https://www.faz.net/-gtl-82d82

Formel 1 in Bahrein : Hamilton auf der eigenen Umlaufbahn

  • -Aktualisiert am

Als ginge ihn der heftige Kampf der Verfolger nichts an: Hamilton ist zum zweiten Mal binnen einer Woche unangreifbar Bild: dpa

Lewis Hamilton siegt auch beim Nachtrennen in Bahrein, Mercedes-Kollege Nico Rosberg wird nach spannendem Kampf Dritter – besiegt von einem Mann im Ferrari: Kimi Räikkönen.

          3 Min.

          Spannung bis zum letzten Moment, Überholmanöver in der vorletzten Runde beim Kampf um Platz zwei. Nur einer spielte beim Spektakel des Großen Preises von Bahrein keine aufregende Rolle: der Sieger. Lewis Hamilton gewann am Sonntag auf Mercedes beim vierten Rennen der Formel 1 in diesem Jahr zum dritten Mal und blieb dabei mit Ausnahme von einer Szene unberührt. Hinter ihm kam Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen im letzten Moment an dem unglücklichen Nico Rosberg (Mercedes) vorbei auf Rang zwei. Ferrari-Pilot Sebastian Vettel wurde wegen eines Missgeschicks Fünfter hinter dem Williams-Piloten Valtteri Bottas.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Action auf der Piste. Selten haben sich Siegkandidaten in den ersten Runden so oft überholt. Vettel zog blieb beim Start hinter Hamilton auf Rang zwei, aber Kimi Räikkönen drückte sich an Rosberg vorbei. Da jubelte die Ferrari-Fraktion – zu früh. Denn der Deutsche im Silberpfeil drehte den Spieß um, bremste erst den Finnen vor der ersten Kurve nach der langen Zielgeraden aus und schnappte sich dann auch den Landsmann Vettel. Nach neun Runden frohlockte das Mercedes-Team über die neue, alte Hackordnung. Zweimal Silber vorne, doch ein Doppelerfolg im Königreich?

          Unbedrängt: Lewis Hamilton dominiert auch in Bahrein

          Aber Ferrari griff zum nächste Mittel: „Undercut“, sagen die Experten dazu. Eine Runde früher die Reifen wechseln als der Konkurrent und dann mit dem weichen Gummis, frische sind anfangs bis zu vier Sekunden pro Runde schneller als die gebrauchten, wieder die Silberreihe sprengen. Vettel reagierte wie auf Bestellung und schob sich mit dem taktischen Trick wieder auf Rang zwei vor. Doch Rosberg ließ sich nach seinem Service-Aufenthalt nicht lange bitten. Er nutzte das signifikant höhere Tempo auf der Geraden zu einem erfolgreichen Konter und hätte um ein Haar sogar seinen Teamkollegen noch überholt. Denn Hamilton war bei seinem Boxenstopp eine gute Sekunde länger aufgehalten worden (3,7) als die Rivalen: Nach knapp zwanzig von 56 Runden lagen die ersten drei nur vier Sekunden auseinander.

          Und Räikkönen? Dessen Crew hatte sich für eine andere Strategie entschieden. Statt wieder auf weiche Reifen wechseln zu lassen, nahm er die harten, überraschend nicht langsameren Pneus und spekulierte auf ein grandioses Finale: Wenn die Vorderleute zum Schluss, so will es das Reglement, die eher ungeliebten Walzen aufziehen müssten, dann sah er sich schon auf den soften Gummis heranfliegen – und überfliegen?

          Allein auf weiter Flur: Lewis Hamilton dreht in Bahrein seine Runden an der Spitze

          Das war die Prognose gewesen. Die Trainingsauswertung vom Freitag, als die Teams das Rennen simulierten, sprach für Ferrari, deutlich. Prompt lobte Mercedes-Teamchef Toto Wolff die Entwicklungsarbeit der Roten über den grünen Klee. Rosberg machte sich Sorgen: „O Mannomann, die sind sehr schnell.“ Aber die Mercedes-Ingenieure fanden, aufgeschreckt nicht erst seit dem Sieg von Vettel in Malaysia, über Nacht einen Abstimmungsmodus, der das Potential der Hinterreifen im Nachtrennen besser ausnutzte als noch am Freitag. Sonst wäre es Hamilton kaum gelungen, seinen Vorsprung wieder auszubauen und alle Ferrari-Versuche ins Leere laufen zu lassen. Wo aber blieb der gebeutelte Rosberg?

          Dreimal schon geschlagen von Hamilton in den ersten drei Rennen. Dann im Qualifying vom Briten um fast 0,6 Sekunden distanziert, weil er sich mit strategischen Reifenspielchen verzettelte. Da blieb nur noch eine erfolgreiche Attacke als versöhnlicher Ausgleich für die Niederschläge der vergangenen Wochen, eine Antwort auf der Strecke. Sie blieb aus. Schlimmer noch. Ferrari gelang ein zweiter „Undercut“ mit Vettel. Nach dem zweiten Boxenstopp tauchte der Heppenheimer wieder vor dem Mercedes-Mann auf. Doch ehe sich die deutsche Fan-Gemeinde auf das dritte Duell der beiden einstellen konnte, war es vorbei. Vettel schoss beim Kurveneingang zur Zielgeraden mit leichtem Übersteuern, dabei schiebt das Auto über die Vorderachse zum Kurvenäußeren, über die Ideallinie hinaus. Staub wirbelte auf, die Haftung ließ nach, das Tempo fiel, und Rosberg sauste leicht und locker vorbei.

          Packendes Duell: Bis zu Vettels Ausritt kämpfte er gegen Nico Rosberg um den zweiten Platz

          Vettel hat in Bahrein schon bessere Rennen erlebt. Zwei Siege versüßtem ihm die Erinnerung, als er am Donnerstag ins Fahrerlager kam, am Freitag guten Mutes den Speed seines Autos würdigte und am Samstag die Mercedes-Phalanx im Qualifikationstraining sprengte. Doch im Grand Prix verlor er nicht nur den Kampf mit Rosberg, sondern auch einen Podiumsplatz. Der Ausflug in den Randbezirk der Piste beschädigte offenbar den Frontflügel. Der notgedrungene Wechsel warf ihn auf Platz fünf zurück.

          Und weil Räikkönens Versuch einer Taktik nicht aufging, setzte die Scuderia ihre vielversprechende Aussicht auf einen Sieg in der Sachir-Wüste in den Sand. Mehr als Platz zwei war in Bahrein dann doch nicht drin. Mehr als ein Kampf mit Rosberg, der seine Fehler im Qualifying und beim Start mit einer forschen, fehlerfreien Tour zunächst ausgeglichen zu haben schien. Bis ihm Räikkönen zusetzte, ihm im Nacken saß und in der vorletzten Runde in einen (unverschuldeten) Fehler trieb. Rosberg musste in der ersten Kurve wegen eines Bremsproblems einen zu großen Bogen machen, prompt schlüpfte der Finne durch die Lücke: Zweiter, quasi auf den letzten Drücker.

          Beim Start behauptet sich Vettel noch gegen Rosberg

          Die gesamte Dramatik, das Auf und Ab des Teamkollegen, die Fehler, die rasanten Manöver, der technischen Probleme, all das spielte sich im Rücken Hamiltons ab, der mit gut drei Sekunden Vorsprung gewann. Als ginge ihn der heftige Kampf der Verfolger nichts an, als führe er auf der Umlaufbahn, zum zweiten Mal binnen einer Woche unangreifbar.

          Weitere Themen

          Ferrari flucht

          Formel 1 in Brasilien : Ferrari flucht

          Verrücktes Finale beim Formel-1-Rennen in São Paulo: Die beiden Ferrari-Piloten schießen sich gegenseitig ab und scheiden nach der Kollision aus. Der Zoff der Stallrivalen bei der Scuderia eskaliert endgültig.

          Emotionaler Abschied von Uli Hoeneß Video-Seite öffnen

          „Ich habe fertig“ : Emotionaler Abschied von Uli Hoeneß

          Seit 1970 war Hoeneß als Spieler, Manager oder Präsident beim FC Bayern tätig und wurde in dieser Zeit zu einer polarisierenden Persönlichkeit des deutschen und internationalen Fußballs. Am Freitag war es für den Weltmeister von 1974 an der Zeit, zu gehen.

          Topmeldungen

          Formel 1 in Brasilien : Ferrari flucht

          Verrücktes Finale beim Formel-1-Rennen in São Paulo: Die beiden Ferrari-Piloten schießen sich gegenseitig ab und scheiden nach der Kollision aus. Der Zoff der Stallrivalen bei der Scuderia eskaliert endgültig.
          Bleibt mehr Geld von der Betriebsrente?

          Betriebsrenten : Zusatzrente vom Chef

          Die Regierung macht Betriebsrenten attraktiver: Künftig werden weniger Krankenkassenbeiträge fällig. Vier Millionen Rentner dürfen sich freuen. Und was ist mit dem Rest?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.