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Formel 1 in Bahrein : Jean Todt soll Gefangene treffen

Soll sich für Gefängnisinsassen einsetzen: Fia-Präsident Jean Todt Bild: AFP

Vor dem Großen Preis von Bahrein fordern Aktivisten Hilfe von der Formel 1 und der Fia. Deren Präsident solle sich für Inhaftierte einsetzen. Eine erste Reaktion gibt es bereits.

          15 Menschenrechtsorganisationen und Athletengewerkschaften haben vor dem Formel-1-Grand. Prix im Königreich Bahrein (Sonntag, 17.10 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 sowie bei RTL und Sky) den Internationalen Automobilverband Fia sowie dessen Präsidenten Jean Todt aufgefordert, die sofortige und bedingungslose Freilassung zweier politischer Gefangener in Bahrein zu fordern und diese während des Formel-1-Wochenendes in den bahreinischen Haftanstalten zu besuchen.

          Der Aufruf, unter anderen unterzeichnet von Human Rights Watch (HRW), Reporter ohne Grenzen, der Schriftstellervereinigung PEN International, dem Internationalen Gewerkschaftsverband Ituc, der Athletengewerkschaft World Players United und der Fan-Vereinigung Football Supporters Europe, fordert die Freilassung von Nadschah Yusuf und Ahmed Humaidan.

          Frau Yusuf hatte die Austragung des Rennens, das seit den Protesten gegen die Regierung und die Herrscherfamilie im Jahr 2011 immer wieder im Fokus von Protesten steht, 2017 auf Facebook kritisiert und unter anderem „Freiheit für die Gefangenen der Formel 1“ verlangt. Sie wurde anschließend verhaftet und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Das Management der Formel 1 hatte im Herbst vergangenen Jahres Sorge über ihre Verurteilung geäußert, dann aber auf die Erklärung der bahreinischen Regierung verwiesen, nach der die Haft nicht im Zusammenhang mit dem Protest gegen das Rennen stehe.

          Auszugsweise Kopien der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft, die der F.A.Z. vorliegen, nehmen in zahlreichen Punkten und über mehrere Seiten Bezug auf den Protest gegen das Rennen. Auch der Richter erwähnte in seinem Urteil den Facebook-Post. Frau Yusuf, Mutter von vier Kindern, sagt, sie sei nach der Festnahme Opfer sexueller Übergriffe geworden, ihr Geständnis sei dadurch und durch Todesdrohungen erzwungen worden. Ahmed Humaidan hatte 2014 vor dem Rennen protestiert und sitzt seither in Haft.

          Der Aufruf der Menschenrechtsorganisationen nimmt auch Bezug auf den Umgang des Internationalen Fußballverbandes und des Internationalen Olympischen Komitees mit dem Fall des kürzlich monatelang in Thailand festgehaltenen früheren bahreinischen Nationalspielers Hakeem al-Oraibi. Bahrein hatte von Thailand al-Oraibis Auslieferung verlangt, letztlich durfte er nach Australien zurückkehren, wo er Asyl genießt. Minky Worden, HRW-Direktorin für Globale Initiativen, sagte der F.A.Z., angesichts der Tatsache, dass die Fifa zu al-Oraibis Gerichtstermin einen Vertreter aus Zürich nach Bangkok entsandt habe, zeige „der Fia und Herrn Todt, dass sie nun nicht behaupten können, es gebe keine Gelegenheit, zwei Gefängnisse in Bahrein zu besuchen, die zwanzig und vierundzwanzig Kilometer von der Strecke entfernt sind“.

          Die Verantwortlichen der Formel 1 lehnten es am Donnerstag ab, Nadschah Yusuf und Ahmed Humaidan im Gefängnis zu besuchen und haben auch darauf verzichtet, öffentlich deren Freilassung zu fordern. Ein Sprecher teilte auf F.A.Z.-Anfrage mit, man sei „etwas überrascht“ von den Forderungen. „In Gesprächen in jüngerer Zeit sind diese nie erhoben worden“, heißt es in der Stellungnahme. Im Gegenteil seien Zustimmung geäußert worden hinsichtlich der „privaten Maßnahmen und nächste Schritte, die wir unternehmen und die wir Ihnen dargelegt haben. Wir waren uns einig, dass öffentliche Kommentare im Moment nicht weiterhelfen.“ 2011 war das Rennen in Bahrein abgesagt worden, bei Protesten anlässlich des Grand Prix 2012 kam ein Mann ums Leben.

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