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Formel 1 in Brasilien : Vettel siegt - Alonso bleibt vorn

  • -Aktualisiert am

Im Fokus: In Interlagos ist Sebastian Vettel im Blickpunkt Bild: dpa

Keine Stallregie bei Red Bull: Sebastian Vettel darf den Großen Preis von Brasilien gewinnen - vor Teamkollege Webber. Alonso wird Dritter und führt die WM vor dem letzten Rennen an. Neben dem Spanier können Vettel, Webber und Hamilton noch Fahrer-Weltmeister werden.

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          Der Freifahrtschein macht es möglich: Sebastian Vettel hat am Sonntag den Großen Preis von Brasilien in São Paulo gewonnen und damit seine Chancen auf den Gewinn des WM-Titels wieder gesteigert. Der Heppenheimer siegte vor seinem Teamkollegen Mark Webber und dem Ferrari-Star Fernando Alonso. Da Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes Rang vier belegte, treffen sich vier WM-Kandidaten zum Finale am nächsten Sonntag in Abu Dhabi. In der Fahrerwertung führt Alonso mit 246 Punkten vor Webber (238), Vettel (231) und Hamilton (222). Weltmeister Jenson Button ist mit Rang fünf aus dem Rennen gefallen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Mit dem Doppelerfolg, Vettel gewann zum vierten Mal in dieser Saison, erreichte Red Bull die erste Etappe seines ehrgeizigen Projektes. Erstmals wurde der Rennstall Konstrukteurs-Weltmeister. „Ich konnte das Rennen gut kontrollieren. Unglaublich“, sagte Vettel: „Das war die richtige Antwort auf den Ausfall in Südkorea. Jetzt wollen wir Fernando noch los werden.“ Dank sei Nico Hülkenberg? Was, wenn der junge deutsche Williams-Pilot am Samstag nicht alle Stars der Branche vorgeführt hätte? Auf abtrocknender Strecke hatte der Rheinländer als einziger keinen Fehler gemacht, war auf den letzten drei Runden des Qualifikationstrainings immer wieder auf der Ideallinie geblieben und konnte so die Temperaturen seines Reifens halten. Das brachte ihm die erste Pole-Position seiner jungen Karriere (mit einer Sekunde Vorsprung) ein.

          Und vielleicht rettet ihn dieser Coup auch vor der Abschiebung bei Williams. Ganz sicher aber half diese Meisterleistung Vettel und Webber während der ersten Runden im Rennen. Die beiden zogen jeweils in der ersten und dritten Kurve an Hülkenberg vorbei. Ihre Rivalen im Kampf um den Titel, vor allem Alonso, aber blieben hinter dem Rheinländer hängen. Fast acht Runden wehrte sich der 23 Jahre alte Hülkenberg nach Kräften gegen den Spanier im wesentlich schnelleren Ferrari. Dann schob sich der zweimalige Weltmeister unspektakulär vorbei, bald darauf auch Hamilton. Der Überraschungsgast war von der Bühne verdrängt, letztlich auf Platz acht.

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          Rechenexempel bei der Hochgeschwindigkeits-Sause

          Die Jagd aber begann. Alonso im Anflug? Fast zehn Sekunden hatte er hinter Hülkenberg verloren. Auf freier Bahn drückte er seine Rundenzeit um eine Sekunde pro Umlauf. Aber das reichte nicht, sich der Red-Bull-Phalanx anzunähern. Bis zu seinem ersten Boxenstopp (25.) stieg der Rückstand auf 13,5 Sekunden hinter dem führenden Vettel an. Nach der Service-Arie im Akkord fiel Alonso sogar weiter zurück (18,5): Die Streckenführung des Autodromo José Carlos Pace liegt eben dem Red Bull. Der Vorteil aber änderte nichts an der dramatischen Situation. Von hinten drohte Alonso keine Gefahr. Nach vorne konnte er dem Treiben zuschauen und gespannt abwarten. Wie der Dritte, wenn zwei sich streiten: Würde Webber, nach der Hälfte des Rennen nicht mal 2,8 Sekunden langsamer, seinen vorwitzigen Deutschen Frontmann attackieren. Oder ließe sich Red Bull auf der vorletzten Etappe dieser Saison vielleicht doch noch zu einem Prinzipienwechsel hinreißen?

          Gerechnet haben sie alle während der Hochgeschwindigkeits-Sause in Brasilien. Und in Gedanken ihre Helden der Landstraße nach vorne und hinten verschoben. Webber hätte mit einem Sieg nur noch einen Punkt Rückstand hinter Alonso vor dem letzten Grand Prix gehabt. Vettels Rückstand wäre aber nicht auf 15, sondern nur auf 22 geschmolzen. Nach dem Einmaleins des Deutschen eine unmögliche Kalkulation. Bei Ferrari aber ein Alltagsgeschäft. Der Verstoß gegen die Teamorder beim Großen Preis von Deutschland in Hockenheim bescherte Alonso den Sieg, sieben Punkte, einen betroffenen Teamkollegen, Ferrari 100.000 Dollar Bußgeld, aber auch Volkes Zorn.

          Bei der Einnahme der Startaufstellung versuchten brasilianische Fans den Chefpiloten von Ferrari zu beschimpfen. Als Spanier dürfte er die portugiesischen Worte verstanden haben. Die Wut aber schien ihn nicht zu berühren. So wie die Fans Alonso nicht erreichten, so kam der 29 Jahre alte Rennfahrer aus Oviedo in Asturien aber nicht aus eigener Kraft an die Red-Bull-Fraktion heran. Druck machen, sie in einen Fehler hetzen, das wünschen sich Rennfahrer, wenn sie ihre Vordermänner nicht überholen können. Aber bei gleichen Rundenzeiten und gut 16 Sekunden Rückstand schien diese Variante zwanzig Runde vor dem Ende aus dem Spiel.

          Auch die Safety-Car-Phase bringt keine Änderung

          Wenn nicht Vitantonio Liuzzi mit seinem Force India in die Streckenbegrenzung geschossen wäre. Sofort schickte die Rennleitung das Streckenfahrzeug auf die Piste. Die ersten drei konnten die Gelegenheit nicht zu einem Abstecher an die Box nutzen. Hamilton und Button aber kehrten auf den Positionen vier und fünf mit neuen Gummis zurück, vor Schumacher (ohne Stopp) und dem ebenfalls zum Pneutausch abgebogenen Rosberg (7.).

          Alonso, der Glückliche: Jetzt kam er doch noch zu seiner Chance. 55. Runde: Das Sicherheitsfahrzeug verlässt die Piste. Mit Vollgas schießt das Feld den Berg hinauf auf die Zielgerade. In der Box von Red Bull kneten die Mechaniker ihre Hände. Sie wissen. Es ist ein kritischer Moment. Aber Vettel bleibt souverän vorne, Webber kann ihm nicht in Schlagdistanz folgen, auch Alonso verliert wieder den Anschluss, so wie Hamilton und Button. „Wie bei Hülkenberg war ich wieder in einer schlechten Position“, sagte Alonos: „Aber ich bin ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Rang zwei reicht mir in Abu Dhabi. Und falls Vettel gewinnt, auch Platz vier.“ Nur Schumacher ließ Rosberg (6.) wegen dessen besserer Reifen noch vorbei. Dabei blieb es. Kein Angriff, weder aus dem eigenen, noch aus dem feindlichen Lager. So friedlich wird der letzte Versuch wohl nicht verlaufen.

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