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Formel 1 in Frankreich : Die Attacke der Saudis auf den Sport

Saudische Frauenpower: Aseel Al-Hamad fährt auch Formel 1. Bild: Reuters

Mit viel Macht will das Königreich unter Kronprinz Muhammad Bin Salman im Geschäft mit dem Sport Fuß fassen, auch in der Formel 1. Der Eindruck der saudischen Tempoverschärfung bleibt zwiespältig.

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          Die Formel 1 ist voll auf der Höhe der Zeit. Am frühen Sonntagmorgen waren Frauen in Saudi-Arabien erstmals legal Auto gefahren. Am Sonntagmittag drehte die erste Pilotin aus Saudi-Arabien eine Runde in einem Formel-1-Auto. Aseel Al Hamad führte im Vorprogramm des Großen Preis von Frankreich auf dem Circuit Paul-Ricard einen Lotus-Renault E20 aus dem Jahr 2012 vor. Mit diesem Modell hatte Kimi Räikkönen in jenem Jahr den Großen Preis von Abu Dhabi gewonnen, nun diente das Auto einer Imagepflege, die über das übliche Maß bei Formel-1-Rennen deutlich hinaus ging. Die Tour von Aseel Al Hamad war so bedeutend, dass die Presseabteilung des französischen Teams die Statements der Pilotin aus Riad schon Stunden vor ihrer Ausfahrt verschickte. Ihre Runde „am Tag, an dem Frauen im Königreich Saudi-Arabien Auto fahren dürfen, zeigt hoffentlich, was möglich ist, wenn man die Leidenschaft und den Willen zum Träumen hat“. Zeit, Raum und Politik im Einklang, ein glücklicher Zufall also, der Auftritt von Aseel Al Hamad? Im Traume nicht.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Aseel Al Hamad ist nicht nur Rennfahrerin. Sie war die erste Frau, die einen Ferrari ins Königreich importierte und fuhr damit, ähnlich wie betuchte deutsche Sportwageneigner, bei sogenannten „Track Days“. Sie bezeichnet sich als „Entrepreneurin“ und ist als Inneneinrichterin tätig ist. Ihre Website zieren neben zahlreichen hochauflösenden Fotos am Steuer potenter, glänzender Autos etliche mindestens genauso glitzernde Innenräume. Vor allem aber ist sie Motorsportfunktionärin. Sie sitzt im Vorstand des saudischen Motorsportverbandes. Zudem arbeitet Aseel Al Hamad in der Kommission für Frauen im Motorsport des Internationalen Automobilverbands Fia mit. Deren Vorsitzende, die frühere Rallye-Pilotin Michele Mouton, ließ sich mit den Worten zitieren, in der Zeit der Mitgliedschaft Al Hamads in ihrem Gremium „haben sich die Dinge in rapidem Tempo verändert“.

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