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Formel 1 in Malaysia : Schweiß-Arbeiten

  • -Aktualisiert am

Kein Grund für schlechte Laune: Sebastian Vettel Bild: AFP

30 Grad Hitze, 82 Prozent Luftfeuchtigkeit: Schon im freien Training zum Großen Preis von Malaysia verschwimmen die Grenzen im Starterfeld. Vettel lächelt trotz Rückstand, McLaren wird noch stärker, auch Mercedes legt zu. Dagegen kämpft Renault mit Materialproblemen und Ferrari ist nicht siegfähig.

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          Es wird eng. Das sagt Sebastian Vettel. Da stand er im Fahrerlager von Sepang kurz nach dem zweiten freien Training der Formel 1 zum Großen Preis von Malaysia an diesem Sonntag, der Schweiß lief ihm von der Stirn in der brütenden Hitze. 30 Grad Celsius, 82 Prozent Luftfeuchtigkeit, aber er lächelte. „Ich bin zufrieden.“ Obwohl nur Vierter in der Bestenliste des Tages? Nämlich geschlagen von seinem Teamkollegen Mark Webber um 0,214 Sekunden, aber eben auch von Jenson Button und Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes. „Warten wir mal ab“, sagte der Heppenheimer, „es macht in jedem Fall keinen Sinn, am Freitag nicht die Hosen herunter zu lassen.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Trotzdem traute niemand dem Bild. Sollte McLaren der nächste Schritt binnen zwei Wochen gelungen sein? Zum Ende der Testserie im Februar hatte Teamchef Martin Whitmarsh einen radikalen Umbau des Unterbodens angeordnet, dazu eine simplere Form des Auspuffs. In Melbourne reichte es bei der Premiere zu Rang zwei für Hamilton. Anschließend bot sich den Engländern noch einmal zwei Wochen Zeit, das neue Teil zu schleifen. Die Arbeit ist noch nicht abgeschlossen. „Die sind unheimlich schnell“, sagt Nico Hülkenberg, am Freitag Testfahrer bei Force India. „Es sieht so aus, als würden am Sonntag zwei Teams um den Sieg kämpfen.“ Vielleicht. Niemand wollte die unterschiedlichen Benzinfüllungen der jeweils anderen kennen. Red Bull und McLaren sind eher bekannt dafür, sich mit einer konservativen Methode vorzubereiten.

          Ein Blick in die Zeiten von Vettels Ausdauer-Programm am Nachmittag aber deutet an, das im Red Bull noch mehr stecken könnte als gezeigt. Über zwölf Runden fuhr er bei der Grand-Prix-Simulation fast konstant die besten Zeiten der Top-Teams. In der elften aber gab er kurz Zwischengas: prompt blieb die Uhr eine halbe Sekunde früher stehen. Die beiden McLaren begannen zwar auch mit ordentlichen Umläufen, wie bei allen anderen ernstzunehmenden Konkurrenten stiegen ihre Rundenzeiten jedoch kontinuierlich an, zum Schluss in Sekundenschritten.

          Ohren zu und durch: Mark Webber war der schnellste Mann des Tages

          Mercedes konnte am Freitag bei dieser Übung nicht mithalten. „Da gibt es noch einiges zu tun“, sagte Teamchef Ross Brawn. Zwei Sekunden lagen die Silberpfeil-Chauffeure hinter dem Renn-Tempo von Red Bull. Aber die erste Baustelle scheint mehr oder weniger abgeschlossen. Michael Schumacher belegte in der ersten Trainingseinheit Rang drei, in der zweiten Platz fünf, diesmal mit 1,212 Sekunden Rückstand hinter Webber. „Das war ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte der siebenmalige Weltmeister. „Wir nähern uns der Leistungsfähigkeit, die wir in Barcelona hatten.“ Damals, Mitte März gelang ihm bei der letzten Testfahrt die Bestzeit. In Melbourne hatten Schumacher und sein Teamkollege Nico Rosberg wegen Problemen mit dem Energie-Rückgewinnungssystems (Kers) und mit Strömungsabrissen am Heckflügel nicht „das Potential“ das Autos ausfahren können. „Kers und Aerodynamik haben sehr gut funktioniert“, sagte Schumacher nun mit Blick auf das überarbeitete Kers und den veränderten Heckflügel, „da ist noch Luft nach oben drin.“

          Wo aber blieb der noch in Australien bewunderte Speed auf den Geraden? Schumacher und Rosberg tauchten diesmal weit unten auf in der Liste. Weil sie nicht alles ausspielten. An Schumachers Auto wurde auf dessen bester Runde keine Bewegung am Heckflügel entdeckt, obwohl ein Element während des Trainings und beim Rennen um den besten Startplatz zur Verringerung des Luftwiderstandes vom Cockpit aus gesteuert werden darf: Klappe zu für bessere Zeiten am Samstag? Schumacher käme theoretisch noch einmal um geschätzte 0,8 Sekunden voran. Vorausgesetzt, die Konkurrenz verzichtete am Freitag nicht auf den Einsatz.

          Materialfehler bei Renault

          Und Ferrari? Wieder enttäuscht. Weder auf eine Runde noch über die Distanz wurde die Scuderia ihren Ansprüchen gerecht. „Es sieht nach einem schwierigen Wochenende aus“, gab Fernando Alonso (Neunter) zu Protokoll. „Wir sind nicht schnell genug für den Kampf um die Pole-Position oder um den Sieg. Aber deshalb werfen wir nicht das Handtuch.“ Gefahr droht den Roten und auch Mercedes wieder von Renault. Nick Heidfeld und Witaly Petrow waren am Vormittag zwar brachial gebremst worden, weil Teile der Vorderradaufhängungen brachen. „Ein Materialfehler“, wie das Team erklärte. Nach einer Überprüfung wurden die Piloten zur Hälfte der zweiten Trainingseinheit aber wieder in die Umlaufbahn geschickt. „Das Ergebnis ist angesichts der wenigen Runden ermutigend“, sagte Heidfeld (8.). Mit Renault wird am Samstag wohl wieder zu rechnen sein.

          Während Adrian Sutil mit seinem Force India fast drei Sekunden über der Bestzeit blieb und ernüchtert den Rückfall konstatieren musste, schaute Timo Glock zufrieden aus dem durchnässten Overall. „Ich bin ganz glücklich, so wie sich das Auto fahren ließ.“ Mit einem Rückstand von 3,9 Sekunden ist er zwar weit weg, aber nicht in der Gefahr, die 107-Prozent-Auflage nicht zu bestehen. Wer im ersten Qualifikationstraining (Samstag, 10 Uhr/live im mehr FAZ.NET-Formel-1-Liveticker) als sieben Prozent länger braucht als der Schnellste, wird nicht zum Rennen zu gelassen. Das aber könnte ein schönes Spektakel werden. Wie erwartet bauen die Reifen von Pirelli beim zweiten Einsatz wesentlich schneller ab als noch in Melbourne. „Nach zwölf Runden ist Schluss mit den weichen“, sagt ein Teamchef: „Es wird wohl drei Boxenstopps pro Auto geben.“ Wenn es nicht regnet.

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