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Formel 1 in Bahrein : Vettel einsam und cool in der Wüste

  • -Aktualisiert am

Der Vettel-Finger ist wieder da: Der Weltmeister gewinnt in Bahrein Bild: dpa

Sebastian Vettel gewinnt überlegen den Großen Preis von Bahrein und steigert seinen Vorsprung in der Fahrerwertung. Wie 2012 kommt er vor Räikkönen und Grosjean ins Ziel. Mercedes indes geht die Luft aus.

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          Das Bild gab es schon einmal: vor einem Jahr. Da standen dieselben Herren nach dem Großen Preis von Bahrein auf dem Podium. Mit Sebastian Vettel (Red Bull) in der Mitte als Sieger, Kimi Räikkönen als Zweitem vor dessen Teamkollegen bei Lotus, Romain Grosjean, spielte die Formel 1 am Sonntag ein Wiederholungsstück. Zumindest die Drei hatten ihre Freude daran.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Vettel steigerte seinen Vorsprung in der Fahrerwertung dank seines 28. Grand-Prix-Sieges auf nun zehn Punkte (77) vor Räikkönen (67) und dem letztlich zufriedenen Fünften des Tages, Lewis Hamilton (Mercedes/50). Ferrari haderte dagegen als ausgemachter Jäger des Weltmeister-Teams Red Bull mit dem Schicksal: „Das Glück“, teilten die Italiener nach drei technischen Defekten mit, „war nicht mit uns.“

          Es lag nicht an den Reifen, nicht am Auftrag für den Hersteller Pirelli, die Formel 1 mit einer schwer zu kalkulierenden Haltbarkeit der Pneus sonntags schön durcheinander zu wirbeln. Es lag an Ferrari, dass Vettel in der Hitze von Bahrein, auf dem 42 Grad Celsius heißen Asphalt, ein ziemlich cooles Rennen fahren konnte.

          Denn schon nach wenigen Runden klemmte es gewaltig im Heck von Fernando Alonsos Boliden. So stark, dass drei ausgewachsene Männer am Spoiler des Ferrari beim ersten Nothalt (7. Runde) zerrten. Das bewegliche Element des Heckflügels, es erleichtert bei Öffnung auf den Geraden das Überholen, ließ sich nicht mehr schließen. „Offen“ aber dürfen die Renn-Cabriolets nur an vorher bestimmten Stellen fahren.

          Einsam und alleine fährt Sebastian Vettel zum vollen Erfolg in Bahrein

          Und so mussten die Ferrari-Männer gleich zweimal Hand anlegen. Weil man vergaß, dem Chefpiloten den Betrieb nach dem ersten Versagen zu verbieten. Prompt blieb das gute Stück wieder geöffnet stehen. Einmal in Schwung, kamen die Mechaniker der Roten nicht mehr zur Ruhe. Zwei Reifenschäden bei Felipe Massa erweiterten die Sonntagsarbeit auf insgesamt acht Boxenstopps statt der sechs geplanten.

          „So kann man nicht gewinnen“, sagte Teamchef Stefano Domenicali. Und schon gar nicht Vettel jagen. Dabei hätten die Reifen ein Treiben vielleicht mitgemacht. Wenn Alonso mal unterwegs war, dann fuhr er exzellente Rundenzeiten, er wurde noch Achter. Auf Ersatzmänner wartete das spärliche Publikum der umstrittenen Veranstaltung in Bahrein vergeblich.

          Vettels Teamkollege Mark Webber hätte der erste sein sollen. Aber mit Startplatz sieben kam er dem auf Position zwei losgesausten Hessen nur im ersten Teil etwas näher. Auf die Distanz verlor der Australier den Weltmeister aus den Augen. Er kam als Siebter ins Ziel, 37 Sekunden hinter seinem ungeliebten Rivalen. Sie fuhren nicht auf gleicher Höhe.

          Blieb noch die Lotus-Fraktion mit dem Sieger von Melbourne, Räikkönen. Der Finne unterlag im Wettlauf um den Sieg schon am Samstag beim Sprint über eine Runde. Von Startplatz acht aus verliert selbst ein hervorragender Pilot in der ersten Runde jene zehn Sekunden, die schließlich fehlten, um den Champion herauszufordern.

          Los geht die wilde Fahrt: Am Start behauptet sich Nico Rosberg noch

          Ob das aber gereicht hätte? Vettel, das rieten ihm seine Berater an der Boxenmauer, fuhr am Sonntag nicht am Limit: „Das Auto war perfekt heute. Am Anfang war es wichtig, dass ich gleich Alonso wieder überholte und an Nico (Rosberg) vorbei kam“, sagte Vettel: „Am Ende war es dann entspannt.“ Nur einmal noch gab er Gas, für die schnellste Runde im Rennen.

          So spielten sich die kleineren und größeren Dramen des Sports hinter seinem Rücken ab. Der heftige, atemraubende Zweikampf der McLaren-Fahrer Jenson Button und Sergio Perez, der Rückfall von Adrian Sutil (13.) im Force India von Startplatz sechs noch hinter Nico Hülkenberg (Sauber/12.), die erfolgreiche Attacke von Hamilton trotz eines nicht ideal abgestimmten Mercedes auf Webber in der letzten Runde, die dem Briten Platz fünf bescherte.

          Oder die Renngeschichte von Nico Rosberg. Er war der schnellste Mann des Samstags und jener mit den wahrscheinlich meisten Überholmanövern am Sonntag. Nur leider gefiel ihm die Perspektive nicht. Rosberg, von der Pole Position losgerast, musste ständig in den Spiegel und dann nach vorne schauen. Weil die Hintermänner, einer nach dem anderen vorbei zogen. Erst Vettel, der Drängelnde, dann Alonso, schließlich Paul di Resta (Force India) und dann Felipe Massa im zweiten Ferrari: Fünfter vor dem ersten Boxenstopp.

          Dann erholte sich der Deutsche, tauchte wieder auf Rang drei auf und musste prompt das Prozedere zum zweiten Mal hinnehmen: Button ließ sich nicht aufhalten, Grosjean im Renault nicht abwehren: Nur schnell zur Box, die abgefahren Reifen wechseln. Was nicht viel half.

          Spitze in Bahrein: Weltmeister Sebastian Vettel sieht

          Denn kurz drauf schlüpfte ganz McLaren an dem Mercedes vorbei: Perez und - zum zweiten - Button, dann noch mal Gorsjean, Alonso wieder Massa, im Trubel vielleicht noch andere. Macht insgesamt Rang neun statt eines Plätzchen auf dem Podium: „Die Freude ist leider dahin. Am Morgen hab ich mich noch gefreut: Erster Platz, Pole, das wird was. Das ist so was von ernüchternd. Grausam. Ich bin nur rumgerutscht, von Runde eins ab. Dann waren natürlich die Hinterreifen komplett kaputt.“

          Irgendwie wirkte der Mercedes am Tag nach der zweiten Pole Position in dieser Saison überholungsbedürftig. „Ich weiß gar nicht, wie groß das Problem ist, dass wir haben“, sagte Hamilton: „Bei Nicos Auto war irgendwas falsch, ein komplettes Desaster. Ich dachte, wir hätten alle Probleme gelöst.“

          Ferrari nach dem Triumph vor gut einer Woche in China diesmal mächtig indisponiert, Mercedes geht im Dauerlauf die Luft aus, Lotus fehlt das Sprintvermögen. In diesem Umfeld hat Vettel am Sonntag einen kleinen Sprung gemacht.

          Im Vergleich zum Vorjahr ist der Weltmeister nach 4 von 19 Rennen um 24 Punkte reicher. In der ewigen Siegerliste hat er als Sechster Jackie Stewart hinter sich gelassen. Aber auf das Saisonziel, den Titel, schielte er nicht. Vettel erfreute sich kurz an dem, was er in der Hand hielt: „Hier gibt es die schönsten Trophäen.“

          Grand Prix von Bahrein in Manama (57 Runden à 5,412 km/308,238 km):

          1. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull 1:36:00,498 Std. (Schnitt: 192,632 km/h)
          2. Kimi Räikkönen (Finnland) Lotus + 9,111 Sek.
          3. Romain Grosjean (Frankreich) Lotus + 19,507
          4. Paul di Resta (Schottland) Force India + 21,727
          5. Lewis Hamilton (England) Mercedes + 35,230
          6. Sergio Perez (Mexiko) McLaren Mercedes + 35,998
          7. Mark Webber (Australien) Red Bull + 37,244
          8. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari + 37,574
          9. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes + 41,126
          10. Jenson Button (England) McLaren Mercedes + 46,631
          11. Pastor Maldonado (Venezuela) Williams + 1:06,450 Min.
          12. Nico Hülkenberg (Emmerich) Sauber + 1:12,933
          13. Adrian Sutil (Gräfelfing) Force India + 1:16,719

          14. Valtteri Bottas (Finnland) Williams + 1:21,511
          15. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari + 1:26,364
          16. Daniel Ricciardo (Australien) Toro Rosso + 1 Runde
          17. Charles Pic (Frankreich) Caterham + 1 Runde
          18. Esteban Gutiérrez (Mexiko) Sauber + 1 Runde
          19. Jules Bianchi (Frankreich) Marussia + 1 Runde
          20. Max Chilton (England) Marussia + 1 Runde
          21. Giedo van der Garde (Niederlande) Caterham + 2 Runden

          Ausfälle: Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro Rosso (17. Runde)
          Schnellste Rennrunde: Sebastian Vettel (Red Bull) 1:36,961 Min.
          Pole Position: Nico Rosberg (Mercedes) 1:32,330 Min.

          Fahrer-Wertung nach 4 von 19 Rennen:

          1. Sebastian Vettel 77
          2. Kimi Räikkönen 67
          3. Lewis Hamilton 50
          4. Fernando Alonso 47
          5. Mark Webber 32
          6. Felipe Massa 30
          7. Romain Grosjean 26
          8. Paul di Resta 20
          9. Nico Rosberg 14
          10. Jenson Button 13
          11. Sergio Perez 10
          12. Adrian Sutil 6
          13. Daniel Ricciardo 6
          14. Nico Hülkenberg 5
          15. Jean-Eric Vergne 1

          Team-Wertung nach 4 von 19 Rennen:

          1. Red Bull 109
          2. Lotus 93
          3. Ferrari 77
          4. Mercedes 64
          5. Force India 26
          6. McLaren Mercedes 23
          7. Toro Rosso 7
          8. Sauber 5

          Nächstes Rennen: Grand Prix von Spanien am 12. Mai in Barcelona

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