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Formel 1 in Malaysia : Vettel siegt - Heidfeld Dritter

Zaunkönig: Sebastian Vettel, bislang einziger Grand-Prix-Sieger des Jahres 2011 Bild: dpa

Weltmeister Sebastian Vettel bleibt der Mann des Jahres in der Formel 1: Der Red-Bull-Pilot gewinnt auch den zweiten Grand Prix der Saison in Malaysia unangefochten. Zweiter wird Button im McLaren vor Nick Heidfeld im Renault.

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          28 Grad Celsius, 82 Prozent Luftfeuchtigkeit: das waren die klimatischen Bedingungen, die am Sonntagnachmittag (Ortszeit) in Sepang sowohl Mensch als auch Material forderten. Der Weltmeister kam am besten mit dieser Herausforderung zurecht: Sebastian Vettel. Im zweiten Rennen der Saison startete der Dreiundzwanzigjährige zum zweiten Mal von der Pole Position zum zweiten Sieg. „Ein fantastischer Job von allen“, sagte Vettel. „In der Hitze haben wir kühlen Kopf bewahrt.“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit fünfzig Punkten führt er nun nach dem Großen Preis von Malaysia das Gesamtklassement souverän vor Jenson Button (26/McLaren) an. Der Engländer kam als Zweiter rund drei Sekunden hinter Vettel ins Ziel, Nick Heidfeld (Renault) wurde nach einem bravourösen Rennen Dritter. Das erste Spektakel erlebten die Zuschauer schon auf den ersten Metern nach dem Start. Ganz vorne machte Vettel gleich einige Meter gut, doch hinter ihm geriet einiges durcheinander. Heidfeld beschleunigte seinen Renault auf der Außenbahn und schob sich vorerst von Platz sechs auf zwei. Mark Webber (Red Bull) hingegen musste beinahe schon wie ein Statist beobachten, wie ein Gegner nach dem anderen am ihm vorbei zog. Das Energie-Rückgewinnungssystem (Kers) seines Boliden funktionierte nicht, der Australier kämpfte mit stumpfen Waffen und war als Neunter schnell nur noch Teil des Mittelfeldes. Doch von dort kämpfte er sich wieder vor und wurde am Ende immerhin Vierter. „Wenn alle anderen Kers haben und du nicht, dann ist es schwierig“, sagte Webber. „Aber ich habe alles aus den Auto herausgeholt.“

          Vor allem einer profitierte vom anfänglichen Durcheinander: Sebastian Vettel. Runde um Runde vergrößerte er seinen Vorsprung auf die Verfolger, kreiste nach zehn Umdrehungen schon rund acht Sekunden vor Heidfeld, der den Weltmeister ungewollt nach hinten abschirmte. Hamilton hätte schneller fahren können, kam aber auf der Strecke nicht am Renault vorbei. Erst nach seinem ersten Boxenstop (12. Runde) begann der Engländer mit seiner Verfolgungsjagd. Mit Erfolg. Er halbierte den Rückstand bis zur 23. Runde auf vier Sekunden, wurde dann aber von seinem Kommandostand gezähmt: „Pass auf die Reifen auf.“

          Zaunkönig: Sebastian Vettel, bislang einziger Grand-Prix-Sieger des Jahres 2011 Bilderstrecke

          Doch Minuten später verflog die Zurückhaltung bei McLaren schon wieder. Ein Funk-Gespräch zwischen Vettel und seinem Renningenieur Guillaume Rocquelin offenbarte technische Probleme bei Red Bull: „Soll ich Kers benutzen?“, fragte Vettel. „Auf keinen Fall!“ Plötzlich glaubten Hamilton und Button wieder an ihre Chance, mit ihrer Extra-Power am Red Bull vorbei zu kommen. Dafür allerdings hätten sie es zunächst in den Windschatten von Vettel schaffen müssen. Doch der reagierte, beschleunigte, und fuhr zwischenzeitlich pro Runde beinahe eine Sekunde schneller als seine Verfolger.

          Vor allem eines zeigte sich im Rennen: Der Red Bull geht weitaus schonender mit den Reifen um als der McLaren. Und bei den Briten beherrscht Button die Gummiwalzen schonender als Hamilton. Das bewies er, als er nach seinem letzten Boxenstop am Teamkollegen vorbei zog und schon bald eine Lücke von annähernd zwanzig Sekunden geschaffen hatte. Seine aggressive Fahrweise wurde Hamilton zum Verhängnis, auch Heidfeld, der zwischenzeitlich bis auf Rang sechs zurückgefallen war, zog noch am ihm vorbei - und stand in seinem zweiten Rennen für Renault erstmals auf dem Podium. Aber auch Heidfelds Reifen ließen in der Endphase nach, aber Heidfeld setzte sich mit Erfolg gegen die Angriffe von Webber zur Wehr. „Der Red Bull kam mit viel Überschussgeschwindigkeit an - aber hinter mir hat er dann Probleme bekommen und mein Kers hat gut funktioniert, als es darauf ankam. Ich bin sehr glücklich über die Podiumsplazierung,“ war Heidfelds Fazit bei der Pressekonferenz.

          Alonso trifft Hamilton - Schumacher Neunter

          Beinahe unbemerkt schlich sich zur Mitte des Rennens Fernando Alonso nach vorne. Das gesamte Wochenende über hatte der Spanier betont, dass sein Ferrari zu langsam sei, dass er keine Chance habe, um den Sieg zu kämpfen. Für einen Angriff auf das Podium aber reichte es. Das begriffen die Verantwortlichen am Kommandostand spätestens im letzten Drittel des Grand Prix. „Wir müssen die Lücke zu Hamilton und Button schließen“, rief Renningenieur Andrea Stella über Funk. Alonso reagierte auf seine Art: „Ich gebe schon Gas, macht euch keine Sorgen.“

          In der 45. Runde tauchte er dann im Heck von Hamilton auf und attackierte. Mit der Brechstange - und verlor dabei einen Teile seines Frontflügels. Alonso musste zum vierten Mal in die Box, bekam eine neue Nase und wurde am Ende hinter seinem Teamkollegen Felipe Massa Sechster. Hamilton wurde gar nur Achter, weil er wegen mehrfacher regelwidriger Manöver eine 20-Sekundenstrafe aufgebrummt bekam. Alonso bekam die gleiche Strafe, er blieb aber auf dem für ihn nicht minder enttäuschenden Rang sechs.„Nicht der tollste Tag, aber so ist es manchmal“, sagte Hamilton anschließend.

          Die beiden Silberpfeil-Piloten konnten im Rennen nicht mithalten, sie kämpften stattdessen gegen Mittelklasse-Teams wie Sauber, Force India und Toro Rosso um die letzten Plätze in den Punkten. Mit einem Teilerfolg. Schumacher wurde Neunter, Nico Rosberg kam jedoch als Zwölfter mit einer Runde Rückstand ins Ziel. Direkt hinter Adrian Sutil (Force India). Entsprechend unzufrieden sind die Mercedes-Piloten. „Man muss ganz klar sagen, dass wir eine ganze Ecke zu langsam sind“, sagte Schumacher nach dem Rennen. „Im Qualfying sind wir ganz gut dabei. Aber sobald Benzin ins Auto kommt, verlieren wir auf die anderen.“Timo Glock (Virgin) schaffte es als 16. immerhin noch in die Wertung.

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