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Formel 1 in China : Mit unschlagbarer Hingabe

Fährt vorneweg: Fernando Alonso siegt in Shanghai Bild: dpa

Drittes Rennen, dritter Sieger: Fernando Alonso gewinnt das Festival der Führungswechsel in Schanghai und ist wieder mittendrin im Titelkampf. Der Plan von Sebastian Vettel geht derweil auf. Der Weltmeister wird am Ende Vierter.

          3 Min.

          Sie konnten gar nicht genug bekommen von den Komplimenten. Fernando Alonso (Ferrari) funkte voller Hingabe lobende Worte an seinen Kommandostand, und dort antwortete sein Renningenieur mit italienischer Leidenschaft. „Es war ein phantastisches Rennen für uns, wir hatten keine Probleme - alles fühlt sich großartig an“, sagte Alonso später. Die Botschaft war eindeutig: Alonso hat am Sonntag nicht nur den Großen Preis von China gewonnen, er ist auch wieder mittendrin im Titelkampf dieser Formel-1-Saison. Wie so viele andere.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In Schanghai gewann Alonso überlegen vor Kimi Räikkönen (Lotus) und Lewis Hamilton. Sebastian Vettel (Red Bull) wurde nach einer bravourösen Aufholjagd noch Vierter. In der Gesamtwertung aber führt der Deutsche (52 Punkte) weiterhin vor Räikkönen (49) und Alonso (43). Das nächste Rennen findet am kommenden Sonntag in Bahrain statt (14 Uhr MESZ (Live im Formel-1-Ticker bei  FAZ.NET) „Das Kräfteverhältnis ist momentan ein Scherz“, sagte Vettel. „Es hat momentan nicht sehr viel mit Rennfahren zu tun, wenn man das ganze Augenmerk auf die Reifen legen muss.“

          Von eins auf drei innerhalb von einhundert Metern

          Den Platz an der Spitze ist Vettel gewohnt, und so war seine Perspektive vor dem Rennen durchaus ungewöhnlich.  Reihe fünf, Startplatz neun - der Fünfundzwanzigjährige war mittendrin im Feld. Genau das war sein Plan. Im Qualifikationstraining hatte er auf die härtere Reifenmischung gesetzt, und sich davon einen Vorteil während des Grand Prix versprochen. Aber zunächst zogen andere davon: Hamilton bog vor Alonso und Felipe Massa in die erste Kurve ein, die beiden Ferrari setzten den Briten schnell unter Druck. Das hinterließ Spuren. Die weichen Reifen am Silberpfeil von Hamilton lösten sich allmählich auf, seine Rundenzeiten brachen ein und nach 25 Kilometern konnte er sich nicht mehr wehren. Von eins auf drei innerhalb von rund einhundert Metern - schon kreiste Alonso an der Spitze, und schnell deutete sich an, dass der Einunddreißigjährige an diesem Wochenende nicht zu schlagen sein würde.

          Freut sich: Alonso war in Schanghai nicht zu schlagen Bilderstrecke
          Freut sich: Alonso war in Schanghai nicht zu schlagen :

          Es ging also um die Plätze hinter dem Spanier, und dieser Kampf war von taktischen Spielchen geprägt. Der Plan von Vettel schien aufzugehen. Als die Gegner vor ihm reihenweise an die Box abbogen, zog er kampflos an ihnen vorbei. Nur einer störte seine Aussichten: Nico Hülkenberg (Sauber). Nach acht Runden kreiste der Fünfundzwanzigjährige zeitweise an der Spitze, im Rückspiegel sah er den Red Bull des Weltmeisters und konnte dessen Angriffen immer wieder Paroli bieten.

          Nach zwölf Runden meldete sich Vettel via Funk bei seinem Kommandostand: „Ich könnte eine halbe Sekunde schneller fahren.“ Aber er kam nicht an Hülkenberg vorbei. Zumindest nicht bei Tempo 300 und mehr. Also musste es seine Crew beim Reifenwechsel richten. Wieder einmal war Red Bull bei der Choreographie in der Box deutlich schneller als die Konkurrenz, dieses Mal musste dies Sauber einsehen. Platz sieben nach einem Drittel des Rennens, die Führung nach 24 Runden, weil alle anderen vor ihm schon zum zweiten Stopp abbogen - die Strategie von Red Bull erhielt langsam Konturen.

          Schluss nach achtzehn Runden

          Zumindest bei einem der beiden Fahrer. Mark Webber erlebte ein Wochenende, das er wohl schnell wieder vergessen möchte. Im Qualifikationstraining war ihm das Benzin ausgegangen, die Rennkommissare bestraften den Australier und versetzten ihn an das Ende des Feldes. Die Ingenieure von Red Bull änderten die Getriebeübersetzung und wählten eine andere Flügeleinstellung, der Topspeed sollte dadurch erhöht, das Überholen erleichtert werden. Webber musste deshalb zwar aus der Boxengasse starten, war in der Anfangsphase jedoch der schnellste Mann im Feld. Bis auf Platz acht kam er nach vorne, dann stieß er mit Jean-Eric Vergne (Toro Rosso) zusammen, musste den defekten Frontflügel wechseln lassen, ließ auch noch neue Pneus aufziehen - und verlor eine Runde später sein rechtes Hinterrad. Schluss nach achtzehn Runden. Nach dem Rennen folgte die nächste Strafe. In Bahrein am kommenden Wochenende wird Webber in der Startaufstellung um drei Plätze zurückversetzt, die Rennkommissare sahen ihn als Schuldigen der Kollision mit Vergne.

          Drei Wochen nach der Aufregung um die Stallorder von Malaysia verließ Webber die Strecke abermals voller Enttäuschung. Genau wie Nico Rosberg (Mercedes), der Sieger des Vorjahres in China. Er stellte seinen Silberpfeil nach 23 Runden in der Garage ab. „Ich hatte viel Untersteuern. In der Kurve ging das innere Vorderrad komplett in die Luft“, sagte der Siebenundzwanzigjährige. „Vielleicht war der Stabilisator hinten kaputt.“

          Was Rosberg danach an der Box sah, war ein kleiner Krimi. Vor seinem letzten Stopp kreiste Vettel als Zweiter hinter Alonso, musste aber noch die weichere Reifenmischung aufziehen lassen. Als er auf die Strecke zurückkehrte, hatte er rund zehn Sekunden Rückstand auf Hamilton. Vier Runde noch, rund zwanzig Kilometer - doch der Mercedes-Kommandostand warnte Hamilton schon: „Sebastian wird am Ende ganz nah bei dir sein.“ Und das war er. Drei Runden vor dem Ende tauchte der Red Bull im Rückspiegel auf, Vettel machte ordentlich Druck, doch Hamilton konnte sich behaupten. „Heute bin ich sehr glücklich“, sagte Hamilton. „Wir hatten nicht die Geschwindigkeit von Fernando und Kimi - deshalb ist es schön, dass ich hier auf dem Podium stehe.“ Vettel verpasste dies Platz nur knapp. Was passiert wäre, wenn er eine Runde eher auf die weichen Reifen gewechselt wäre? „Darüber können wir nun spekulieren“, sagte er. „Aber Fakt ist, dass wir die Zeit am Anfang des Rennens verloren haben.“

          Ergebnisse des Grand Prix von China in Schanghai

          1. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari 1:36:26,945 Std. (Schnitt: 189,778 km/h);
          2. Kimi Räikkönen (Finnland) Lotus + 0:10,168 Min.;
          3. Lewis Hamilton (England) Mercedes + 0:12,322;
          4. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull + 0:12,525;
          5. Jenson Button (England) McLaren Mercedes + 0:35,265;
          6. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari + 0:40,827;
          7. Daniel Ricciardo (Australien) Toro Rosso + 0:42,691;
          8. Paul di Resta (Schottland) Force India + 0:51,084;
          9. Romain Grosjean (Frankreich) Lotus + 0:53,423;
          10. Nico Hülkenberg (Emmerich) Sauber + 0:56,598;
          11. Sergio Perez (Mexiko) McLaren Mercedes + 1:03,861;
          12. Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro Rosso + 1:12,604;
          13. Valtteri Bottas (Finnland) Williams + 1:33,861;
          14. Pastor Maldonado (Venezuela) Williams + 1:35,453;
          15. Jules Bianchi (Frankreich) Marussia + 1 Runde;
          16. Charles Pic (Frankreich) Caterham + 1 Runde;
          17. Max Chilton (England) Marussia + 1 Runde;
          18. Giedo van der Garde (Niederlande) Caterham + 1 Runde

          Ausfälle: Esteban Gutiérrez (Mexiko) Sauber (6. Runde/Kollision); Adrian Sutil (Gräfelfing) Force India (6. Runde/Kollision); Mark Webber (Australien) Red Bull (16. Runde/Defekt); Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes (22. Runde/Defekt)

          Schnellste Rennrunde: Sebastian Vettel (Red Bull) 1:36,808 Min.
          Pole Position: Lewis Hamilton (Mercedes) 1:34,484 Min.

          Fahrer-Wertung nach 3 von 19 Rennen:
          1. Sebastian Vettel 52
          2. Kimi Räikkönen 49
          3. Fernando Alonso 43
          4. Lewis Hamilton 40
          5. Felipe Massa 30
          6. Mark Webber 26
          7. Nico Rosberg 12
          8. Jenson Button 12
          9. Romain Grosjean 11
          10. Paul di Resta 8
          11. Daniel Ricciardo 6
          12. Adrian Sutil 6
          13. Nico Hülkenberg 5
          14. Sergio Perez 2
          15. Jean-Eric Vergne 1

          Team-Wertung nach 3 von 19 Rennen:
          1. Red Bull 78
          2. Ferrari 73
          3. Lotus 60
          4. Mercedes 52
          5. McLaren Mercedes 14
          6. Force India 14
          7. Toro Rosso 7
          8. Sauber 5

          Nächstes Rennen: Großer Preis von Bahrain am 21. April in Manama

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