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Formel 1 in Malaysia : Perfektes Sieger-Team, fehlerhafte Ferrari-Crew

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Osterhase oder Stier? Auf jeden Fall Alonso Bild: AP

McLaren-Mercedes hat mit einem Doppelpack beim Großen Preis von Malaysia den Rivalen Ferrari geschockt. Fernando Alonso demonstrierte mit seinem souveränen ersten Sieg im Silberpfeil, dass er auch im neuen Team ein heißer Kandidat für den Titel-Hattrick ist.

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          Diese Formel 1 ist unberechenbar. „In Melbourne waren wir bereits Weltmeister“, konstatierte Ferrari-Chef Jean Todt mit Leidensmiene, „und hier in Malaysia schreibt man uns schon wieder ab.“ Der Ausgang des zweiten Grand Prix in dieser Saison - mit den McLaren-Mercedes von Alonso und Hamilton vor Räikkönens Ferrari - überraschte selbst die Beteiligten.

          Sieger Fernando Alonso gab zu: „Ich war schon froh, dass wir im Training den Rückstand auf Ferrari verkürzen konnten, dachte aber, dass sie uns im Rennen davonfahren würden. Aber vielleicht war Melbourne, wie schon so oft, gar kein richtiger Maßstab.“ Ferraris Chefstratege Luca Baldisseri rätselte nach der Niederlage: „Wir waren im Rennen eine Sekunde pro Runde langsamer, als wir aufgrund des Trainings und der Testfahrten ausgerechnet hatten.“ Was der Nachfolger von Ross Brawn damit sagen wollte: Nicht McLaren-Mercedes habe das Rennen gewonnen, Ferrari habe es verloren.

          „Ein Rennen zum Einrahmen“

          Das Siegerteam war in jeder Disziplin perfekt. Bei Ferrari machte jeder Fehler: Fahrer, Taktiker, Techniker. Mercedes-Sportchef Norbert Haug bezeichnete den ersten Doppelsieg der „Silberpfeile“ seit Brasilien 2005 als „ein Rennen zum Einrahmen“. Für McLaren-Mercedes lief nach Erlöschen der Startampel alles nach Maß. Ausgangs der zweiten Kurve lagen die beiden silbernen Autos in Front. Todt wagte einen Erklärungsversuch: „Das hat unser Rennen zerstört.“

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          Im Verkehr konnten die roten Autos nicht ihr gewohntes Tempo vorlegen. Die vorausfahrenden McLaren zerstörten die empfindliche Aerodynamik des F 2007 und beeinträchtigten auch die Kühlung. Das erklärt, warum Felipe Massa, der Pilot auf der Pole-Position, nach dem verlorenen Start so ungestüm Lewis Hamilton attackierte. „Ich musste es riskieren, weil ich Alonso nicht aus den Augen verlieren wollte, und ich habe dafür bezahlt.“

          Der Druck auf Massa wächst

          Nicht Hamilton fuhr wie ein Anfänger, sondern der letztlich fünftplatzierte Brasilianer, der siebzig Rennen mehr Erfahrung auf dem Buckel hat als England neuer Wunderknabe. Nach Kimi Räikkönens Sieg beim Auftaktrennen in Melbourne stand Massa bereits unter Zugzwang, und der Druck ist nach seinem verkorksten Rennen nicht kleiner geworden. Mit wachsendem Druck durch McLaren wird sich Todt eher früher als später auf einen seiner beiden Piloten festlegen müssen. Gegen einen Alonso, der eiskalt seine Chancen nutzt, darf man keine WM-Punkte im teaminternen Duell verschenken.

          Jetzt steht erst einmal die Analyse an, warum Ferrari seiner Favoritenrolle nicht gerecht werden konnte. Die Rundenzeiten waren auch dann nicht außergewöhnlich, als Massa und Räikkönen freie Bahn vor sich hatten. Die Sorge um Räikkönens angeschlagenen Motor aus dem Melbourne-Rennen spielte keine entscheidende Rolle. „Das Zurücknehmen der Drehzahl hat uns höchstens eine Zehntelsekunde pro Runde gekostet“, rechnet Todt vor.

          Der Schuss ging nach hinten los

          Ein viel gewichtigerer Grund ist die Strategieänderung, zu der McLaren nach dem perfekten Start seine Verfolger zwang. Ferrari füllte seine beiden Autos beim ersten Tankstopp mit mehr Benzin als ursprünglich geplant, in der Hoffnung, man könne die McLaren durch einen längeren zweiten Abschnitt austricksen. Der Schuss ging nach hinten los. „Nirgendwo sonst geht zusätzliches Gewicht so negativ in die Rundenzeit ein wie in Malaysia“, konstatierte Stratege Baldisseri. Pro zehn Kilogramm sind es 0,38 Sekunden mehr auf der Uhr.

          Der Triumph von McLaren war das Beste, was dieser Weltmeisterschaft passieren konnte. Es wird vielleicht doch nicht der befürchtete Alleingang in Rot, obwohl man vorsichtig sein sollte mit Prognosen. Mit neun Punkten Vorsprung im Konstrukteurspokal hat sich McLaren aber Luft verschafft. Die Autos zeigen plötzlich all jene Qualitäten, die im letzten Jahr verlorengegangen schienen: Sie sind schnell auf eine Runde, sie starten exzellent, und sie sind standfest. Mit Alonso und Hamilton ist die englisch-deutsche Fahrgemeinschaft fahrerisch auch noch besser besetzt.

          Der Spanier als Chef im Ring

          Alonso ist nun endlich vertraut mit seinem Auto, und er zeigte mit einigen Bestzeiten in Malaysia, wer der Chef im Ring ist. Für Hamilton lassen sich kaum mehr weitere Superlative finden. Zwei Podestplätze in zwei Rennen, die schnellste Rennrunde sowie seine Abgeklärtheit im Zweikampf stempeln ihn zum Star der Zukunft. Teamchef Ron Dennis verstieg sich sogar zu der Aussage: „Lewis könnte der kompletteste Fahrer aller Zeiten werden.“

          Vorhersagen sind in dieser Saison schwieriger denn je, und dabei dachte man, dass der Einheitsreifen vieles einfacher machen würde. „Wir haben selbst mit der Einschätzung unserer eigenen Autos Mühe“, sagte Renault-Chefingenieur Pat Symonds erstaunt. „Was heute gut ist, kann morgen schlecht sein, und keiner weiß, warum.“ Für das Weltmeisterteam lief es im Rennen besser als erwartet. Gut heißt in diesem Fall nur Platz sechs (Fisichella) und acht (Kovalainen). Teamchef Flavio Briatore hat sich neue Bescheidenheit verordnet: „Für die Umstände waren vier WM-Punkte das optimale Ergebnis. Wir haben bekommen, was wir verdienen.“

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