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Formel 1 in Malaysia : Am Ende packt Vettel „noch einen aus“

  • -Aktualisiert am

Daumen hoch: Sebastian Vettel bleibt vorn - so gerade Bild: REUTERS

Lange sah es aus, als sollte Sebastian Vettel beim Qualifying in Malaysia von Lewis Hamilton im McLaren geschlagen werden. Doch in der letzten Runde übertrumpft der Formel-1-Weltmeister den Briten. Heidfeld ist Sechster - Mercedes hat weiter Probleme.

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          Sie haben schwer aufgeatmet am Red-Bull-Kommandostand. Als Letzter kreuzte Sebastian Vettel am Samstag beim Qualifikationstraining für den Großen Preis von Malaysia am Sonntag die Ziellinie. Und stand wieder da, wo er vor zwei Wochen in Melbourne angefangen hatte: Auf Rang eins. Doch diesmal folgte dem „Juhu“ über Funk und dem Jubel auf dem Parkplatz eine Ernüchterung: McLaren sitzt dem Weltmeister im Nacken. In Australien hatte der Heppenheimer Lewis Hamilton mit fast 0,8 Sekunden auf Abstand gehalten. Diesmal kam der Brite nur um einen Augenblick zu spät: 0,104 Sekunden. Das war die Überraschung des Tages.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Am Freitag hatte sie sich angedeutet. Doch niemand glaubte, dass Red Bull bei den Trainingsfahrten alles gezeigt hatte. Wie kann man innerhalb von wenigen Wochen erst aus dem Mittelfeld an die Spitze der Verfolger springen und dann sozusagen auf dem Weg von Melbourne nach Malaysia den restlichen Rückstand aufholen? „Wahnsinn, wir haben eben eine tolle Truppe, sie haben einen phantastischen Job gemacht“, sagte Hamilton. „Ich weiß das auch nicht. Denn im Grunde haben wir nicht viel am Auto gemacht. Vielleicht liegt es daran, dass wir hier in Malaysia eine Strecke haben, die mit den schnellen Passagen unserem Auto besser liegt.“ Tatsächlich ist es McLaren gelungen, die nach den Tests in Barcelona eilig eingeleiteten Umbaumaßnahmen zu verfeinern. Nach dem Rennen in Melbourne ging es am Firmensitz in Woking in den Simulator, Veränderungen an der Bremsbelüftung und eine verbesserte Abstimmung haben Red Bull einen zumindest im Qualifying ebenbürtigen Gegner beschert.

          Neben Hamilton saß ein ganz glücklicher Vettel. Den schärfsten Gegner geschlagen, den Teamkollegen Mark Webber (Dritter) wieder auf Abstand gehalten mit 0,3 Sekunden. Aber ganz so zuversichtlich wie bei der Premiere war der Weltmeister nach seiner dritten Pole-Position hintereinander (inklusive dem Saisonfinale 2010), nicht. „Das war eine unheimliche Herausforderung. Wir sind anfangs nicht so in den Rhythmus gekommen. Im Qualifying lief es viel besser. Dann habe ich noch einen ausgepackt.“

          Pole Position: Sebastian Vettel (Red Bull)

          Den Verdacht, Red Bull könnte wieder Probleme mit dem Energie-Rückgewinnungssystem (Kers) gehabt haben, wischte Vettel von sich aus vom Tisch: „Kers ist gut gelaufen.“ Diesmal war also die 82 PS starke Extrapower auf Knopfdruck (6,7 Sekunden pro Runde) da. Was den Fortschritt von McLaren noch unterstreicht. Und die Gefahr für Red Bull, diesmal im Rennen abgefangen zu werden: „Das Rennen wird ohnehin ganz anders als in Australien“, sagte Vettel.

          Technische Probleme bei Mercedes

          Alle Piloten erwarten mehr Boxenstopps, weil die Reifen viel stärker abbauen. Vermutlich muss jeder Fahrer dreimal zur Box kommen, falls nicht der angekündigte Regen alle Pläne auf den Kopf stellt. Das könnte die Chance von Nick Heidfeld als zweitbestem Deutschen im Renault (Sechster) und Nico Rosberg (9. im Mercedes) werden. Beide blieben am Freitag deutlich unter den Rundenzeiten der Branchenführer Red Bull und McLaren beim Test für den gut 300 Kilometer langen Grand Prix. Mercedes gar rund zwei Sekunden pro Runde.

          Deshalb ist das nächste technische Malheur bei den Silberpfeilen auch halbwegs zu verschmerzen. Während Rosberg leicht in den dritten Durchgang kam, blieb Michael Schumacher wieder auf Platz elf hängen. Sein Rückstand hinter dem Teamkollegen im entscheidenden Moment: gut 0,6 Sekunden. Ungewöhnlich, nachdem die beiden das gesamte Wochenende auf einer Höhe gelegen hatten, mit leichten Vorteilen für Schumacher. Der lieferte die Erklärung nach: „Der (bewegliche) Heckflügel ist nicht mehr zurückgegangen. Das ist uns im freien Training auch schon passiert. Ich wusste, dass wir die Probleme haben könnten, aber ohne den Heckflügeleinsatz verliert man eine Sekunde. Also habe ich es probiert. In der letzten Runde funktionierte er nicht mehr.“ Auch Rosberg klagte nach dem dritten Qualifikationsdurchgang über das mechanische Problem. Das bewegliche Element geht wegen der Seitenwinde nicht schnell genug zurück in die Ausgangsstellung. Deshalb haben die Fahrer dann in den Kurven nicht mehr den Anpressdruck, den sich vorher gewöhnt waren. Immerhin kann Schumacher wählen, mit welchen Reifen er das Rennen beginnen will - ein Vorteil zumindest am Start und auf den ersten Kilometern.

          Die Kollegen vor ihm müssen mit den gebrauchten weichen Reifen antreten, die sie für die Jagd auf die besten zehn Startplätze verwendeten. Das Wahlrecht aber ist kein Trost für Adrian Sutil. Zum zweiten Mal verlor er (17.) im Force India das Duell gegen seinen Teamkollegen, den Debütanten Paul di Resta. Timo Glock hielt seinen Nebenmann dagegen hinter sich. Doch als 21. blieb dem Virgin-Piloten nicht viel mehr als der Schlussatz: „Chancen? Habe ich nur, wenn die anderen der Blitz trifft.“ Immerhin ist er nicht vorletzter Starter. Die HRT-Piloten Vitantonio Liuzzi und Narain Karthikeyan waren zwar noch schlechter, aber gut genug um sich innerhalb der 107-Prozent-Regel zu qualifizieren. Der Inder Karthikeyan darf damit zu seinem ersten Grand Prix seit dem Rennen in Schanghai am 16. Oktober 2005 antreten.

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