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Formel 1 in Monaco : Solo für Button, den König der Autofahrer

  • -Aktualisiert am

Mit den besten Wünschen vom Fürsten: Jenson Button und sein Siegerpokal Bild: REUTERS

Auch beim Grand Prix durch das Fürstentum Monaco war das BrawnGP-Team nicht zu schlagen. WM-Spitzenreiter Jenson Button feierte vor seinem Teamkollegen Rubens Barrichello den fünften Sieg im sechsten Rennen. Dritter wurde Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen. Sebastian Vettel schied bei einem Unfall aus.

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          Und der Lohn für den neuen König der Autofahrer im Fürstentum? Jogging bei 26 Grad Celsius - aber im Rennoverall über der feuerfesten Unterwäsche (lang) und mit einem hochroten Kopf unter dem Helm: Jenson Button ist geübt im Ausdauer-Mehrkampf. In seiner neunjährigen Formel-1-Karriere hat er sich lange abseits der großen Bühne mit Triathlon für die entscheidenden Momente fit gemacht. Am Sonntag stieg er nach dem Großen Preis von Monaco zum fünften Mal bei nun sechs Grand Prix als Sieger aus dem Boliden und lief alleine jubelnd über die Piste zur Loge von Fürst Albert II von Monaco.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Ein Bild mit Symbol-Charakter. Der 29-jährige Button entwickelt die Saisontour zu einem Solo. „Das ist ein phantastischer Sieg. Vor allem, weil ich beim Training gar nicht zufrieden war mit der Abstimmung.“ Diesmal hängte der fehlerlose Engländer wieder den Teamkollegen Rubens Barrichello ab. Dritter wurde Kimi Räikkönen vor Felipe Massa, beide im stark verbesserten Ferrari. Button führt die Fahrerwertung nun mit 51 Punkten vor Barrichello (35) und Sebastian Vettel (23) im Red Bull an. Der Heppenheimer musste das Rennen nach einem Unfall aufgeben. Bester Deutscher wurde Nico Rosberg im Williams als Sechster. Mit Durchhaltevermögen gelang es Timo Glock (10.) und Nick Heidfeld (BWM-Sauber/11.), ihre beim Zeittraining erschreckend schwachen Boliden vom Ende des Feldes nach vorne zu steuern.

          Jagdszenen an der Cote d'Azur

          Vettel, die Spaßbremse? Erstmals in dieser Saison präsentierte sich der 21 Jahre alte Hesse als Blockade auf der Piste. Doch die nicht ganz überraschende Schwäche des Red Bull belebte das Rennen in den ersten Runden. Jagdszenen an der Cote d'Azur: Massa und Rosberg, Kollegen in bislang langsameren Autos, schossen hinter dem Heppenheimer auf Rang vier her. Im Meterabstand, um Haaresbreite vorbei an den Leitplanken, mit Tempo 220 durch die Schwimmbadpassage. Der drängelnde Ferrari machte Vettel zu schaffen. Wer in den Rückspiegel schauen muss, verliert die Ideallinie aus dem Blick. Vettel kämpfte, Massa attackierte.

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          Aus dem Tunnel kam der Brasilianer mit soviel Überschuss heraus, dass er sein Dienstfahrzeug zwar mit Mühe beim Anbremsen in der Spur halten konnte, aber die Schikane abkürzen musste. Um einer Bestrafung zu entgehen, ließ er Vettel wieder passieren. In dessen Sog schob sich auch Rosberg am Ferrari vorbei - clever. Viel länger aber hielt Vettel trotz der geringsten Benzinmenge (aller Konkurrenten) an Bord den Angriffen nicht stand. „Die Reifen waren schneller runter als gedacht.“ In der elften Runde musste er die Hintermänner passieren lassen.

          Barrichello bot Spannung

          Auch mit neuen Pneus fand er nach seinem Boxenstopp nicht mehr den nötige Griffigkeit für eine Beschleunigung. Stattdessen rutschte Vettel mit defekter Servolenkung, aber nicht ganz frei von persönlicher Haftung, in der 17. Runde in der St. Devote-Kurve in die Leitplanken. Keinen Steinwurf von der kleinen Kappelle entfernt, in der Monegassen Kerzen aufstellen, wenn sie um Beistand bitten. Der tapfere Vettel sieht aber noch keinen Grund, eine höher Macht einzuschalten: „Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf. Es gibt noch genug Rennen.“ Elf.

          Als Ersatzmann für neue Spannung bot sich am Sonntag die erstbeste Wahl an: Barrichello. Fast das halbe Wochenende hatte der Brasilianer vor seinem Teamkollegen Button gelegen. Doch der verblüffte seinen erfahrenen Nebenmann mit einer Traumrunde auf dem Weg zur Pole Position im Qualifikationstraining. Ungläubig nahm die Barrichello-Crew den Leistungssprung am Samstag hin, glaubte kurz nach dem Start jedoch an eine neue Chance. Barrichello rückte Button auf den Pelz, zog auf den ersten 200 Metern von Rang drei an Räikkönen vorbei direkt in die Position des ersten Verfolgers. Was immerhin auf einen spannenden teaminternen Zweikampf deutete: Brawn gegen Brawn, das heißt laut Team-Diktion, dass in jedem Boliden das Gleiche steckt. Vom Frontflügel bis zur letzten Schraube im Motor. Allein die Piloten machten - stimmen die Angaben - etwas anderes daraus. Nach 13 Runden lag der zweifellos schnelle Barrichello schon neun Sekunden hinter Button - auf dem gleichen Reifentyp. „Rubens“, sagte ein Teammitglied am Samstag, „ist zweifellos schnell, aber nicht so konstant.“ Er ist wohl einer der weitaus Zweitbesten.

          Frieden in der Formel 1? Das bleibt fraglich

          Das Comeback von Ferrari wird Barrichellos Hoffnung kaum steigern. Die Beschleunigung der Scuderia im Fürstentum bewegt wohl eher Ross Brawn, Teamchef des Siegers, Button nach sechs von siebzehn Grand Prix nun überall freie Fahrt einzuräumen, wo es Sekündchen zu gewinnen gibt. Etwa bei den Strategie-Entscheidungen. Unter normalen Umständen kann die beste Version nur von einem Piloten genutzt werden. Barrichello kennt diese Taktik aus seiner Zeit bei Ferrari - als Brawn das Tempo und die außerordentliche Beständigkeit von Michael Schumacher in Seriensiege verwandelte. Damals wie heute stand der Internationalen Automobil-Verband (FIA) dem Sieger nahe.

          Brawn bietet FIA-Chef Max Mosley jedenfalls nicht so die Stirn, wie es inzwischen dessen ehemaliger Arbeitgeber Ferrari wagt. Die vielen Sitzungen der Teams in Monaco ohne und mit Mosley scheinen zwar zu einer Annäherung in einem Punkt zu führen. Alle wollen und werden ein Sparprogramm forcieren. Ob Mosley aber, wie kolportiert, Ferrari im Griff hat und Toyota als vermeintlichen Aussteiger ignorieren darf, ist fraglich. „Es geht nicht nur darum, ob wir die Ausgaben in Stufen reduzieren“, sagt ein Mitglied eines Rennstalls, „es geht auch um die Art und Weise, wie die Formel 1 geführt wird.“ Also um die Person Mosley. Insofern hat die Formel 1 am Wochenende allenfalls die Hälfte von dem erreicht, was das Transparent auf der Werbebrücke über der Schwimmbadpassage forderte: „Sport und Frieden.“

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