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Formel 1 in China : Rosbergs Glückszahl: Erster Sieg im 111. Grand Prix

  • Aktualisiert am

Fingerzeig: Nico Rosberg, Sieger von Schanghai Bild: REUTERS

Nico Rosberg gewinnt den ersten Formel-1-Grand-Prix für einen Werks-Mercedes seit 1955. Zweiter in Schanghai wird Button vor Hamilton. Vettel wird Fünfter, Schumacher fällt aus.

          3 Min.

          Nico Rosberg hat mit seinem ersten Sieg in der Formel 1 für den ersten Triumph eines Mercedes-Werksteams seit 1955 gesorgt. Der gebürtige Wiesbadener siegte von der Pole Position beim Großen Preis von China. Damit beendete er im 111. Grand Prix das lange Warten auf seinen ersten Erfolg und krönte sich zum siebten deutschen Formel-1-Sieger.

          „Yeeeeees“, brüllte Rosberg in den Boxenfunk. „Ich bin unglaublich happy. Der Hammer“, sagte der 26-Jährige nach der Champagnerdusche. Zweiter wurde der britische McLaren-Pilot Jenson Button vor seinem Landsmann und Teamkollegen Lewis Hamilton. Weltmeister Sebastian Vettel rettete nach einer starken Aufholjagd von Startplatz elf noch den fünften Rang hinter seinem Red-Bull-Rivalen Mark Webber. „Wir sind einfach nicht schnell genug. Trotzdem können wir zufrieden sein“, sagte der Hesse.

          In der WM-Gesamtwertung führt nach dem dritten Saisonlauf nun Hamilton mit 45 Punkten vor Button, der 43 Zähler hat. Der bisherige WM-Spitzenreiter Fernando Alonso (Ferrari) wurde nur Neunter und rutschte mit 37 Punkten auf WM-Platz drei ab. Vettel (28) verbesserte sich hinter Webber (36) auf Rang fünf.

          Rosberg folgt auf Fangio

          Mann des Tages aber war Rosberg. Nach Juan Manuel Fangio 1955 in Italien ließ wieder ein Mercedes-Werksfahrer die gesamte Konkurrenz hinter sich. „Großartig“, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. „Bravo Nico, danke an alle im Team - das ist ein neues Kapitel in der Silberpfeil-Geschichte.“ Teamchef Ross Brawn hatte ein „perfektes Rennen von Nico“ gesehen.

          Strahlende Aussichten: Dem Grand-Prix-Sieger Rosberg applaudiert der Weltmeister Button Bilderstrecke

          Ein noch besseres Mercedes-Ergebnis verhinderte ein Boxenpatzer: Michael Schumacher musste wegen eines schlecht aufgezogenen Vorderreifens in der 13. Runde aufgeben. Auch Force-India-Pilot Nico Hülkenberg als 15. und Timo Glock im Marussia als 19. blieben ohne Punkte.

          Schumacher hat Pech beim Reifenwechsel

          Rosberg erwischte von seiner Premieren-Pole einen perfekten Start. Als achter Deutscher in der Formel-1-Geschichte hatte er in der Qualifikation die Bestzeit gefahren, zum Auftakt des Rennens ließ er Teamkollege Schumacher sofort klar hinter sich. Ganz schlecht lief es zunächst für Vettel. Nach verpatzter Qualifikation kam er auch am Start nicht in die Gänge und rutschte bis auf Rang 15. Wieder hatte er Mühe mit seinem zickigen Dienstwagen. Auch sein Teamkollege Webber konnte als Neunter keinen Boden gutmachen und fuhr schon nach sechs Runden zum ersten Reifenwechsel an die Box.

          Bei Mercedes lief es dagegen zunächst nach Plan. Rosberg dominierte an der Spitze, Schumacher hielt die Verfolger Button, Lotus-Mann Kimi Räikkönen und Hamilton in Schach. Nach zehn Runden kam dann Bewegung ins Feld. Räikkönen und Hamilton gingen an die Box, der Brite zog dann dank des besseren Stopps am Finnen vorbei. Der von hinten heranrasende Webber schob sich noch zwischen das Duo.

          Mercedes wartete lange mit dem Reifenwechsel - und geriet in Probleme. Ein Mechaniker bekam Schumachers rechten Vorderreifen nicht festgezogen und winkte verzweifelt, als der 43-Jährige trotzdem das Signal zum Losfahren erhielt. Wenige Meter später rollte der Altmeister aus. „Nein nein nein“, twitterte sein Team. „Schade, tut mir leid für die Jungs“, meinte Schumacher. 2006 hatte er in China seinen bislang letzten Sieg gefeiert, diesmal schien zumindest der erste Podiumsplatz seit seinem Comeback vor zwei Jahren möglich. „Das gehört dazu. Jetzt drücke ich Nico die Daumen“, sagte Schumacher.

          Dramatischer Kampf gegen Rennende

          Bei Rosberg lief alles glatt. Sein Vorsprung auf das McLaren-Duo Button und Hamilton blieb beruhigend. Vettel hatte sich inzwischen zumindest in die Punkteränge vorgearbeitet. Längst hatte sich das Rennen zum Reifenpoker entwickelt. Weil die vermeintlichen Mittelfeld-Teams ihre Stopps lange hinauszögerten, mussten sich die Spitzenfahrer immer wieder durchs Feld nach vorn kämpfen. In der 35. Runde holte sich Rosberg das zweite Mal frische Reifen, deutlich später als seine Verfolger.

          Die Taktik war klar: Mercedes wollte sich einen Stopp sparen. Als Zweiter kehrte Rosberg zurück, Button führte nun. Doch dann klappte auch beim Weltmeister von 2009 der Reifenwechsel nicht. Hinten links klemmte der Pneu, Button verlor viel Zeit. Rosberg war in der 40. Runde wieder klar vorn. Und auch Vettel hatte das Podium plötzlich wieder in Reichweite. Der Titelverteidiger hatte ebenfalls auf eine Zwei-Stopp-Strategie gesetzt und lag nun auf Rang drei hinter Räikkönen.

          Sieben Runden vor dem Ende wurde es im Kampf um die Plätze hinter Rosberg dann richtig dramatisch. Vettel schnappte sich Räikkönen, der in Probleme kam. Hamilton presste sich an Webber vorbei. In der 52. Runde musste Vettel dann auf schlechter werdenden Reifen erst Button und dann auch Hamilton und Webber vorbeilassen. Vorn aber zog Rosberg souverän seine Kreise. Nach 56 Runden und 305,066 Kilometern erlöste er die Silbernen. Der Rest war Jubel.

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