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Formel 1 in Bahrein : Weniger Pressefreiheit, mehr Hinrichtungen, mehr Vollgas

Im Fokus: Rennfahrer Lewis Hamilton in Bahrein Bild: Reuters

„Jetzt ist nicht die Zeit zu schweigen“: Unmittelbar vor dem Großen Preis von Bahrein bekommt Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton Briefe von Opfern des Regimes. Sie fordern ihn zum Handeln auf. Die Lage ist dramatisch.

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          Die Nachbarländer bekommen mehr Schlagzeilen. Qatar natürlich mit seinen zig Weltmeisterschaften. Saudi-Arabien auch. Zumal, seit das Königreich Jamal Khashoggi umbringen und Frauenrechtlerin Loujain Al Hathloul aus dem Ausland verschleppen ließ, um sie daheim einzukerkern, und zugleich in den Sport investiert, in den Motorsport zum Beispiel. Aber die kleine Insel Bahrein war schon immer ein Vorreiter des „Sportswashing“, wie Kritiker die sportliche Investition zur Imagepolitur nennen. Die Formel 1 dreht seit 2004 ihre Runden auf dem Wüsteneiland im Persischen Golf, 2011, während der „Arabellion“ fiel das Rennen aus. Das sunnitische Herrscherhaus war beschäftigt, den Aufstand der schiitischen Bevölkerung gewaltsam niederzuschlagen.

          Nun, in der Corona-Saison, zeigt sich an der Rennstrecke in Sakhir, welche Auswirkungen die Pandemie zeitigt mit Blick auf Sportveranstaltungen in Staaten, deren Umgang mit den Menschenrechten auf den bekannten Ranglisten ablesen lässt. Im Ranking der Pressefreiheit von „Reporter ohne Grenzen“ ist Bahrein gegenüber dem Vorjahr um zwei Plätze gefallen, auf Rang 169 von 180, auch hier in unmittelbarer Nachbarschaft von Saudi-Arabien (Platz 170), wo die Formel 1 dann vom kommenden Jahr an zu Gast sein wird. „Human Rights Watch“ berichtete erst im September von einer „dramatisch gestiegenen Zahl“ an Hinrichtungen in Bahrein seit 2017. Und die Formel 1? Fährt, um den Kalender zu füllen, den das Virus leergefegt hat, gleich zweimal in Sakhir: an diesem Wochenende (im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1) und am kommenden. Die bahreinische Bilanz im Coronajahr: Weniger Pressefreiheit, mehr Hinrichtungen, mehr Vollgas.

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