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Formel 1 in Monaco : Ein Rennen für Niki Lauda

  • -Aktualisiert am

Lewis Hamilton gewinnt das Rennen in Monte Carlo und denkt dabei an den verstorbenen Niki Lauda. Bild: AP

Weltmeister Lewis Hamilton muss alles aufbieten, um einen grandiosen Grand Prix zu gewinnen. Den Sieg widmet er Niki Lauda. Sebastian Vettel profitiert von einer Strafe. Gar nicht gut läuft es für den anderen Ferrari-Piloten.

          Er war fertig, fix und fertig. Für einen Luftsprung reichte es bei Lewis Hamilton nicht mehr, er umarmte einen Ingenieur, reckte seine Faust in den Himmel und setzte kurz nach seinem Sieg beim Großen Preis von Monaco am Sonntag eine rote Kappe auf zum Gedenken an den am Montag verstorbenen Niki Lauda: „Das war wohl das härteste Rennen meines Lebens. Ich bin mit dem Kampfgeist von Niki gefahren. Ich weiß, dass er uns zuschaut. Ich wollte ihn stolz machen.“ Hamilton gewann vor Sebastian Vettel im Ferrari und Valtteri Bottas im zweiten Mercedes. Max Verstappen (Red Bull) fiel wegen einer Zeitstrafe von Platz zwei auf den vierten Rang zurück. In der Fahrerwertung baute Hamilton mit dem Erfolg im spannendsten Rennen in Monaco seit 1996 seine Führung auf 17 Punkte (137) vor Bottas (120) aus. Vettel rückte auf Rang drei vor (82).

          Formel 1
          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Geschichte dieses grandiosen Rennens handelt von Druck. Von der Fähigkeit, ihn aufzubauen und der Härte, ihm standzuhalten. Schon von der ersten Sekunde an steckte im sechsten Grand Prix der Saison ein gewaltiges Potential für ein großes Spektakel. Obwohl Hamilton vor Bottas, Verstappen und Vettel leicht von der Pole-Position aus die Spitzenposition behielt und souverän durchs Fürstentum führte.

          Aber weit hinten entlud sich der Frust. Charles Leclerc, der junge Mann im zweiten Ferrari, wähnte sich um die Frucht seiner Arbeit gebracht. Weil die Ferrari-Strategen ihn am Samstag im ersten Durchgang des Startplatzrennens so lange in der Garage gehalten hatten, bis es zu spät war: Als 16. musste der wütende Monegasse zuschauen und von hinten losfahren, obwohl er angeblich Potential für die erste Startreihe gehabt haben soll. Die Wut diktierte seine Wortwahl – und der Druck: „Ich werde alles riskieren, auch wenn ich rausfliege.“ Leclerc unterhielt das Publikum. Er drückte und drängte, überholte Romain Grosjean innen in der „langsamen“ Rascasse-Ecke, benannt nach dem roten Drachenkopffisch. Kein schönes Exemplar, essbar, aber vor allem giftig.

          Und so fuhr der 22-Jährige in seiner Heimatstadt. Nahm sich Nico Hülkenberg im Renault (14.) vor, an der gleichen Stelle. Warum nach vorn schauen auf die Speed-Prozession der Silberpfeile, wenn doch der Sohn des Stadtstaates seine atemraubende Kunst vorführt? Aber beim zweiten Versuch war es noch enger als zuvor, zu eng. Hülkenbergs Renault drehte den Ferrari halb auf die Seite in der achten Runde. Beide mussten zur Box, Leclerc humpelte auf drei Rädern, die Gummifetzen seines aufgeschlitzten rechten Hinterrades auf der Strecke verteilend: So geht das nicht, nicht mal im eigenen „Wohnzimmer“, wie die Sause mit im Schnitt 156 Kilometer pro Stunde von Veteranen gerne beschrieben wird. Die Rennleitung schickte das Saftey-Car auf die Piste. Und dann ging’s los. Alle Mann in die Boxengasse: Hamilton, Bottas, Verstappen, Vettel. Reifenwechseln im Akkord. Wie Mercedes zwei Boliden im Kampf um den WM-Titel nacheinander in jeweils wenigen Sekunden fehlerfrei abfertigen kann? Nur weil das Team Druck verkraftet. Das ist eine Kunst für sich, lange trainiert. Aber Verstappens Crew arbeitete ein paar Zehntelsekunden schneller und schickte den Niederländer ohne Rücksicht auf den Verkehr in der Boxengasse los. Er nahm Bottas die Vorfahrt in der Boxengasse, drängte ihn leicht gegen die Mauer und jagte als Zweiter hinter Hamilton zurück auf die Strecke.

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