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Formel 1 in Bahrein : Lewis Hamilton und die Frage der Menschenrechte

  • -Aktualisiert am

Will weiter für seine Anliegen eintreten: Lewis Hamilton Bild: Reuters

„Das sollten wir nicht ignorieren“: Der Rennfahrer pocht in Bahrein auf die Beachtung der Menschenrechte, während das Formel-1-Management Forderungen von Aktivisten und Politikern zurückweist.

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          Lewis Hamilton hat die Formel 1 aufgefordert, auf die Einhaltung von Menschenrechten zu achten. „Wir sollten nicht ignorieren, was in den Ländern (in der die Formel 1 fährt, d. Red.) passiert und dort eine gute Zeit haben“, sagte der siebenmalige Weltmeister an diesem Donnerstagabend auf einer Presse-Konferenz in Bahrein. Er reagierte auf Vorwürfe von Menschenrechts-Aktivisten aus Bahrein und Großbritannien, die Rennserie lasse sich von der Regierung des Königskreis zum „Whitewashing“ benutzen und reagiere nicht auf die Hilferufe von Folter-Opfern.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Diesen Zusammenhang hatten unter anderem Sayed Ahmed Alwadaei, Direktor des Bahrain-Instituts für Recht und Demokratie (BIRD), und 61 britische Abgeordnete verschiedener Parteien in einem offenen Brief an den neuen Vorstandsvorsitzenden des Formel-1-Managements FOM, Stefano Domenicali, erläutert und eine Reaktion gefordert: Die Formel 1 müsse eine Untersuchung einleiten, weil es eine direkte Verbindung zwischen dem Protest von Regierungsgegnern gegen das Rennen als politisches Instrument und Menschenrechtsverstöße gebe. Demnach seien Oppositionelle wegen ihrer Kritik an der Formel 1 inhaftiert worden. Darunter auch ein elfjähriger Junge.

          Formel 1 weist Forderungen zurück

          Domenicali wies die Forderung in einer schriftlichen Antwort an Alwadaei am Donnerstag zurück. „Die Formel 1 ist keine grenzüberschreitende Ermittlungsorganisation. Wir sind ein Sportrechtsinhaber, der die wichtige Aufgabe hat, unseren Sport weltweit im Einklang zu fördern. Im Gegensatz zu Regierungen und anderen Stellen können wir die von Ihnen angeforderten Maßnahmen nicht ergreifen, und es wäre nicht angebracht, so zu tun, als könnten wir dies tun.“

          Domenicali erklärte, die Formel 1 nehme ihre Verantwortung in diesen Angelegenheiten sehr ernst. „Unsere Menschenrechtspolitik ist sehr klar. Die Formel-1-Teams verpflichten sich, bei ihrer Tätigkeit die international anerkannten Menschenrechte zu respektieren. Wir haben alle unseren Partnern und Gastländern unsere Position klar gemacht.“ Dazu gehöre die Achtung der Menschenrechte bei der Ausrichtung und Durchführung von Veranstaltungen.

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          Der BIRD-Direktor Sayed Ahmed Alwadaei empfahl Domenicali nach dessen Antwort, die Position der Formel 1 zu überprüfen. „Es ist enttäuschend, dass sich die F1 rundweg geweigert hat, den Antrag von 61 Abgeordneten und 24 führenden Rechtegruppen auf eine Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit dem Rennen in Bahrein zu prüfen“, antwortete Alwadaei schriftlich auf eine Anfrage der F.A.Z.: „Wir akzeptieren nicht, dass die Formel 1 nicht über die Ressourcen oder Kapazitäten verfügt, um eine solche Untersuchung durchzuführen.“

          Domenicali warf Alwadaei vor, die Regeln der Kommunikation nicht eingehalten zu haben: „Es ist enttäuschend, dass ein Brief an mich zu diesem Thema an die Medien gesandt wurde, bevor ich die Möglichkeit hatte zu antworten. Ich denke nicht, dass dies der richtige Weg ist, sich zu nähern in diesen wichtigen Fragen.“ Alwadei sowie andere andere Aktivisten und britische Politiker hatten am Donnerstagvormittag in einer Pressekonferenz berichtet, nach ersten konstruktiv erscheinenden Gesprächen trotz mehrerer Nachfragen monatelang keine Antwort von der Formel 1 erhalten zu haben. Briefe von 30 britischen Abgeordneten und 18 Nichtregierungsorganisationen seien unbeantwortet geblieben.

          Hamilton ist in diese Auseinandersetzung nicht involviert. Bei der Pressekonferenz erklärte er: „Im Moment sind die Schritte, die ich unternommen habe, privat und ich denke, das ist der richtige Weg. Ich möchte nicht zu viel sagen, um den Fortschritt nicht zu gefährden. Ich bin definitiv entschlossen, zu helfen, wo ich kann.“

          Er hatte im vergangenen Jahr die Formel 1 dazu bewegt, an der „Black-Lives-Matter“-Bewegung gegen Rassismus teilzunehmen. Viele Fahrer schlossen sich der symbolischen Geste als Zeichen des Protestes, während der Hymne vor einem Grand Prix zu knien, an. Hamilton will daran festhalten: „Es ist wichtig, dass Kinder das im Fernsehen sehen und fragen, warum wir das machen.“

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