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Rosberg siegt in Hockenheim : Was für ein großer Spaß

Allein auf weiter Flur: Nico Rosberg Bild: REUTERS

Cool und souverän gewinnt Formel-1-Pilot Nico Rosberg zum ersten Mal den Großen Preis von Deutschland und baut seinen Vorsprung im WM-Klassement aus. Teamkollege Lewis Hamilton bezaubert derweil mit einer Aufholjagd von Platz zwanzig auf Rang drei.

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          Dieter Zetsche steht am Metallzaun in der Boxengasse und lächelt. Vor den Augen des Daimler-Chefs parkt Nico Rosberg seinen Mercedes, wuchtet sich aus dem Cockpit, steigt auf das Chassis und reißt die Arme als Zeichen des Triumphs in die Höhe. Zetsche lächelt nun noch ein bisschen mehr, und wenige Augenblicke danach umarmen sich beide. „Mit dem Auto“, sagt Rosberg nach der Siegerehrung, „macht es so viel Spaß da draußen.“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nach seinem Sieg beim Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring hat Rosberg seine Führung in der Gesamtwertung weiter ausgebaut: 190 zu 176 Punkte steht es nun nach dem zehnten Rennen im Vergleich mit seinem Teamkollegen Lewis Hamilton, der als Dritter hinter Valtteri Bottas (Williams) ins Ziel kam. Und doch geht es weiter vor allem um eines: um den Zweikampf Rosberg gegen Hamilton. Tausende Fans laufen nach dem Ende des Rennens auf die Strecke, sie haben Tröten und Fahnen dabei. Rosberg sagt: „Es ist ein phantastischer Tag für mich, es ist toll, hier Zuhause zu gewinnen. Ich habe die Stimmung bis ins Auto gespürt.“

          „Knie, Knöchel und der Nacken schmerzen“

          Zwei Szenen vom Samstag, beide spielen im Motorhome von Mercedes. Erst sitzt Rosberg da bei der Pressekonferenz. 29 Jahre ist er alt, er trägt ein schneeweißes Hemd mit den Namen der Teamsponsoren und Mercedes-Stern über dem Herzen. Zuletzt hat der Neunundzwanzigjährige kaum eine Gelegenheit ausgelassen, um zu betonen, dass dies sein Heimrennen ist. Fragen aber bleiben an den Sohn des ehemaligen Formel-1-Weltmeister Keke Rosberg und dessen deutscher Frau Gesine. Ein finnischer Kollege will wissen: „Ich habe gelesen, dass du dich zu 100 Prozent als Deutscher fühlst. Was glaubst du, wie sich deine finnischen Fans fühlen?“ Rosberg, der souverän auf die Pole Position gefahren war, überlegt einen Moment, dann sagt er. „Heikki, für dich bin ich ein halber Finne. Und für die finnischen Fans bin ich es auch.“

          Kopfüber: Felipe Massa fliegt im wahrsten Wortsinn aus dem Rennen Bilderstrecke

          Der gleiche Raum, ein anderer Hauptdarsteller, ein paar Minuten später. Hamilton trägt eine Kappe mit einem extrabreiten Schirm und ein T-Shirt, der Brite spricht mit leiser Stimme, er wirkt angeschlagen, nach seinem Unfall im Qualifikationstraining. Die Bremsscheibe vorne rechts war gerissen, Hamilton verlor kurz nach dem Anbremsen bei Tempo 220 die Kontrolle über seinen Rennwagen, drehte sich und krachte in die Streckenbegrenzung. „Die Knie, Knöchel und der Nacken schmerzen“, sagte er eher beiläufig, viel mehr in Erinnerung aber bleibt dieser Satz: „Ich denke nicht so sehr über die Bremsen nach. Wenn ich am Morgen aufwache, pushe ich so stark wie immer. Ich will das machen, was ich am besten kann: durch das Feld pflügen.“ Kurz danach steht er auf, und verlässt ganz langsam den Raum.

          Der Start des Rennens, der Moment, an dem sich die Spannung noch einmal verdichtet. Rosberg steht ganz vorne, Hamilton nur auf Platz zwanzig. Die Mechaniker mussten das Getriebe wechseln, das beim Unfall kaputt gegangen war, und sie tauschten die Bremsscheiben. Hamilton fährt nun mit dem gleichen Material wie sein Teamkollege, er muss deshalb seinen Fahrstil umstellen.

          Nacheinander gehen die roten Lichter der Startampel an, nach wenigen Sekunden erlöschen sie wieder. 22 Autos schießen auf die erste Kurve zu, Rosberg gewinnt das Beschleunigungsduell gegen Bottas, aber hinter den beiden wird es turbulent. Kevin Magnussen (McLaren) attackiert Felipe Massa (Williams) auf der Innenbahn, die Reifen ihrer Boliden geraten aneinander, Massa überschlägt sich. „Felipe, geht es dir gut? Felipe!“, fragt der Renningenieur am Kommandostand über Funk. Doch Massa antwortet zunächst nicht, klettert dann aber allein aus dem Cockpit. Das Safety-Car rückt aus, die Trümmerteile werden beseitigt, dann geht das Rennen erst richtig los. Jubel auf den Tribünen.

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