennen die Formel 1 im kommenden Jahr austrägt. Zwischen 19 und 22 ist alles drin.

          Dazu weitreichende technische Änderungen und mehr Testfahrten - mit dem jetzigen Personal „kommen wir da an eine Grenze“, sagt nicht nur Mercedes-Teamchef Ross Brawn: „Die Teams diskutieren das.“ Aber um über dringend nötige Sparrunden zu reden und andere Probleme zu lösen, war Monza offenbar nicht der richtige Ort. Domani, morgen, ist so ein schönes italienisches Wort.

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