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Formel 1 in Großbritannien : Silverstone bleibt – und London reizt

Mit dem „Union Jack“: Lewis Hamilton jubelt 2016 in Silverstone mit der Flagge Großbritanniens über seinen Erfolg. Bild: dpa

Auf dem Silverstone Circuit fand das erste Formel-1-Rennen überhaupt statt und dort wird dank eines neuen Vertrages noch mindestens weitere fünf Jahre gefahren. Doch eine wichtige Frage bleibt offen.

          Jetzt, da die neuen Verträge unterschrieben sind, wird sie wieder gern erzählt, die Geschichte vom ersten Formel-1-Rennen überhaupt. So lange her, dass es der König besuchte, Georg VI., und nicht etwa seine Tochter Elisabeth, die das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland seit beinahe 67 Jahren regiert. Silverstone, 13. Mai 1950: Giuseppe Farina gewinnt das erste Formel-1-Rennen der Motorsportgeschichte, ausgeschrieben als Großer Preis von Großbritannien und – in der identitätsunsicheren britischen Gegenwart anekdotisch nicht uninteressant – als Großer Preis von Europa, vor Luigi Fagioli und Reginald Parnell.

          Alle drei, die Italiener und der Engländer, fuhren für Alfa Romeo. Und jetzt, da die neuen Verträge also im Trockenen sind, kann sie wieder ganz rhetorisch gestellt werden, die Frage, die Puristen und Romantiker umgetrieben hat in den vergangenen zwei Jahren: Die Formel 1 ohne Silverstone Circuit, das „home of British motor racing“? Erstmal nicht. Formel-1-Rennen Nummer 1007 wird am Sonntag (15.10 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 sowie bei Sky und RTL) in Silverstone gestartet. Und dank der Verträge, die am Dienstag in London unterschrieben wurden, werden noch einige hinzukommen. Liberty Media, der Rechteinhaber der Formel 1, und der British Racing Drivers‘ Club (BRDC), Inhaber der Rennstrecke, sind sich einig geworden. Weitere fünf Jahre wird in Silverstone gefahren, die dafür aufgerufene Summe nennt niemand außer dem Reporter der „Sun“, der 100 Millionen Pfund in den fettgedruckten Vorspann seines Textes schreibt, aber keine Quelle.

          Das wären etwa 22 Millionen Euro im Jahr. Deutlich weniger als die 28 Millionen, die der BRDC dem damaligen Formel-1-Vermarkter Bernie Ecclestone im Jahr 2010 für den Großen Preis von Großbritannien im Jahr 2026 versprochen hatte. Eine Summe, die den Hausherren, metaphorisch gesprochen, in die Rolle eines bis über alle Backsteinschornsteine verschuldeten Landadligen gedrängt hätte, von dem die Nachbarn in höchsten Tönen ob seiner wunderbaren Sommerpartys sprechen, dem aber im Winter die pekuniäre Grundlagen für das Feuerholz fehlen.

          Aushängeschild der britischen Motorsport-Welt: Formel-1-Pilot Lewis Hamilton

          Im vergangenen Jahr kamen am Sonntag 140.500 Zuschauer nach Silverstone, mehr als zu irgendeinem der zwanzig anderen Rennen. Und doch machten die Veranstalter keinen nennenswerten Gewinn. 2015 und 2016, als jeweils mehr als 139.000 Zuschauer dem Rennen zuschauten, belief sich der Verlust nach heutigem Umrechnungskurs auf über drei und über fünf Millionen Euro, schreibt der „Guardian“. Also hatte der BRDC den Ecclestone-Vertrag 2017 gekündigt. Und seither verhandelt man mit den neuen Inhabern der Formel 1, die offen kokettierten mit dem Reiz eines Rennens in London. Einem, mit dem niemand den Charme der Countryside verbindet, sondern den Stadt-gewordenen Traum der Vorstands- und PR-Abteilungen der Automobilbranche.

          John Grant, der Vorsitzende des BRDC sagt nun: „Wir freuen uns auf eine stabile Phase.“ Und der Formel-1-Vorstandsvorsitzende Chase Carey lässt sich mit seiner „Vision“ zitieren, zu der die „Pflege der Wurzeln der Formel 1“ gehörten, deren „integraler Bestandteil“ Silverstone sei. Allerdings: Ein Rennen in London ist nach wie vor nicht vom Tisch. Es sei aber eine „ausreichende Zeitspanne“ zwischen zwei möglichen Rennen garantiert, sagt Grant. Es gebe Platz für zwei Rennen, sofern „auf unsere kommerziellen in angemessen flexibler Weise eingegangen wird“. Klingt ziemlich eindeutig: Kommt London, zahlt Silverstone weniger.

          Wie stabil die Phase aber nun tatsächlich wird? Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexits sind unabsehbar. Und wie lange dreht Lewis Hamilton noch seine Runden? Der fünfmalige Weltmeister, dessen Vertrag bei Mercedes noch bis 2021 gilt, ist auf der Jagd nach Michael Schumachers Rekorden: 91 Grand-Prix-Siege, sieben Weltmeisterschaften. „In unsere Berechnungen mussten wir ein gewisses Maß Vorsicht einfließen lassen“, sagte Silverstone-Geschäftsführer Stuart Pringle der „Times“. „Es ist klar, dass Hamilton für phantastische Zuschauerzahlen sorgt und dass wir uns darauf nicht immer verlassen können.“ In Deutschland haben sich die Streckenbetreiber bis heute nicht vom Aufschrecken aus den traumhaften Schumacher-Jahren erholt. Gut möglich, dass Hockenheim dieses Jahr erst einmal den letzten Großen Preis von Deutschland erlebt. In Großbritannien träumt es sich derzeit aber noch ganz schön: Ein Sieg am Sonntag wäre Hamiltons 80. Grand-Prix-Sieg. Das Rennen ist ausverkauft.

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