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Formel 1 in Mexiko : Beeindruckende Aufholjagd führt Hamilton zum Sieg

Die Fäuste geballt: Lewis Hamilton gewinnt in Mexiko. Bild: Reuters

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton gewinnt den Großen Preis von Mexiko, doch Weltmeister wird er noch nicht. Teamkollege Valtteri Bottas bleibt dran. Nächstes Wochenende aber dürfte es wohl so weit sein.

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          Es war der 100. Grand-Prix-Sieg für ein Mercedes-Werksteam, und wenn es eine Blaupause gibt, die erläutert, warum dieses Team der Konkurrenz seit Jahren keine Chance lässt, dann ließe sich dieser Große Preis von Mexiko als exzellentes Beispiel heranziehen. Nicht der schnellste Mann des Qualifyings gewinnt, Max Verstappen im Red Bull. Auch kein Pilot der Scuderia Ferrari, obwohl sie wohl die meiste Kraft im Heck haben. Nein, in Mexiko siegte Lewis Hamilton – sein zehnter Grand-Prix-Erfolg in dieser Saison.

          „Ein großartiges Ergebnis. Wir dachten, wir wären hier unterlegen. Aber wir haben es durchgezogen“, sagte Hamilton anschließend, als er Sebastian Vettel auf Platz zwei um 1,7 Sekunden geschlagen hatte und seinen Teamkollegen Valtteri Bottas, der dreieinhalb Sekunden zurück Dritter wurde und so verhinderte, dass Hamilton schon in Mexiko zum sechsten Fahrer-Weltmeistertitel fuhr. „Vielleicht hätte unsere Strategie ein bisschen schärfer sein können“, sagte Vettel anschließend.

          Für den späteren Sieger hatte das Rennen, nicht unerwartet, mit einem harten Zweikampf gegen Verstappen begonnen. Charles Leclerc hatte den besten Start, zog in seinem Sog Hamilton mit sich – doch Vettel machte sich breit, kein Vorbeikommen für den Weltmeister. Stattdessen das Duell mit Verstappen, der am Samstag der Schnellste war und doch nicht von der Pole Position starten konnte. Der Niederländer, Sieger der vergangenen beiden Jahre in Mexiko, hatte einen neuen Streckenrekord im Qualifying aufgestellt und war dabei mit Vollgas am Wrack des kurz zuvor verunglückten Bottas vorbeigerast, trotz geschwenkter Gelber Flagge.

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          Gelbe Flagge, Fahrt verlangsamen? „Wir wissen, was wir tun, deshalb sind wir Formel-1-Fahrer“, hatte Verstappen anschließend in der Pressekonferenz gesagt. Das war womöglich ehrlich, aber nicht sonderlich clever, denn damit hatte er die Rennkommissare endgültig herausgefordert. Hamilton forderte ein „sehr, sehr strenges“ Eingreifen der Rennkommissare. „Die Fahrer müssen die Regeln respektieren.“ Dreieinhalb Stunden nach der Qualifikation stand fest, dass der Red-Bull-Pilot die Pole Position verlieren und um drei Plätze zurückgestuft würde „so dass Hamilton und Verstappen nun nebeneinander ins Rennen gingen.

          Das ging gut. Aber nur bis zur ersten Kurvenkombination. Dann gerieten beide nicht nur fernmündlich aneinander, sondern auch über Karossen ihrer Autos. Verstappen fiel auf Platz neun zurück, Hamilton auf den fünften Platz. Für Verstappen ging es auch anschließend eher abwärts. Beim ansonsten sauberen Überholmanöver gegen Bottas berührte der Finne das Hinterrad des Red Bull, dem mit ein bisschen Verzögerung die Luft abhandenkam. Verstappen schleppt sich an die Box, nun war er Letzter. Er kämpfte sich schließlich auf Platz sechs zurück.

          Gute Stimmung: beim Großen Preis von Mexiko

          Da hatten es die Profiteure von Verstappens Vollgas-Fauxpas an der Spitze deutlich einfacher. Leclerc und Vettel, die Scuderia-Piloten, hatten die Schlüssel zum Strategiespiel in 2285 Meter Höhe in der Hand. Alle Spitzenpiloten waren auf mittelharten Reifen ins Rennen gestartet, fraglich aber war die Zahl der Stopps, die von den Strategieabteilungen errechnet wurden. Verstappens Teamkollege Alex Albon war der erste, der in Runde 15 an die Box kam. Leclerc zog eine Runde später nach, bekam neuerlich die Mediummischung. Er würde noch einmal einkehren müssen – der zweiten Stopp dauerte über sechs Sekunden, Leclerc kam als Siegfahrer nicht mehr in Frage.

          Vettel fuhr weiter, nun an der Spitze. Hamilton wurde in Runde 24 einbestellt, bekam einen Satz harter Reifen und wurde in der Hoffnung auf die Fahrt geschickt, man würde sich erst im Ziel wieder sehen. Hamilton kamen schon sechs Runden später Zweifel: „Wir haben zu früh gestoppt. Diese Reifen...“ Zu früh? Teamkollege Bottas kam erst in Runde 36 an die Box, Vettel noch eine Runde später. Der Sieger würde mit einer Ein-Stopp-Strategie unterwegs sein, das wurde immer deutlicher.

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          Drei Piloten kamen noch in Frage: Hamilton. Vettel. Und Bottas, dessen Auto nach dem Unfall im Qualifying so wieder aufgebaut worden war, dass er keine Strafe hatte in Kauf nehmen müssen. Vorderradaufhängung, Hinterradaufhängung, Servolenkung, Lenksäule, Lenkrad, Nase, Heckflügel, Frontflügel, Hauptbremszylinder, Spiegel links, Leitbleche links, Verkleidung links, Getriebe-Kassette, Getriebeeingangswelle, Kabelbaum im Cockpit, Sitzgurte, Unterboden und ein Pumpenfilter wurden getauscht. Großer Service zum Wohle der klitzekleinen WM-Chance, die im Autódromo Hermanos Rodríguez überlebte.

          Hamilton. Vettel. Bottas. Im Abstand von zwei bis drei und gut einer Sekunde jagten die Piloten über den 4304 Meter langen Kurs, teils durch dichten Verkehr, teils bei freier Fahrt durch das ausverkaufte Autodrom. „Dir steht volle Kraft zur Verfügung, falls du sie brauchst“, bekam Hamilton zu hören. Vettel konnte nicht aufschließen. Von Klagen über die Reifen war bei Hamilton nichts mehr zu hören. Vettel konnte dessen 83. Grand-Prix-Sieg nicht mehr gefährden. Seinen Sieg widmete Hamilton dem krankheitsbedingt fehlenden Renningenieur Peter Bonnington, bevor er gemeinsam mit dem Siegerwagen im Fahrstuhl aus der Tiefe auf das Podium gehievt wurde. Vier Punkte fehlen Hamilton noch zum sechsten WM-Titel. Platz acht in Austin am Sonntag genügt.

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