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Formel 1 in Japan : Wäre Bianchis Unfall vermeidbar gewesen?

Jules Bianchi krachte mit seinem Auto in den Kranwagen Bild: dpa

Nach einem Unfall von Adrian Sutil kracht Jules Bianchi in den Bergungskran und wird schwer verletzt. War dieses Unglück vermeidbar? FAZ.NET beantwortet die wichtigsten Fragen.

          2 Min.

          Die Formel 1 bangt um Jules Bianchi. Der 25 Jahre alte Franzose vom Marussia-Team musste nach einem schweren Unfall beim Rennen in Japan notoperiert werden. FAZ.NET beantwortet die wichtigsten Fragen.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wie ist der Unfall von Jules Bianchi in Japan passiert?

          Es regnete in Suzuka, die Strecke war deshalb nass und rutschig. In der 42. von 53 Runden kam Adrian Sutil in seinem Sauber von der Strecke ab und prallte in einen Reifenstapel. Ein Bergungsfahrzeug rollte auf die Strecke, um den Rennwagen des Deutschen aus der Auslaufzone zu bringen. Zu diesem Zeitpunkt verlor auch Jules Bianchi die Kontrolle über seinen Marussia und kollidierte seitlich mit dem Bergungsfahrzeug. Der Aufprall war so stark, dass dabei Sutils Sauber wieder vom Haken fiel, zudem soll der Überrollbügel am Marussia von Bianchi gebrochen sein.

          Wie schwer ist Bianchi verletzt?

          Kurz nach dem Unfall teilte der Internationale Automobil-Verband (Fia) mit, dass Bianchi bewusstlos war, als er mit dem Rettungswagen in das Krankenhaus der Provinz Mie gebracht worden ist. Bei einer Computertomographie stellten die Ärzte schwere Kopfverletzungen fest. Eine Notoperation folgte, danach wurde Bianchi auf die Intensivstation verlegt. „Jules ist in einem schlimmen Zustand. Es wird 24 Stunden dauern, bis wir mehr wissen“, sagte Vater Philippe Bianchi dem französischen Sender France 3.

          Hätte der Unfall vermieden werden können?

          Kurz nach dem Aus von Sutil wurden an der Unfallstelle Gelbe Flaggen geschwenkt, die Fahrer mussten daraufhin die Geschwindigkeit reduzieren, fuhren jedoch noch immer schneller als Tempo 150. An vielen anderen Rennstrecken kommt das Bergungsfahrzeug nicht auf die Strecke, stattdessen steht ein Kran hinter der Absperrung und hebt die Rennwagen aus dem Gefahrenbereich. Das war in diesem Fall nicht möglich. Viele Experten forderten deshalb, dass das Safety Car schon eher auf die Strecke hätte kommen müssen.

          Williams-Fahrer Felipe Massa erzählte zudem nach dem Rennen, dass er schon Runden zuvor wegen des wieder einsetzenden Regens sowie der einbrechenden Dunkelheit kaum noch etwas gesehen habe. „Es war gefährlich. Für mich haben sie zu lange gewartet mit ihrer Entscheidung“, sagte der Brasilianer und kritisierte damit offen die Rennleitung. Vor allem Fahrer in Autos mit weniger Abtrieb wie Bianchi im Marussia und Sutil im Sauber können ihre Rennwagen bei widrigen Bedingungen kaum beherrschen. Anders als die Piloten im Mercedes oder Red Bull, die über so viel Abtrieb verfügen, dass sie die Rennwagen mit rund 800 PS auch bei Regen und Aquaplaning unter Kontrolle behalten.

          Wie sicher ist die Formel 1 heute?

          Als bis dato letzter Fahrer war Ayrton Senna am 1. Mai 1994 im Rahmen eines Formel-1-Rennens ums Leben gekommen, als der Brasilianer in Imola mit nicht weniger als Tempo 220 in eine Mauer prallte. Seither wurden die Strecken sicher, weil die Auslaufzonen vergrößert und flexible Barrieren entwickelt wurden, welche die Kräfte bei einem Aufprall dämpfen. Zudem wurden Jahr für Jahr die Crashtestbedingungen verschärft: Das Monocoque, die Sicherheitszelle aus Kohlefaser, wurde permanent verbessert und vergrößert; die Helme bestehen heute unter anderem aus Kohlefaser, Titan, Magnesium und Polyäthylen.

          In einem Test wird das Visier mit Projektilen beschossen, die auf 500 Kilometer in der Stunde beschleunigt werden, die Einschlagstellen dürfen nicht tiefer als 2,5 Millimeter sein. Im Jahr 2003 wurde schließlich Hans eingeführt, das sogenannte „Head and Neck Support System“ soll verhindern, dass der Kopf des Fahrers beim Aufprall nach vorne gerissen und die Halswirbelsäule überdehnt wird.

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