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Formel 1 in Frankreich : „Ich war derjenige, der daran schuld war“

Nur auf Platz fünf: Sebastian Vettel. Bild: AFP

Sebastian Vettel fällt nach dem Start aus dem Rennen um den Sieg in Frankreich. Lewis Hamilton stürmt mit dem 65. Grand-Prix-Erfolg wieder an die Spitze der WM-Wertung.

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          Es war der erste Grand Prix de France seit zehn Jahren, also wurde dem Publikum allerlei Inventar der République française präsentiert: Die die Kapelle der Fremdenlegion spielte die Marseillaise, die Tricolore wurde von Spezialeinheiten aus einem Hubschrauber abgeseilt, Miss France führte nicht nur ihre Handtasche, sondern auch eine Kokarde in blau-weiß-rot aus. Aber in der entscheidenden Kategorie war das Rennen auf dem Circuit Paul-Ricard eine englisch-deutsche Angelegenheit.

          Lewis Hamilton siegte so ungefährdet, dass er auch über die Fußball-WM und den Kantersieg (6:1) der englischen Nationalmannschaft gegen Panama im Bilde war. „Großartige Arbeit, Jungs, großartige Arbeit. Ich freue mich auch so für England, es ist ein wunderschöner Sonntag.“ Hamilton war der 65. Grand-Prix-Sieg seiner Formel-1-Karriere gelungen, mit sieben Sekunden Vorsprung auf den Niederländer Max Verstappen im Red Bull. Dritter wurde Kimi Räikkönen im Ferrari. Damit übernimmt Hamilton wieder die Führung in der Weltmeisterschaft: 145 Punkte stehen nun auf dem Konto des Engländers, Sebastian Vettel, der in Le Castellet Fünfter wurde, kommt auf 131 Punkte.

          Hamilton war von der Pole-Position ins Rennen gegangen, die in Frankreich erstmals eingesetzte Ausbaustufe des Hybridantriebes hielt, was die Mercedes-Ingenieure sich von ihr versprochen hatten. Nach der schweren Niederlage vor 14 Tagen in Montréal, ist Mercedes nun wieder auf Augenhöhe mit Ferrari – mindestens. Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche nahm es in der Mercedes-Box erfreut zur Kenntnis. Hamilton sagte, er sei seinen Ingenieuren und Mechaniker „sehr dankbar. Seit sechs Jahren sind sie immer da für mich. Ein großartiger Tag“.

          Formel 1

          Ein echter Vergleich zwischen Ferrari und Mercedes wurde das erste Formel-1-Rennen auf dem Kurs von Le Castellet seit 1990 nicht. Das Rennen hatte gerade erst begonnen, da gingen etliche Fahrer schon auf Entdeckungsreise durch die weitläufigen Asphaltflächen abseits der Fahrbahn. Sebastian Vettel, mit seinem Ferrari vom dritten Startplatz ins Rennen gegangen, zog auf der abschüssigen Start- und Zielgerade zunächst knapp an Valtteri Bottas vorbei, musste dann aber vom Gas gehen, weil er in Hamiltons Windschatten aufzufahren drohte. Beim Anbremsen der ersten Schikane schoss der Finne zur Rechten wieder an Vettel vorbei. Die Räder am Ferrari blockierten, zu viel Tempo, zu wenig Platz – touché beim Einlenken in die Linkskurve. Bottas drehte sich. Kurz darauf machte Vettels Karosse zudem Bekanntschaft mit dem Haas von Romain Grosjean, der Frontflügel am Ferrari war endgültig dahin.

          Die wesentlichen Profiteure der Kollisionen waren der Franzose Sainz im Renault, der – ohne den Kurs zu verlassen – auf Platz drei fuhr, und Max Verstappen im Red Bull, der hinter der Schikane, die er weitgehend ausließ, auf Platz zwei das Rennen fortsetzte. Er habe keine andere Möglichkeit gehabt, den Kollegen zu entgehen, die auf der Piste Karambolage spielten, sagte der Niederländer. Kein schlechtes Argument, denn die Anzahl der am Grand Prix teilnehmenden französischen Piloten drittelte sich ebenfalls noch in der ersten Runde: Esteban Ocon (Force India) und Pierre Gasly (Toro Rosso) fielen aus, Kollision.

          Das Safety Car rückte aus, Vettel und Bottas (mit platten Hinterreifen) krochen zurück an die Box, wo am Ferrari ein neuer Frontflügel montiert wurde und am Mercedes auch ein Schaden am Unterboden festgestellt wurde. Beide ließen nun die härteste Reifenmischung aufziehen und hofften darauf, mit dieser Variante das Rennen beenden zu können. Die Rennkommissare kamen in ihrer Beurteilung der Kollision zu einem Schuldspruch gegen Vettel und belegten ihn mit einer nicht eben scharfen Zeitstrafe von fünf Sekunden. „Crazy“, sagte Hamilton, als er die Szene vor der Siegerehrung auf einem Monitor sah. Vettel habe Bottas doch „schlicht abgeräumt“. „Ich war derjenige, der daran schuld war“, sagte der Hesse nach dem Rennen. „Ich hing fest, mir war klar, dass ich da raus muss und habe früh gebremst. Aber ich hatte überhaupt keinen Grip.“

          Ein weiterer Besuch der Boxengasse wegen einer Stop-and-Go-Strafe hätte Vettel hart getroffen. So sauste der Deutsche, nachdem das Rennen Ende der fünften Runde wieder frei gegeben war, von Platz 17 auf léger wirkende Art und Weise an der Konkurrenz vorbei: Elfter in Runde neun, Zehnter in Runde elf, Fünfter in Runde 20, als er den inzwischen wieder zurückgefallenen Sainz überholte. Ebenfalls bestraft mit eben dergleichen Sanktion wurden Grosjean als Unfallverursacher und der russische Williams-Pilot Sergej Sirotkin, dem angelastet wurde, „unnötig langsam hinter dem Safety Car“ gefahren zu sein. Wer den Schaden hat: Der Williams ist das langsamste Auto im Feld, es wirkt zumeist nicht so, als könnten die Piloten schneller.

          Vettels Aufholjagd endete, als die Konkurrenz die Reifen wechseln ließ: Verstappen blieb ohnehin vor Vettel, Ricciardo verlor seinen Platz kurzfristig, überholte den Deutschen aber wieder so wie Teamkollege Räikkönen, der als letzter der Spitzenpiloten in Runde 34 von 53 die Reifen wechselte. Die Rettungsstrategie ging nicht auf. In Runde 41 kam Vettel nochmals an die Box, saß seine Strafe ab und ließ die „hypersoften“ Pneus aufziehen. Nun kurvte der Deutsche mit 40 Sekunden Rückstand auf einen Podiumsplatz über den Circuit und kam als Fünfter ins Ziel, immerhin zwei Plätze vor dem von ihm in Mitleidenschaft gezogenen Mercedes mit Bottas am Steuer. An der Spitze aber fuhr Hamilton so souverän zum Sieg, dass Niederländer Verstappen im Ziel befand: „Er hat das kontrolliert.“ Sehr komfortabel habe er sich im Auto gefühlt, sagte Hamilton. Es sei schade, dass sein Teamkollege keine Gelegenheit gehabt habe, einen Doppelerfolg herauszufahren.

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