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Rosberg-Sieg in Mexiko : „Ein großartiger Tag!“

Endlich wieder gute Laune: Nico Rosberg feiert den Sieg in Mexiko landestypisch. Bild: AFP

Vor 110.000 begeisterten Fans gelingt Rosberg ein Prestige-Erfolg über Weltmeister Hamilton. Der Deutsche bleibt in Mexiko fehlerfrei – bis kurz vor der Siegerehrung. Gar nicht gut läuft es für Vettel.

          3 Min.

          Mitten im Baseball-Stadion ließ sich Nico Rosberg feiern. Dort, wo er zuvor 71 Mal mit seinem Mercedes durchgefahren war, wo mehrere Zehntausend Zuschauer während des Großen Preises von Mexiko auf den Tribünen saßen. Eine Woche nach der Niederlage im WM-Kampf gegen seinen Teamkollegen Lewis Hamilton ist dem Deutschen zumindest ein Teilerfolg gelungen. Er siegte vor Hamilton und Valtteri Bottas (Williams). Es war sein zwölfter Grand-Prix-Erfolg, und vermutlich einer der wichtigsten in Bezug auf sein Selbstvertrauen.

          Michael Wittershagen
          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Ein großartiger Tag!“ sagte Rosberg nach der Siegerehrung. Auf dem Weg dorthin hatte er ein noch ein Problem zu lösen. Er hatte seinen Helm im Auto vergessen, brauchte diesen aber für das obligatorische Wiegen nach dem Rennen. Es war sein einziger Fehler an diesem Nachmittag. Sebastian Vettel (Ferrari) hingegen schied aus. Mit nun 19 Punkten Rückstand auf Rosberg bei zwei verbleibenden Grand Prix hat er kaum noch Chancen auf Platz zwei in der WM-Wertung.

          23 Jahre nach dem bis dato letzten Rennen in Mexiko kamen rund 110.000 Fans in das Autódromo Hermanos Rodríguez. Eine Atmosphäre, die auch die Fahrer, die schon in vielen Teilen der Welt unterwegs waren, beeindruckte. „Unglaublich, die besten Fans der Welt“, sagte Hamilton. Wie schon in Austin vor einer Woche stand er schräg hinter Rosberg in der Startaufstellung auf Position zwei. Dort hatte er gleich in der ersten Kurve angegriffen – und nun?

          Gewann der Deutsche das Beschleunigungsduell und behielt die Oberhand. Aber dahinter krachte es. Vettel musste erst den Russen Daniil Kwyjat (Red Bull) passieren lassen, dann gab es Kontakt mit Daniel Ricciardo. Die Folge: ein Plattfuß, Vettel rollte an die Box, wechselte auf die härtere der beiden Reifenmischungen und machte wieder Jagd auf das Feld. Sein Rückstand auf die Spitze: fünfzig Sekunden.

          Vettel soll Hamilton vorbeilassen – und gehorcht

          Hoffnung machten ihm die großen Unbekannten des Tages. Denn noch vor dem Start hatten die Strategen über der richtigen Strategie gebrütet. Vor allem die Höhenluft von mehr als 2300 Metern und die damit verbundene Materialabnutzung bereitete ihnen Sorge. Die Kühlung für die Motoren und die Bremsen waren die größte Herausforderungen, die Experten fürchteten technische Defekte.

          Vettel aber unterlief bei seiner Aufholjagd ein menschlicher Fehler. In Kurve sieben, einer schnellen Linkskurve, brach das Heck seines Ferrari aus, und er musste zusehen, wie Jenson Button (McLaren), Romain Grosjean und Pastor Maldonado (beide Lotus) wieder an ihm vorbei zogen, nachdem er sie zuvor mühsam überholt hatte.

          Start-Ziel-Sieg in Mexiko: Rosberg hält Hamilton auf Distanz. Bilderstrecke
          Start-Ziel-Sieg in Mexiko: Rosberg hält Hamilton auf Distanz. :

          In der 28. Runde kam Rosberg zum ersten Reifenwechsel an die Box, eine Umdrehung später folgte Hamilton. Bis dahin hatten sie das Rennen kontrolliert, mehr als zwanzig Sekunden Vorsprung auf Kwyjat heraus gefahren. Nach dem Stopp schalteten Rosberg und Hamilton einen Gang höher, fuhren rund eine Sekunde pro Runde schneller als der Rest.

          Einen Angriff des Briten musste der Deutsche noch nicht abwehren, sein Vorsprung betrug konstant etwa zwei Sekunden. In der 37. Runde bekamen die beiden Silberpfeile Besuch. Vettel, der eine ganze Runde zurück lag, reihte sich nach seinem zweiten Stopp zwischen ihnen ein. Der Deutsche fuhr vergleichbare Rundenzeiten, trotzdem zeigten ihm die Rennkommissare blaue Flaggen – er sollte Hamilton vorbei lassen. Vettel gehorchte.

          Hamilton: „Darf ich fragen, warum ich rein soll?“

          Die Schnellsten waren die Silberpfeile, und sie hatten danach beide wieder freie Fahrt. Bis der Kommandostand zum zweiten Boxenstopp bat. Rosberg bog brav ab, Hamilton aber weigerte sich zunächst und blieb auf einer Extra-Runde auf der Strecke. „Darf ich fragen, warum ich rein soll?“, fragte er. – „Die Reifen sind bald hinüber. Es ist ein Sicherheitsstopp.“ – „Ihr müsst seine (Rosbergs) Reifen kontrollieren, meine fühlen sich gut an.“ Wieder ein Seitenhieb an den Kollegen.

          Dann aber ließ Hamilton doch neue Pneus aufziehen. Gerade wollte er angreifen, da wurde das Safety Car auf die Strecke geschickt. Vettel hatte abermals die Kontrolle über seinen Ferrari verloren, wieder in Kurve sieben. Game over. „Ich bin okay“, funkte Vettel und entschuldigte sich bei seinem Team. „Kein guter Tag für uns. Ich denke, wir hätten die Mercedes heute unter Druck setzen können“, sagte er.

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          Und vorne? Lauerte Hamilton auf den Neustart und einen Fehler von Rosberg. Der Weltmeister tauchte genau im Rückspiegel des Deutschen auf, aber Rosberg konnte seine Position beim Neustart in der 57. Runde verteidigen. Danach aber machte Hamilton Druck, verringerte den Rückstand von 1,5 Sekunden über 1,3 und 1,1 schließlich auf 0,9 Sekunden. Doch dann unterlief Hamilton ein Fehler im mittleren Sektor, er verlor wieder eine Sekunde, und Rosberg konnte durchatmen.

          „Es ist so hart, einem anderen zu folgen“, funkte Hamilton. Wieder holte er auf, kam bis auf 1,2 Sekunden heran. Einen Angriff konnte er nicht mehr setzen. „Unser Auto ist gigantisch gewesen. Wir sind echt in unserer eigenen Liga unterwegs gewesen“, sagte Rosberg. Danach redete er den Gegner stark – und sich damit noch ein bisschen stärker. „Lewis ist heute auch super gefahren.“ Es war Rennen eins nach dem Showdown des Jahres. Es war der Auftakt für Rosbergs nächsten Angriff.

          Grand Prix von Mexiko (71 Runden à 4,304 km/305,584 km):

          1. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 1:42:35,038 Std. (Schnitt: 178,598 km/h);
          2. Lewis Hamilton (England) Mercedes + 0:01,954 Min.;
          3. Valtteri Bottas (Finnland) Williams + 0:14,592;
          4. Daniil Kwjat (Russland) Red Bull + 0:16,572;
          5. Daniel Ricciardo (Australien) Red Bull + 0:19,682;
          6. Felipe Massa (Brasilien) Williams + 0:21,493;
          7. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India + 0:25,860;
          8. Sergio Perez (Mexiko) Force India + 0:34,343;
          9. Max Verstappen (Niederlande) Toro Rosso + 0:35,229;
          10. Romain Grosjean (Frankreich) Lotus + 0:37,934;
          11. Pastor Maldonado (Venezuela) Lotus + 0:38,538;
          12. Marcus Ericsson (Schweden) Sauber + 0:40,180;
          13. Carlos Sainz jr. (Spanien) Toro Rosso + 0:48,722;
          14. Jenson Button (England) McLaren Honda + 0:49,214;
          15. Alexander Rossi (USA) Manor + 2 Runden;
          16. Will Stevens (England) Manor + 2 Runden

          Ausfälle: Fernando Alonso (Spanien) McLaren Honda (1. Runde); Kimi Räikkönen (Finnland) Ferrari (21. Runde); Sebastian Vettel (Heppenheim) Ferrari (50. Runde); Felipe Nasr (Brasilien) Sauber (58. Runde)

          Schnellste Rennrunde: Nico Rosberg (Mercedes) 1:20,521 Min.
          Pole Position: Nico Rosberg (Mercedes) 1:19,480 Min.

          Fahrer-Wertung nach 17 von 19 Rennen:

          1. Lewis Hamilton 345
          2. Nico Rosberg 272
          3. Sebastian Vettel 251

          4. Valtteri Bottas 126
          5. Kimi Räikkönen 123
          6. Felipe Massa 117
          7. Daniil Kwjat 88
          8. Daniel Ricciardo 84
          9. Sergio Perez 68
          10. Max Verstappen 47
          11. Romain Grosjean 45
          12. Nico Hülkenberg 44
          13. Felipe Nasr 27
          14. Pastor Maldonado 26
          15. Carlos Sainz jr. 18
          16. Jenson Button 16
          17. Fernando Alonso 11
          18. Marcus Ericsson 9

          Team-Wertung nach 17 von 19 Rennen:

          1. Mercedes 617
          2. Ferrari 374
          3. Williams 243
          4. Red Bull 172
          5. Force India 112
          6. Lotus 71
          7. Toro Rosso 65
          8. Sauber 36
          9. McLaren Honda 27

          Nächstes Rennen: GP Brasilien am 15. November in São Paulo

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