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Formel 1 in Aserbaidschan : Mercedes fährt wieder allen davon

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Vom Start an Spitze: Die beiden Mercedes-Piloten Valtteri Bottas (unten) und Lewis Hamilton (darüber) landen auf Platz eins und zwei in Baku. Bild: EPA

Bottas vor Hamilton – noch ein Doppelsieg der Silberpfeile, die den Roten in der WM-Wertung davon fahren. Vettel und Leclerc im Ferrari schaffen es auch in der Altstadt von Baku nicht, Harmonie zwischen Auto und Reifen herzustellen.

          Leicht hat es Lewis Hamilton nicht in diesem Jahr. Aber der Druck kommt nicht von Ferrari. Valtteri Bottas, der Teamkollege, macht dem fünfmaligen Weltmeister zu schaffen. Beim Großen Preis von Aserbaidschan gewann der Finne am Sonntag knapp vor Hamilton. Damit erhöhte Mercedes die Zahl der Doppelerfolge in dieser Saison auf vier – in vier Rennen. In der Fahrerwertung führt Bottas mit einem Punkt (87) vor dem fünfmaligen Weltmeister, während Sebastian Vettel als Dritter nun 35 Punkte Rückstand hat. „Mehr war nicht drin heute“, sagte der Hesse, „wir tun uns schwerer als in den vergangenen Jahren, die Reifen in das richtige Fenster zu bekommen.“ Und wenn es dann mal passt für Spitzenzeiten, fehlt es an der Reife.

          Diese Enge in der Altstadt von Baku. Nichts für Rennwagen eigentlich. Kein großer Spaß für die Fahrer, die an diesen Stellen so langsam bleiben und doch immer um ihre fragilen Boliden bangen müssen. Ein kleiner Fehler und schon ist Form wie Fassung verloren. Das mag unterhaltsam sein, von außen betrachtet. Robert Kubica saß mittendrin, als sein Williams nach einem Fahrfehler im Rechtsknick geradeaus in die Streckenbegrenzung rauschte. Mensch unversehrt, Maschine arg demoliert, ein teures Spektakel.

          Diese Erfahrung führte bei einem jüngeren, hochgeschätzten Semester am Steuer zu einer seltenen, aber erfrischenden Selbstkritik. „Ich bin so dumm“, sagte Ferrari-Novize Leclerc nach seinem Crash an gleicher Stelle im Qualifikationstraining. Startplatz acht statt vielleicht in der ersten Reihe loszurasen; für die Zaungäste war das kein großes Malheur, eher Anlass, auf ein Spektakel zu hoffen. Hamilton aber erklärte nach dem Grand Prix, dass selbst kaum erkennbare Schwächen große Folgen haben können: „Ich habe das Rennen im Qualifying verloren.“ Als er nur um eine Nuance langsamer fuhr als Bottas.

          Feuchtfröhliche Siegesfeier: Valtteri Bottas gewinnt in Baku.

          Leclerc vorne? Fünfzehn Runden dauerte es, bis der Monegasse im Ferrari am Sonntag das Feld anführte. Leclerc durfte, Glück im Unglück, mit den mittelharten Reifen losfahren, während die Top-Piloten die weichste in Baku angebotene Mischung nutzen mussten. Die Mercedes-Crew war mit Bottas und Hamilton als rasende, silberne Wand vor Vettel zwar gut vom Start weggekommen und führte souverän. Aber von hinten kam der 21 Jahre alte Ferrari-Pilot angeschossen, nach ein paar „Aufwärmrunden“ bis zum optimalen Haftungspunkt der Reifen der weitaus Schnellste zu diesem Zeitpunkt. In dieser Saison scheint es den Teams noch schwerer zu fallen, das „richtige Fenster“ zu finden. „Mancher fragt sich vielleicht, ,da sind doch so viele Leute, warum kriegen die das nicht hin?‘“, sagte Vettel, „aber es ändert sich jede Runde. Ich war im ersten Abschnitt mal zwei Sekunden langsamer, das hat nichts mit dem Auto zu tun. Es hat so lange gedauert, bis die Reifen richtig funktioniert haben. Ich fand keinen Rhythmus und kein Vertrauen.“

          Selbst Mercedes hatte über das Reifen-Problem geklagt, sah sich schon als Zweiter hinter Ferrari im Startplatzrennen, ehe die Unfälle wegen der langen Reparaturarbeiten ein segensreiches Zeitspiel auslösten: Die Asphalttemperatur sank von 41 Grad Celsius auf 31. Endlich kam der Silberpfeil in die Gänge und Ferraris Vettel blieb nur der dritte Startplatz. „Wir haben das Kräfteverhältnis umgekehrt“, sagte Mercedes-Teamchef Wolff. Auch dank Leclerc: Er nahm sich nicht nur selbst die Chance auf einen Sieg, er beschleunigte indirekt auch die Konkurrenz.

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