https://www.faz.net/-gtl-9lfdb

Formel 1 in Bahrein : Ferrari und das ganz große Drama

Der kaputte Wagen von Vettel gibt ein Feuerwerk in der Nacht von Bahrein. Bild: Reuters

Die Mercedes profitieren beim Doppelsieg in Bahrein von den Pannen bei der Scuderia. Der junge Leclerc sieht wie der Sieger aus und hat großes Pech. Und Vettel demoliert seinen Wagen nach einem Fehler auf spektakuläre Art selbst.

          3 Min.

          Der Mensch und die Maschine, nirgends ist diese Geschichte so ambivalent wie bei der Scuderia Ferrari. Der Mensch und die Maschine, das sind Triumphe und Tränen, Siege und Sorgen. Am Sonntagabend waren es die Sorgen und das ganz große Drama. Als Charles Leclerc längst wie der sichere Sieger des Großen Preises von Bahrein aussah, ließ ihn die macchina, der Motor aus Maranello im Stich. Leistungsverlust, der Führende schlich um den Kurs.

          Der Sieg ging an den Weltmeister in Silber, der sich durchaus Sorgen gemacht hatte während dieses Rennens: Lewis Hamilton gewann zum 74. Mal ein Formel-1-Rennen vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas und Leclerc, der bis neun Runden vor Schluss geführt hatte und sein Pech kaum glauben konnte: „Was passiert hier?“, rief er in den Funk, als klar war, dass die Sache schief ging. Und doch noch gerettet wurde, ein kleines bisschen, weil das Rennen hinter dem Safety Car zu Ende ging – Max Verstappen im Red Bull kam nicht mehr vorbei am 20 Jahre alten Monegassen. „Charles hat extrem Pech gehabt“, funkte Hamilton nach seinem Sieg: „Er ist ein großartiges Rennen gefahren.“

          Dabei hatte es exzellent begonnen für den anderen Mann in einer roten Maschine. Abgehängt von Leclerc im Qualifying, reagierte Sebastian Vettel am Start schneller als sein Teamkollege. In der ersten Kurve führte der Deutsche das Rennen an, nicht Leclerc. Der Monegasse sah alsbald auch einen Mercedes vor sich, den des ersten Siegers eines Grand Prix in diesem Jahr: Valtteri Bottas hatte wie in Melbourne einen besseren Start als Weltmeister Hamilton und fuhr in der ersten Runde von Platz vier auf Platz zwei vor.

          Formel 1

          Leclerc verfiel nicht in länger währende Apathie. Schon in Runde zwei zog er wieder an Bottas vorbei und setzte nun dem einzigen Auto nach, dass noch vor ihm lag. 1,6 Sekunden Vorsprung hatte Vettel nach drei Runden, 1,3 nach vier, 0,8 und 0,5 nach der jeweils folgenden, und zu Beginn der siebten Runde schoss Leclercs Ferrari mit deutlichem Geschwindigkeitsüberschuss an Vettels Dienstwagen vorbei, auf der Außenbahn übernahm Charles Leclerc in seinem zweiten Rennen für die Scuderia die Führung und war auf und davon: Sein Vorsprung wuchs so eindeutig wie der Rückstand zuvor geschmolzen war.

          Vettel dagegen hatte eine neue Sorge: Lewis Hamilton. In Runde zwölf, als mit Max Verstappen der erste der Top-Piloten von Platz fünf aus die Boxengasse zum Reifenwechsel ansteuerte, war Hamilton in unmittelbarer Schlagdistanz. Der Engländer wählte die indirekte Variante. Er ließ weiche Reifen aufziehen, Vettel kam eine Runde später zum Service und wählte den mittleren Härtegrad. Damit war der Weltmeister vorbei. Besonders glücklich wurde Hamilton allerdings nicht. In Runde 20 nahm er sich ein paar Meter Arabiens abseits der Strecke in der Kurve vor Start und Ziel.

          Der aufgewirbelte Staub kündigte an, was das zu bedeuten hatte. „Ich bin in wirklich großen Problemen, meine Hinterreifen sind weg“, funkte er an die Box. Sie waren schon noch da, die Walzen an der Hinterachse, nur nicht mehr in bestmöglichem Wettbewerbszustand. Wie eine „sitting duck“, eine zum Abschuss freigegebene Ente fühle er sich, bekam die Crew alsbald zu hören. In Runde 23 krallte sich Vettel Hamilton wieder. Damit war, nach überaus ereignisreichem Beginn, alles, als sei nichts passiert nach dem Start: Leclerc, Vettel, Hamilton, Bottas, Verstappen.

          Nichts passiert also? Von wegen. Eher die Aufstellung für den zweiten Teil des Dramas, in den Hauptrollen zunächst Hamilton und Vettel. Nach den zweiten Stopps in Runde 35 (Hamilton) und 36 (Vettel) war Hamilton wieder im Angriff. Nach einer schnellsten Runde versuchte er es bei der 38. Durchfahrt von Kurve vier, just dort, wo ihn zuvor Vettel überholt hatte. Es klappte nicht – noch nicht, Vettel verteidigte exzellent. Eine Runde später war Hamilton vorbei – und Vettel drehte sich, ohne Berührung. Die Reifen ruiniert, löste sich auch noch der Frontflügel am SF90 auf dem Weg in Box, Vettel überfuhr ihn wie einen Bremsbuckel in der Spielstraße. Game over, jedenfalls was die Aussichten auf einen Podestplatz anging. Platz fünf für Vettel. „Der Dreher geht auf meine Kappe“, sagte Vettel.

          Formel 1

          Die schnellste Runde des Rennens holte sich Leclerc schnell zurück von Hamilton, doch dann schlug das Schicksal zu, mit großer Wucht. Jetzt war er die Ente, Hamilton der Jäger ohne Mühe. „Es stimmt etwas nicht mit dem Motor“, meldete der Monegasse, die Verzweiflung wuchs, Hamilton zog vorbei, dann Bottas. Doch ärger noch als Leclerc traf es die Renault-Piloten Hülkenberg und Ricciardo. Hülkenberg im Renault, am Samstag frustriert nach Platz 17 im Qualifying, fuhr ein exzellentes Rennen. Nach vier Runden Zehnter, nach acht Achter, Siebter nach zehn Runden – und zur Halbzeit schon Sechster, bester Mann hinter den großen Fünf. Beim französischen Werksteam, das unbedingt aufschließen will zu Mercedes, Ferrari und Red Bull, gibt der Deutsche den Ton an.

          Sein prominenter Teamkollege Daniel Ricciardo, von Red Bull gekommen, fremdelt noch. Unerheblich, denn drei Runden vor Rennende streikten die Motoren simultan. Beide parkten ungünstig, das Safety Car rückte aus und rettete Leclerc Platz drei. „Er wird noch viele Rennen gewinnen“, sagte Hamilton dem Monegassen im Ziel, der tapfer versuchte, die Miene im Griff zu behalten. „Das gehört zum Motorsport. Es war nicht unser Tag“, sagte er. Ansichtssache. Das Rennen hatte einen Sieger, aber das Drama lieferte Ferrari.

          Formel 1
          Liveticker

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Symbol der Türkei, weißer Halbmond und Stern auf rotem Untergrund.

          Syrien-Konflikt : Gut so, Wolfsburg!

          In der Türkei können VW und andere auch später noch Werke bauen – aber erst, wenn dort wieder Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Friedfertigkeit gelten.
          Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

          Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

          Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.