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Formel 1 in Monaco : Keine Strafe für Rosberg

  • -Aktualisiert am

Dem Dritten Daniel Ricciardo gibt Nico Rosberg freudig die Hand Bild: dpa

Die Spannungen zwischen Rosberg und Hamilton werden größer. Der Deutsche fährt in Monaco auf die Pole-Position, doch verdirbt er dem Briten die schnelle Runde. War es Absicht? Die Rennkommissare sprechen Rosberg frei.

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          Nico Rosberg ballte die Fäuste, reckte sie als Geste des Sieges nach dem Qualifying für den Großen Preis von Monaco an diesem Sonntag (14.00 Uhr / Live im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) seinen Teammitgliedern und Freunden entgegen. Schnellster Mann auf seiner Heimatstrecke, die wichtigste Pole-Position der Formel-1 gewonnen und – vor allem – den Teamkollegen hinter sich gelassen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Das zeigte Wirkung, der Rückstand für Lewis Hamilton im zweiten Mercedes, 0,059 Sekunden, ist nur in Hauch. Aber einer, der Kälte ausstrahlte. Denn beim ersten Foto des Trios, Daniel Ricciardo im Red Bull wurde Dritter, verzog Hamilton keine Miene, während Rosberg lachte. Der obligatorische Handschlag blieb aus.

          Der Red-Bull-Pilot aus Australien gratuliert auch Hamilton zum zweiten Rang

          Vielleich waren das die ersten äußeren Anzeichen einer zunehmenden Spannung unter den Teamkollegen. Sie werden voraussichtlich den WM-Kampf unter sich austragen, Hamilton führt vor dem sechsten Grand Prix der Saison mit drei Punkten (100) vor Rosberg (97). Seine Chance auf einen fünften Sieg in Serie hat Rosberg am Samstag erheblich gedämpft.

          Dazu trug nicht nur seine Klasse auf der Jagd durch die Stadt bei. Im allerletzten Versuch misslang die Verbesserung der Bestzeit (1:15,989 Minuten). Auf dem Weg zur Mirabeau-Kurve verschätzte sich Rosberg: „Ich wollte nochmal alles probieren. Ich hatte schon gedacht, es ist aus“, sagte der in Monaco aufgewachsene 28 Jahre alte Mercedes-Mann, „das ist eine haarige Kurve. Ich hatte immer wieder Probleme dort.“

          Schnellster zwischen den Häusern von Monte Carlo: Nico Rosberg

          Mit Mühe gelang es ihm, den Silberpfeil an den Leitplanken vorbei in den Notausgang zu steuern. Die von den Streckenposten geschwenkten gelben Flaggen zwangen Hamilton vom Gas zu gehen. „Bis dahin“, sagte er wortkarg, „lief alles wie geplant.“

          Die Vermutung, Rosberg habe mit einer überaus geschickten Taktik seinen Rivalen ausgebremst, konterte Niki Lauda, Chef des Aufsichtsrates vom Rennstall, verärgert als Experte des Privatsenders RTL: „Nico hat sich verbremst. Das rechte Vorderrad hat blockiert, dann ist er in den Notausgang gefahren. Ihm zu unterstellen, dass das Absicht war, muss ich zurückweisen.“ Das tat auch Rosberg: „Es ist einfach, das zu widerlegen, denn die Daten zeigen eindeutig, dass nichts großartig anders war als in der Runde davor. Ich habe etwas später gebremst und das war es“, schildert der Monaco-Sieger von 2013 im Gespräch mit „Sky Sports F1“. Er habe sich bei Hamilton entschuldigt.

          Rosberg kennt sich an der Rennstrecke aus - er ist in Monte Carlo aufgewachsen

          Dennoch fühlten sich die Streckenkommissare aufgefordert, den Fall zu untersuchen. Bei der Überprüfung der Videoaufzeichnungen von der Fahrt Rosbergs und der Fahrdaten des Autos von Mercedes sowie vom Internationalen Automobil-Verband erkannten sie keinen Regelverstoß und sahen von einer Strafe für Rosberg ab. Er geht damit am Sonntag als Erster ins Rennen. Blockaden hat es immer wieder in Monaco gegeben. Einst von Ayrton Senna, 2006 dann erzürnte Michael Schumacher die halbe Welt, weil er in der Rascasse-Kurve stehengeblieben war, während hinter ihm Fernando Alonso seinen Jagd nach der Bestzeit aufgeben musste. Schumacher wurde disqualifiziert.

          Unabhängig vom Ergebnis scheint Laudas Vorhersage, es werde bald in seinem Stall krachen, zu einer Karambolage der beiden Piloten kommen, nicht so abwegig. Hamilton gibt niemals auf, sieht sich als Straßenkämpfer. Seine Chance ist der Start und der Sprint bis zur ersten Kurve. Dass es, ohne Komplikationen, zu einer Mercedes-Präsentation kommt, ist wahrscheinlich.

          Sebastian Vettel wurde beim Startplatzrennen Vierter hinter seinem Teamkollegen Ricciardo

          Fast vier Zehntelsekunden fuhr Rosberg schneller als der schnellste Red-Bull-Pilot. Zwar betrug die Differenz beim Sprint um die besten Startplätze in Barcelona noch eine Sekunde. Aber die Piste in Spanien ist mit 4,65 Kilometern einen guten Kilometer länger und hat eine sehr lange Gerade. Im winkeligen Monaco kann Mercedes die Stärke des Antriebes also nicht ganz so ausspielen wie auf anderen Pisten. Dass es trotzdem zu diesem deutlichen Vorsprung reichte, bestätigt die Einschätzung: Der Silberpfeil lebt nicht nur von der Kraft im Heck.

          Beim schärfsten Verfolger Red Bull hat man das ernüchtert zur Kenntnis genommen. „Für uns war das ein enttäuschender Tag. Wir hatten Probleme mit dem Erstantrieb, der hat ein bisschen gestreikt. Wir hatten bis zum Schluss nicht volle Leistung. Ich bin mit einer Einstellung gefahren, die schlechter ist“, sagte Weltmeister Sebastian Vettel: „Es ist ein bisschen ein Glücksspiel zu wissen, wie viel Power kommt.“ Er muss sich hinter seinem neuen Teamkollegen Ricciardo auf Rang vier anstellen, zum fünften Mal: „Ich stehe auf der Außenbahn, das ist nicht so gut wie innen.“

          Spieglein, Spieglein: In Monaco strahlt alles noch etwas mehr als woanders

          Auch Nico Hülkenberg war nicht zufrieden mit seiner Vorstellung im Fürstentum. Er landete auf Rang elf und verpasste den Wettlauf der letzten zehn um die Pole-Position. Am Auto lag es nicht. Der Teamkollege der Rheinländers, Sergio Perez, wurde im Force India – um 0,09 Sekunden schneller auf der entscheidenden Runde – Zehnter. „Monaco ist immer ein Ritt auf der Rasierklinge“, sagte Hülkenberg. „Es ist ein bisschen schade, ein bisschen enttäuschend. Aber der elfte Platz ist eine gute Ausgangsposition, um Punkte zu holen.“

          Für Adrian Sutil aus Gräfelfing war das Training schon nach zwanzig Minuten beendet. Mit seinem Sauber landete er nur auf dem 18. Rang, um 0,004 Sekunden geschlagen von seinem mexikanischen Teamkollegen Esteban Gutiérrez. Allerdings musste der Deutsche auf seiner letzten Runde wegen eines Unfalls zweier Kollegen teilweise vom Gas gehen.

          Grand Prix von Monaco, in Monte Carlo, Qualifikation

          1. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 1:15,989 Min.
          2. Lewis Hamilton (England) Mercedes 1:16,048
          3. Daniel Ricciardo (Australien) Red Bull 1:16,384
          4. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull 1:16,547
          5. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari 1:16,686
          6. Kimi Räikkönen (Finnland) Ferrari 1:17,389
          7. Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro Rosso 1:17,540
          8. Kevin Magnussen (Dänemark) McLaren Mercedes 1:17,555
          9. Daniil Kwjat (Russland) Toro Rosso 1:18,090
          10. Sergio Perez (Mexiko) Force India 1:18,327
          11. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India 1:17,846
          12. Jenson Button (England) McLaren Mercedes 1:17,988
          13. Valtteri Bottas (Finnland) Williams 1:18,082
          14. Romain Grosjean (Frankreich) Lotus 1:18,196
          15. Pastor Maldonado (Venezuela) Lotus 1:18,356
          16. Felipe Massa (Brasilien) Williams -
          17. Esteban Gutiérrez (Mexiko) Sauber 1:18,741
          18. Adrian Sutil (Gräfelfing) Sauber 1:18,745
          19. Jules Bianchi (Frankreich) Marussia 1:19,332
          20. Max Chilton (England) Marussia 1:19,928
          21. Kamui Kobayashi (Japan) Caterham 1:20,133
          22. Marcus Ericsson (Schweden) Caterham 1:21,732 *muss aus der Boxengasse starten

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