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Formel 1 in Bahrein : Vorbei an der Wirklichkeit

  • -Aktualisiert am

Protest I: Ein Grafitti in Manama erinnert daran, dass die Formel 1 instrumentalisiert wird Bild: AFP

Die Formel 1 will nichts wissen von den Protesten rund um den Großen Preis von Bahrein. Dabei spielt sie eine zentrale Rolle - für die Regierung und die Demonstranten.

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          Die Polizei ist schon wieder weg. Sie hat einen beißenden Geruch hinterlassen. Tränengas. Eine Wolke liegt in den Gassen von Karanah. Die Augen tränen. Mohamed Hasan reicht etwas Parfüm. Unter die Nase gerieben, erleichtert es das Atmen. „Jetzt verstehen Sie vielleicht, dass man daran sterben kann, wenn so eine Granate in einen geschlossenen Raum geschossen wird“, sagt der Bahreini. Karanah gilt als armes Dorf im Königreich Bahrein. Eine mehrspurige Straße führt von der Hauptstadt Manama zu diesem Außenbezirk. Am Donnerstagabend geht es nur schleppend voran. Immer wieder muss der Geländewagen brennende Autoreifen umkurven, in Flammen stehenden Müllcontainern und Möbeln ausweichen.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Rechts und links der Straße stehen vergitterte Polizeifahrzeuge. Manche leuchten mit ihren Scheinwerfern dunkle Plätze aus. Vor den Kühlerhauben halten bewaffnete Polizisten Ausschau nach den jungen Randalierern. „Ja, sie zünden Reifen an“, sagt Abdulnabi Alekri von der Bahreinischen Menschenrechts-Gesellschaft (BHRS), „die Jugend ist ungeduldig: So viel ist versprochen worden, immer wieder. Aber es hat sich nichts geändert seit 2011.“ Am 14. Februar ließ das Regime auf friedliche Demonstranten schießen, die demokratische Verhältnisse forderten. 140 sollen inzwischen ums Leben gekommen sein.

          „Wir fühlen uns sicher“

          Menschenrechts-Verletzungen sind in der Formel 1 am Donnerstag kein Thema. Fahrer wie Teamchefs sprechen seit ihrer Ankunft über die Haltbarkeit der Reifen in der Hitze. Von den Protesten vor dem Großen Preis von Bahrein an diesem Sonntag (14 Uhr MESZ/ Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) wollen sie nichts mitbekommen haben. „Alles ist ruhig“, sagt selbst der eher kritische Pilot Mark Webber (Red Bull): „Wir fühlen uns sicher.“ Man kreist in der Wüste um die vierte Runde der Saison, etwa dreißig Kilometer entfernt von Manama. Die Regierung hat eine absolute Sicherheit versprochen. An Checkpoints in der Stadt und auf dem Weg zur Strecke werden schon mal Namen und Ausweisnummern notiert. Auf der einzigen Autobahn zur Piste in der Sakhir-Wüste sind Posten eingerichtet. Am Tor zum Streckengelände patroullieren bewaffnete Wächter. Zwei tragen Maschinenpistolen und einer eine Pumpgun im Anschlag. Vor jugendlichen Steinewerfern scheint die Formel-1-Gesellschaft geschützt. Zur Sicherheit aber hat die Ferrari-Führung ihrem Team zunächst eine Ausgangssperre verordnet. Tagsüber ist die Crew im Fahrerlager eingesperrt. Abends darf sie das Hotel nicht verlassen.

          Dennoch hat die Formel 1 Kontakt aufgenommen. Aus dem fernen Europa schickte Jean Todt, Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes, eine Botschaft: „Wir glauben fest daran“, schreibt der Franzose, „dass ein Formel-1-Grand-Prix positive und heilsame Wirkung haben kann, wo Konflikte, soziale Unruhen und Spannungen für Zwietracht sorgen.“ Jalila Al Salman schießt fast aus dem Sofa in einem Versammlungsraum der Bahreinischen Gesellschaft für Menschenrechte. Sie ist Vizepräsidentin der Lehrervereinigung. Ihre Augen blitzen: „Wer profitiert denn von dem Rennen. Der Kronprinz, seine Familie oder das Volk?“ Es ist eine rhetorische Frage. Ein ökonomischer Gewinn scheint ausgeschlossen.

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