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Formel 1 in Monaco : „Ein besonderer Tag“ für Rosberg

Wie schon 2013 gewinnt Nico Rosberg in seiner Wahlheimat Bild: REUTERS

Rosberg siegt in Monaco, übernimmt die WM-Führung und fühlt sich glänzend. Teamkollege Hamilton wird Zweiter, verliert aber den Durchblick. Und Weltmeister Vettel ist „als stehendes Hindernis unterwegs“.

          3 Min.

          Wo geht’s lang zur Führung in der Formel-1-Weltmeisterschaft? Nico Rosberg, aufgewachsen im Fürstentum Monaco und schon im Vorjahr Sieger des berühmtesten Autorennens der Welt, kannte den Weg. Mit seinem fünften Grand-Prix-Sieg hat der Deutsche in Diensten des Mercedes-Teams seinem Teamkollegen Lewis Hamilton die Führung in der WM wieder abgenommen. „Ein ganz besonderer Tag“, sagte Rosberg anschließend dem Schauspieler Benedict Cumberbatch („Sherlock“), der die drei bestplazierten Piloten vor der Ehrenloge des Prinzipats interviewte. Rosberg fühlte sich glänzend, Konkurrent Hamilton eher nicht.

          Er kämpfte auf den letzten Runden des Rennens damit, den Durchblick zu behalten. „Ich hatte etwas im linken Auge, konnte schlecht sehen.“ Das ging ins Auge - Rosberg hat nach zuletzt vier Niederlagen im Duell mit Hamilton wieder einen Weg vorbei am Engländer gefunden. 122:118 – mit vier Punkten Vorsprung in der WM verlässt Rosberg seinen Wohnort zum nächsten Grand Prix in Kanada am 8. Juni.

          Die Enge von Monaco: Rosberg vor Hamilton Bilderstrecke

          Monte Carlo, 14 Uhr: Nach dem kontroversen Qualifying, in dem sich Rosberg den besten Startplatz gesichert hatte, verteidigt er beim Spurt in die erste Kurve die Führung vor Hamilton. In neun von zehn Rennen in Monaco hatte zuletzt derjenige gewonnen, der die schnellste Qualifikationszeit hingelegt hatte. Die Vorentscheidung beim traditionsreichen Großen Preis zwischen Hafenbecken und Hochhausschlucht. Mehr aber auch nicht.

          Denn der andere große Gewinner des Starts, Weltmeister Sebastian Vettel, der sofort an Teamkollege Daniel Ricciardo vorbeizog, hat schnell keinen Vortrieb mehr: Nach wenigen hundert Metern, in der Mirabeau-Kurve, steht Sergio Perez im Force India quer zum Verkehr, das Safety Car muss sich vor die 21 Piloten klemmen. Als die Strecke wieder freigegeben ist, geht Vettels Rennen zu Ende. Kein Ladedruck im Turbolader, der Weltmeister kommt in dieser Saison einfach nicht in Schwung. Wie sich das anfühlt? Paradox: „Es ist frustrierend, als stehendes Hindernis unterwegs zu sein.“

          Anschließend sieht Monaco das Spektakel, das diese Formel-1-Saison kennzeichnet. Zwei Piloten in silbernen Boliden jagen über die Rennstrecke, deutlich schneller als der Rest des Feldes. Hamilton setzt Rosberg unter Druck, sein Rückstand schwankt zwischen 0,7 und 1,6 Sekunden. Eine einzige Konzentrationslücke kann das Rennen entscheiden.

          In Runde 26 passiert es: Adrian Sutil hat einen leichten Aussetzer, verbremst sich auf einer Bodenwelle ausgangs des berühmten Tunnels. Sein Sauber schlägt Sekundenbruchteile später in die Streckenbegrenzung ein, prallt zurück auf den Kurs, strandet abseits der Strecke, auf der nun Trümmerteile liegen. Die Konsequenz: Sutil unverletzt, Safety Car abermals unterwegs.

          Die Fahrer nutzen die Gelegenheit zum Boxenstopp. Manchem geht das nicht schnell genug: Die Funksprüche von Hamilton, die von der Fernsehregie freigegeben werden, legen nahe, dass der Brite von seinem Team hellseherische Fähigkeiten erwartet. „Kaum zu glauben, dass wir jetzt erst reinkommen“, beschwert sich der Mann auf Platz zwei. „Ihr hättet mich vorher reinholen sollen.“ Um ihm die Gelegenheit zu geben, auf diesem Weg an Rosberg vorbeizukommen. Und wenn das Safety Car nicht eingesetzt worden wäre?

          „Es knistert ein bisschen zwischen ihren Fahrern“, stellt ein RTL-Reporter später gegenüber Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche. „Das bisschen können Sie streichen.“ Es knistert gewaltig. Hamilton hetzt Rosberg weiter, aber der Deutsche macht keinen Fehler. „Mach weiter mit dem, was du machst“, heißt es von der Box an Rosberg in Runde 54.

          25 Mal muss er zu diesem Zeitpunkt noch durch seine Stadt – und wenig später verliert Hamilton die Übersicht. Plötzlich wächst sein Rückstand auf über vier Sekunden an. „Was ist los, Lewis?“ Die Antwort aus dem Cockpit: „Ich habe was im linken Auge.“ Das Rennen ist entschieden. Hamilton gelingt es, den zweiten Platz vor Ricciardo ins Ziel zu bringen. Fernando Alonso im Ferrari wird Vierter.

          Zwei Männer des Rennens kommen noch hinter dem Spanier ins Ziel: Neunter wird Jules Bianchi, dafür gibt es zwei Punkte in der Weltmeisterschaft. Es sind die ersten überhaupt für das Marussia-Team, im 83. Grand Prix. Und Nico Hülkenberg (Force India) glückt auf dem Weg zu Platz fünf das Kunststück, gleich zwei Konkurrenten auf der Strecke zu überholen. Es gibt also einen Weg vorbei am Gegner - Lewis Hamilton hat ihn nicht gefunden.

          Grand Prix von Monaco, in Monte Carlo (78 Runden à 3,340 km/260,520 km)

          1. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 1:49:27,601 Std. (Schnitt: 142,803 km/h)
          2. Lewis Hamilton (England) Mercedes + 0:09,210 Min.
          3. Daniel Ricciardo (Australien) Red Bull + 0:09,614
          4. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari + 0:32,452
          5. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India + 1 Runde
          6. Jenson Button (England) McLaren Mercedes + 1 Runde
          7. Felipe Massa (Brasilien) Williams + 1 Runde
          8. Romain Grosjean (Frankreich) Lotus + 1 Runde
          9. Jules Bianchi (Frankreich) Marussia + 1 Runde
          10. Kevin Magnussen (Dänemark) McLaren Mercedes + 1 Runde
          11. Marcus Ericsson (Schweden) Caterham + 1 Runde
          12. Kimi Räikkönen (Finnland) Ferrari + 1 Runde
          13. Kamui Kobayashi (Japan) Caterham + 3 Runden
          14. Max Chilton (England) Marussia + 3 Runden

          Ausfälle: Pastor Maldonado (Venezuela) Lotus (1. Runde); Sergio Perez (Mexiko) Force India (1. Runde); Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull (7. Runde); Daniil Kwjat (Russland) Toro Rosso (12. Runde); Adrian Sutil (Gräfelfing) Sauber (25. Runde); Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro Rosso (52. Runde); Valtteri Bottas (Finnland) Williams (57. Runde); Esteban Gutiérrez (Mexiko) Sauber (61. Runde)

          Schnellste Rennrunde: Kimi Räikkönen (Ferrari) 1:18,479 Min.
          Pole Position: Nico Rosberg (Mercedes) 1:15,989 Min.

          Fahrer-Wertung nach 6 von 19 Rennen:

          1. Nico Rosberg 122
          2. Lewis Hamilton 118
          3. Fernando Alonso 61
          4. Daniel Ricciardo 54
          5. Nico Hülkenberg 47
          6. Sebastian Vettel 45
          7. Valtteri Bottas 34
          8. Jenson Button 31
          9. Kevin Magnussen 21
          10. Sergio Perez 20
          11. Felipe Massa 18
          12. Kimi Räikkönen 17
          13. Romain Grosjean 8
          14. Jean-Eric Vergne 4
          15. Daniil Kwjat 4
          16. Jules Bianchi 2

          Team-Wertung nach 6 von 19 Rennen:

          1. Mercedes 240
          2. Red Bull 99
          3. Ferrari  78
          4. Force India 67
          5. McLaren Mercedes 52
          6. Williams 52
          7. Lotus 8
          8. Toro Rosso 8
          9. Marussia 2

          Nächstes Rennen: GP Kanada am 8. Juni in Montréal

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