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Formel 1 in Barcelona : Sensation im Wunderland

  • -Aktualisiert am

Erst vor ihrer Nase, dann auf ihren Schultern: Pastor Maldonado mit Fernando Alonso (links) und Kimi Räikkönen Bild: dapd

Fünftes Rennen, fünfter Sieger - das gab es in der Formel 1 zuletzt 1983. In Barcelona gewinnt überraschend der Venezolaner Maldonado im Williams. Der Erfolg wird allerdings durch ein Feuer in der Box überschattet.

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          Wer hätte das gedacht? Vor ein paar Wochen schien Ferrari am Ende, abgehängt von der Spitze, in die Mittelklasse verdrängt, ein Gegner für Teams wie – zum Beispiel – Williams. So ist es dann nicht ganz gekommen. Am Sonntag, beim Großen Preis von Spanien, jagte Fernando Alonso, der Chefpilot der Scuderia, zwar einen Nobody namens Pastor Maldonado bis ins Ziel.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die beiden aber kämpften nicht unter ferner liefen. Es ging um alles. Dieses Duell war der entscheidende Kampf des Tages, mit wechselnden Führungen je nach Boxenstopp-Termin, mit Beschleunigung und Verzögerungen, die das Publikum und alle Experten erstaunten. Zumal der Mann aus Venezuela die Nase vorn behielt.

          Maldonado gewann mit einem Vorsprung von 3,195 Sekunden in seinem zweiten Formel-1-Jahr zum ersten Mal einen Grand-Prix. Hinter Alonso wurde Kimi Räikkönen (Lotus) Dritter. Damit bot die Formel 1 im fünften Rennen dieser Saison den fünften Sieger. So reich an Variationen zeigte sie sich zuletzt 1983. Und so sprudelten die Protagonisten der Show am Sonntag vor Freude über das neue Erscheinungsbild: Sie bieten eine Wunder-Formel.

          „Das ist unglaublich, ich kann das kaum fassen, ein wunderbarer Tag für mich, das Team, mein Land, ich bin so glücklich“, sagte der Überraschungsgast Maldonado ruhig, fast gelassen. Die Pole Position, von McLaren-Pilot Lewis Hamilton wegen dessen Disqualifikation am Samstag geerbt, hatte er nach dem Start noch an Alonso verloren.

          Aber dann zog er zur Freude seines Teamchefs Frank Williams das Rennprogramm wie ein alter Hase durch und via Boxenstopp an dem Spanier wieder vorbei. „Das ist eine erstaunliche Entwicklung“, erklärte der seit einem Unfall an den Rollstuhl gefesselte Sir Frank Wiliams, gerade 70 Jahre alt geworden.

          Schumacher nimmt Senna im Kies aufs Korn

          Die gesamte etablierte Szene, die Supertalente, die Grand-Prix-Sieger und Weltmeister nahmen an diesem Coup mehr oder weniger irritiert teil. Zum Beispiel die deutsche Fraktion. Etwa Michael Schumacher (Mercedes), der als Siebter in der dreizehnten Runde beim Überholen in den Williams von Bruno Senna krachte, bevor er im Kiesbett stehen blieb. „Idiot“, vernahm die Boxencrew am Funk.

          Richtete sich da einer, bevor die Weltkritik über ihn herzog? Nein. Schumacher nahm Senna im Kies aufs Korn: „Im Windschatten attackiere ich, und kurz vor dem Anbremsen zieht er links rüber, ich versuche nach rechts auszuweichen und fahre ihm direkt ins Heck. Er hat beim Anbremsen noch mal die Seite gewechselt. Das ist nicht akzeptabel.“ Die Stewards sahen es anders, Schumacher wird in Monaco nach dem Qualifikationstraining um fünf Plätze zurückversetzt.

          Der Vettel-Finger kam in Barcelona nicht zum Vorschein, dafür der von Pastor Maldonado Bilderstrecke

          Schumacher hatte in Barcelona viel Zeit, die Triumph-Tour von Maldonado zu studieren. Und sah dabei, wie die hochgeschätzten deutschen Kollegen, Sebastian Vettel (Red Bull) auch wegen einer Durchfahrtstrafe auf Rang sechs, Nico Rosberg im zweiten Mercedes als Siebter und Nico Hülkenberg (Force India/10.) keine Chance hatten, dem Führungsduo auch nur nahe zu kommen.

          Warum? Schulterzucken, wo man hinschaut. Das ist die Geste der Stunde in der Formel 1. „Es ist unglaublich. Vor ein paar Wochen hatten wir das absolut stärkste Auto, und nun sind wir wieder so weit hinten“, sagte Rosberg. Er kam 77,919 Sekunden nach Maldonado ins Ziel. Mit McLaren hatte man noch gerechnet.

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