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Formel 1 in Barcelona : Leclercs Drama aus dem Nichts

  • -Aktualisiert am

Pole Position, Führung im Rennen, Fahrt in die Garage: Charles Leclerc erlebte in Barcelona ein Wechselbad der Gefühle. Bild: AP

Charles Leclerc rast in Katalonien auf den Sieg zu – bis der Ferrari streikt. Weltmeister Max Verstappen und Red Bull bedanken sich. Mercedes nimmt Fahrt auf.

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          Manchmal führt der Weg über Umwege ins Ziel. Selbst in der Formel 1. Als Max Verstappen am Sonntag auf Abwege geriet, schien das Rennen für den Weltmeister gelaufen. 57 Runden und ein paar Minuten später lachte der Niederländer herzhaft vom Podium: Sieg beim Großen Preis von Spanien vor dem etwas ernüchtert dreinblickenden Teamkollegen Sergio Pérez. Der Dritte aber strahlte. George Russell (Mercedes) deutete an einem schwarzen Tag für Ferrari, den von einem technischen Defekt aus dem Rennen geworfenen Charles Leclerc, an, wohin die Reise des Weltmeisterteams in dieser Saison noch führen könnte.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Formel 1 vor den Toren von Barcelona: Das mündet häufig in eine Prozession im Vollgasmodus, weil das Überholen so schwer ist, die Rennställe jeden Zen­timeter Asphalt kennen. Kein Spielraum für Überraschungen. Umso wichtiger ist es, auf den ersten Metern Boden gutzumachen. Von 31 Pole-Siegern seit 1991 fuhren 23 als Erste ins Ziel, 74 Prozent, weit mehr als in Monaco, wo doch der erste Startplatz Gold wert sein soll.

          49 Grad Celsius Asphalttemperatur

          Und so beeilte sich Verstappen als Zweiter des Qualifyings hinter Leclerc, den Nachteil bis zur ersten Kurve in einen Vorsprung zu verwandeln. Vergeblich. Also zurücklehnen und abwarten, was die Hitze, 49 Grad Celsius Asphalttemperatur, zum heißen Run um die besten Plätze beim sechsten Rennen der Saison beitragen würde?

          Nicht doch. Diesmal präsentierte die Formel 1 auf dem Circuit de Catalunya ein ganz anderes Gesicht. Wo nur hinschauen in den ersten Runden? Den nach Angaben des Veranstalters rund 100.000 Zuschauern verdrehte die große Sause den Kopf. Lewis Hamilton, von Rang sechs losgesprintet, rumpelte in der ersten Runde mit seinem Mercedes zur Box, weil ihn der Hass mit Kevin Magnussen am Steuer getroffen hatte. Felgen- und Reifenschaden vorne links. Auch das noch. Schon vom Teamkollegen Russell abgehängt im Startplatzrennen und nach ein paar Kurven erst mal Letzter.

          Formel 1

          Russell dagegen hatte sich auf Platz drei vorgeschoben, an Carlos Sainz vorbei im so schnellen Ferrari. Der arme Sainz. Ausgerechnet in der Heimat, vor fast vollen Rängen, lange nicht mehr gesehen in Katalonien, Staus, ein An­sturm. Nun noch mehr Druck. 51 Punkte lag er hinter Ferraris Chefpilot Leclerc vor dem Start. Dann wirbelt er Staub auf in Kurve vier. Als der sich legt, sieht man den F-75 durch ein Kiesbett holpern. Le­clerc hat er nicht mehr dienen können. Ist das die beste Fahrerpaarung der Formel 1, wie es Teamchef Mattia Binotto be­hauptet?

          Aber gegen Fehler sind nicht mal die Besten gefeit. Gleiche Stelle, ähnliche Welle: Verstappen schießt durch die Auslaufzone. Vom tückischen Rückenwind verweht oder glatt verfahren, der Weltmeister? Jedenfalls erst mal raus aus dem Rückspiegel von Leclerc. Der zieht einsam seine Runden, kommt als Letzter der Siegkandidaten zum Boxenstopp. Ein entspannter Giro am Sonntag.

          Bei Verstappen zickt die Technik

          So sah es aus. Alle Welt an der Rennstrecke schaute ein Stück weiter nach hinten, um den Kampf des Tages zu erleben: Russell gegen Verstappen, der Champion um einen Hauch hinter dem Mercedes-Debütanten. Volle Attacke. Aber was ist das? Der Heckflügel des Red Bull bockt. Das bewegliche Element klappt nicht he­runter in der Überholzone, wo die Reduzierung des Luftwiderstandes erlaubt ist. Mal gehorcht der Flügel dem Befehl, mal nicht. Verstappen flucht, so hört es sich im Funk an. „F. . . .“

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