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Formel 1 in Monza : Alonso siegt - Vettel verblüfft die Konkurrenz

  • -Aktualisiert am

Feucht-fröhliches Vergnügen in Monza: Ferrari-Pilot Fernando Alonso siegt Bild: AFP

Mit seinem ganz späten Reifenwechsel sichert sich Sebastian Vettel in Monza noch Rang vier. Ferrari jubelt über Fernando Alonsos Sieg. Und Vettels Teamkollege Mark Webber übernimmt die WM-Führung vom unglücklichen Lewis Hamilton.

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          Wie inszeniert für die Ferrari-Gemeinde: Fernando Alonso gewinnt den Großen Preis von Italien. Die Tifosi brüllen vor Freude, Rotkäppchen, in Ferrari-Fahnen gehüllt, stürmen die Strecke nach dem Sieg des Spaniers am Sonntagnachmittag und rufen in Sprechchören nach ihrem Helden.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der Präsident gibt eine neue Parole aus. „Ferrari ist zurück“, lässt Luca di Montezemolo ausrichten, während aus den Streckenlautsprechern immer wieder die Rockgruppe Queen ihre Stimme erhebt: „We are the Champions.“ Noch lange nicht. Im letzten Augenblick aber kehrten Alonso und Ferrari doch noch zurück ins große Rennen um den Fahrertitel 2010. „Das war wohl eines meiner wichtigsten Rennen“, sagte der Spanier.

          In Monza sind immer wieder besondere Dinge passiert. Hier spielten tragische und triumphale Szenen, hier starben Heroen des Motorsports, Graf Berghe von Trips etwa, im September 1970 Jochen Rindt, bevor er posthum Weltmeister wurde. Und hier wendete Michael Schumacher 2000 das Blatt im WM-Kampf, siegte 2006 über Alonso und kündigte seinen Rücktritt nach einer einzigartigen Karriere an.

          Die „rote Göttin” von Alonso glänzte in der italienischen Sonne ganz besonders hell

          „Es sind noch fünf Rennen. Da ist noch alles drin.“

          Jetzt soll der jüngste Auftritt in Monza der Beginn eines aussichtsreichen Endspurts von jenen sein, die schon als die Geschlagenen des Jahres galten. „Ich bin wieder im Spiel“, sagt Alonso. „Ich habe meine Chancen erhalten“, erklärt Jenson Button, der im McLaren-Mercedes Zweiter vor Felipe Massa (Ferrari) wurde.

          Selbst Sebastian Vettel ist als Vierter im Red Bull seinem Traum vom Titel wieder näher gekommen, während dessen Teamkollege Mark Webber als Sechster zwar „verlorene Punkte“ beklagte, aber doch ganz nach vorne kam. Denn einer aus dem Quintett der besten Fünf in diesem Jahr senkte sein Haupt: „Das war mein Fehler“, sagte Lewis Hamilton. Schon nach einem Kilometer, in der zweiten Schikane, war die rechte Vorderrad-Aufhängung des McLaren bei einem von Hamilton erzwungenen Zweikampf mit Massa gebrochen.

          In der Fahrerwertung fiel der Engländer mit der Nullrunde (181 Punkte) auf Rang zwei hinter Webber (187) zurück. Die anderen, Alonso (166), Button (165) und Vettel (163) haben ihren Rückstand verkürzt. Und neue Hoffnung gewonnen: „Es sind noch fünf Rennen zu fahren“, sagte Vettel zufrieden: „Da ist noch alles drin.“

          „Die Motorleistung ließ zwischenzeitlich nach“

          Das war eine reife Leistung. Vettel verblüffte die Konkurrenz schon wieder in Monza. Vor zwei Jahren hatte er unter schwierigen Bedingungen erstmals ein Formel-1-Rennen gewonnen. Diesmal sah er nach 21 der 53 Runden wie der zweite Verlierer neben Hamilton aus. Während Button beim Start die Führung übernommen und, gejagt von den Ferrari, davon zog, rutschte der Hesse erst von Platz fünf auf sieben zurück.

          Dann zog auch noch Teamkollege Webber an ihm vorbei. „Die Motorleistung ließ zwischenzeitlich nach“, schilderte Vettel. „So fühlte es sich an.“ Und danach sah es auch aus. Die Höchstgeschwindigkeit seines Rivalen bei Red Bull lag in dieser Phase um 27 Kilometer pro Stunde höher. Aber „plötzlich war die Leistung wieder“ da. „Ich hatte einen dicken Hals deswegen. Ich musste mich wieder ran kämpfen und gleichzeitig die Reifen schonen.“ Ein Balanceakt, der Feingefühl und Nervenstärke verlangt.

          „Das habe ich noch nie gesehen“

          Einer nach dem anderen bog zur Box ab. Nur Vettel blieb auf der Umlaufbahn. Während die Kollegen mit neuen Reifen und mit frischem Mut zurückkehrten, bangte der 23 Jahre alte Pilot um Form und Fassung des Boliden: „Die Unsicherheit bleibt, weil man nicht weiß, was es ist - und ob so eine Leistungsverlust wieder kommt.“ Er kam nicht zurück. Aber Vettel in Fahrt. Auf abgefahrenen Pneus beschleunigte er, fuhr einen Vorsprung heraus, der nach dem obligatorischen Reifenwechsel erst in der vorletzten Runde reichte, neben Webber sogar noch den wegen eines technischen Problems gebremsten Nico Rosberg (McLaren-Mercedes/5.) zu verdrängen. „Das habe ich noch nie gesehen“, staunte Niki Lauda. Vettel nutzte die Gunst der Stunde, seine Gelassenheit zu demonstrieren: „In der Ruhe liegt die Kraft.“

          Der Satz war nicht direkt an den Verlierer des Tages gerichtet. Aber Hamilton darf sich wohl angesprochen fühlen. Auch der Engländer gehörte zur Ratgebergemeinschaft, die Vettel zuletzt zur Vorsicht mahnte, ihm nahelegte, nicht gleich alles riskieren. Jetzt steht der Brite wie noch vor zwei Wochen Vettel in Spa mit leeren Händen da. Als hätte ihn die Ungeduld aus dem Rennen genommen: alles gewollt, aber nichts bekommen. Aber hatte der Weltmeister von 2008 eine andere Wahl, als zur Jagd zu blasen?

          „Die Gesamtstrategie war sehr gut“

          Hamiltons Chance im Königlichen Park von Monza lag in der Flucht nach vorne nach der Entdeckung eines großen Irrtums. Hamilton hatte mit Blick auf die langen Geraden und die eckigen Schikanen vor dem Qualifikationstraining auf wenig Abtriebskraft gesetzt und den Heckflügel flach gestellt. Er wollte mit Höchstgeschwindigkeiten erfolgreich sein. Sein Teamkollege Button dagegen setzte auf den Einsatz des sogenannten F-Schachtes und einen fast senkrecht gestellten Heckflügel, also lieber auf eine hohe Kurvengeschwindigkeit und ein stabileres Auto.

          Der zweite Startplatz bestätigte Button. Das Rennen verlor er nur, weil Alonso nach dem Boxenstopp eine halbe Wagenlänge vor ihm auf die Piste zurückkehrte. „Ich bin mir nicht sicher, ob unser Boxenstopp nicht zur früh kam. Aber die Gesamtstrategie war sehr gut“, sagte Button. Hamilton hatte das schon am Samstag zerknirscht zur Kenntnis genommen. Nach Rang fünf blieb ihm nichts als die Attacke. Denn eine bessere Gelegenheit, der Konkurrenz von Red Bull zu enteilen, wird es kaum mehr geben. Monza war die schwierigste Strecke für das Team von Webber und Vettel. Jetzt kommen ihre Lieblingskurse.

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