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Formel 1 in Spanien : Hamilton nutzt die Gunst der ersten Kurve

Glücklicher Sieger: Lewis Hamilton gewinnt den Großen Preis von Spanien. Bild: Reuters

Für den Weltmeister und die Silberpfeile endet das Formel-1-Rennen von Barcelona maximal zufriedenstellend mit einem Doppelsieg. Vettel wird Vierter. Ferrari fällt weiter zurück – und der Frust wächst.

          Die wärmende Sonne Spaniens lockt Europas Rentner zu Tausenden, aber noch ist Daimlers Vorstandschef Dieter Zetsche dienstlich unterwegs. Der letzte Besuch als Konzernchef bei seinen rennfahrenden Angestellten endete maximal zufriedenstellend. Zetsche, bis Ende des Monats Vorstandsvorsitzender, durfte den Pokal für den siegreichen Konstrukteurs in Empfang nehmen. Lewis Hamilton gewann am Sonntag den Großen Preis von Spanien vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas und übernahm wieder die Führung in der Weltmeisterschaft.

          Dazu fuhr Hamilton die schnellste Rennrunde, am Samstag hatten beide ihre Autos auf die besten Startplätze gestellt. Fünf Rennenm, fünf Doppelsiege: Die Dominanz des Mercedes-Teams in der Formel-1-Saison 2019 bleibt erdrückend. Die Hoffnung der Scuderia Ferrari, in Katalonien mit stärkerem Motor und überarbeiteter Aerodynamik angetreten, hat sich in einen Schrecken gewandelt. Der Rückstand ist gewachsen. Max Verstappen im Red Bull wurde Dritter, Vettel im besten Ferrari nur Vierter. Vettel war frustriert: Ein „großer Schritt zurück“ sei das Wochenende gwesen. „Mercedes ist ganz weit weg.“

          Die Strecke in Montmeló hat einen gewissen Ruf unter den Formel-1-Piloten: Nutze die Chance, die sich in den ersten Kurven bietet, anschließend wird es kaum weitere geben. Entsprechend aggressiv gestalten die Piloten für gewöhnlich die ersten Kilometer. Vor drei Jahren waren Hamilton und sein damaliger Teamkollege Nico Rosberg an einander geraten in der ersten Runde, nachdem Hamilton am Start übertrumpft worden war. Unmittelbare Konsequenz: Totalausfall und Eiszeit bei Mercedes. Und in diesem Jahr eine Wiederholung in der Besetzung Hamilton/Bottas, angesichts der Pole Position des Finnen und dessen Führung in der Weltmeisterschaft? „50:50“, antwortete Hamilton vor dem Rennen auf die Frage, wie hoch die Wahrscheinlichkei sei, dass es in der ersten Kurve Action geben wurde. So zurückhaltend? Hamilton brauchte eine Kurve, um die Führung zu übernehmen.

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          Teamkollege Bottas, am Vortag in der Qualifikation mehr als 0,6 Sekunden schneller als Hamilton, reagierte am Start langsamer als der Brite, langsamer auch als Vettel. „Ich hatte Probleme mit der Kupplung, hatte ich noch nie. Da habe ich es verloren“, sagte Bottas. Alle drei fuhren nebeneinander auf die erste Kurve zu, Hamilton, innen, auf der besten Linie. Bottas in der Mitte. Vettel mit dem fundamentalen Nachteil der Außenbahn. Für einen Augenblick lag der Mann im roten Auto sogar in Front, dann stieg weißer Rauch auf, weil es höchste Zeit geworden war zu bremsen. Hamilton zog innen an die Spitze, auf und davon. Bottas und Vettel vermieden eine Kollision, aber Max Verstappen zog vorbei an Vettel.

          So führte dessen exzellenter Start zu einem mediokren Zwischenergebnis: Platz vier – und dem Signal an die Box, dass er befürchte, beim harten Bremsmanöver den vorderen rechten Reifen beschädigt zu haben. Den Bremsplatten kennt das Motorsportwörterbuch für diese Art Malaise. Ein sinniger Begriff in doppelter Hinsicht: durch den harten Einsatz der Bremse entstanden, bremst er den Piloten fortan Meter für Meter. Und so wurde Vettel den Teamkollegen nicht los. Leclerc deutete an, dass er schneller könnte, wenn im Vettel Vortritt lassen würde. Der Deutsche hatte im Prinzip nichts dagegen, drängte er doch an der Box bereits auf einen zügigen Termin zum Reifenwechsel: „Pit me when you can.“ In Runde zwölf durfte Leclerc passieren, Vettel musste mit wachsendem Rückstand kreisen, bis er an die Box geholt wurde. Als er Ende der 19. Runde abgefertigt wurde, dauerte der Service auf Grund von Abfertigungsverzögerungen am linken Hinterrad 4,4 Sekunden – ein schleppender Nachmittag.

          Angesichts Dominanz der Mercedes-Piloten – Verstappen sagte an diesem Wochenende, einzig Mercedes verstehe es, die Reifen vernünftig zu nutzen in dieser Saison – musste die Konkurrenz das Rennen zu diesem Zeitpunkt in ein Strategiespiel mit unterschiedlichen Reifenvariablen verwandeln. Vettel kam mit der Mischung mittlerer Härte aus der Box. Verstappen ließ eine Runde später noch einmal weich aufziehen. Leclerc kam nach 25 Runden zum Wechsel.

          Der dauerte ebenfalls 4,4 Sekunden, die Abfertigungsqualität hinten links hatte abermals Optimierungspotential, aber Leclerc wurde mit harten Reifen auf die Reise geschickt und der Hoffnung, ihn erst im Ziel wieder in Empfang nehmen zu müssen. Vettel würde wohl auf einen weiteren Wechsel angewiesen sein. Zehn Runden lang kreisten die Ferrari-Piloten im Abstand von einer guten halben Sekunde um den Kurs, ohne dass Leclerc Vettel ziehen ließ. Bemerkenswert spät kam das Kommando: in Runde 36 durfte der Deutsche vorbei. Fünf Runden später kam er zu Box und wurde mit schnellerem Service verabschiedet: 2,2 Sekunden. Würden die verbleibenden 25 Runden reichen, um Leclerc mit frischen Reifen wieder zu übertrumpfen?

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          Wieder wurden Vettels Pläne durchkreuzt. Lando Norris (McLaren) und Lance Stroll (Racing Point), die rennfahrenden Söhne begüterter Väter, sorgten in Runde 46 für den ersten Crash des Rennens. Das Safety Car rückte aus. Endlich wieder Action für die Zuschauer, deren Zahl die Veranstalter mit 87.511 angaben – mit dem Augenschein nach überaus wohlwollend vorgenommener Arithmetik angesichts der spärlich besetzten Ränge auf der Haupttribüne. Die Zukunft des Rennens in Katalonien ist offen, die Betreiber der Strecke machten in den zurückliegenden Jahren Millionenverluste.

          Hamilton und Leclerc, auf abgenutzten Reifen unterwegs, hatten Gelegenheit zum Wechsel auf frisches Material. Ein Vorteil, den nur Hamilton nutzte. Als das Rennen Ende der 51. Runde freigegeben wurde, war Leclerc nicht geistesgegenwärtig genug, Vettel unter Druck zu setzen. Und so endete die Ausfahrt ohne weitere bemerkenswerte Ereignisse. „Fünf Doppelsiege am Stück“, sagte Hamilton im Ziel. „Dieses Team schreibt Geschichte.“ Eine Geschichte, die die Konkurrenz erschauern lässt.

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