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Formel 1 in Bahrein : Eine Sekunde nach 308 Kilometern

Vom Scheich abgewunken: der Sieger von Bahrein Bild: AFP

Die Formel 1 widerlegt ihre Kritiker. Beim Sieg von Hamilton in Bahrein knapp vor Rosberg bietet der Zirkus ein spannendes Rennen, in dem Weltmeister Vettel wieder Motorkraft fehlt.

          3 Min.

          Eine Sekunde, nicht mehr und auch nicht weniger, trennten Lewis Hamilton und Nico Rosberg (beide Mercedes) im Ziel voneinander. 57 Runden, etwas mehr als 308 Kilometer und beinahe ein Dutzend Attacken lagen hinter ihnen. Zum zweiten Mal in Serie gelang den Silberpfeilen ein Doppelerfolg in der Formel 1, aber selten war ein Sieg in der Königsklasse des Motorsports so hart umkämpft wie jener von Hamilton am Sonntag beim Großen Preis von Bahrein.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Es war hart, Nico hinter mir zu halten. Er war sehr, sehr schnell“, sagte Hamilton. Der Deutsche stand neben ihm bei der Siegerehrung und sagte mit Blick auf die Diskussion über die Folgen der Regeländerung auf die Spannung im Grand-Prix-Zirkus: „Wir haben den Leuten eine Riesenshow geboten. Aber beim nächsten Rennen möchte ich wieder gewinnen.“

          Rosberg (61 Punkte) führt weiter die WM-Gesamtwertung an, aber Hamilton (50) ist ihm auf den Fersen. Dritter wurde in Bahrein Sergio Perez im Force India. Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull) belegte Rang sechs hinter seinem Landsmann Nico Hülkenberg im zweiten Force India.

          Volle Attacke: Lewis Hamilton (links) muss sich vom Start an immer wieder gegen seinen Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg (rechts) wehren. Bilderstrecke

          Rosberg gegen Hamilton – schon die Trainingssitzungen und das Qualifying hatten gezeigt, dass es auf dieses Duell hinauslaufen würde. Der Deutsche sicherte sich die Pole Position, der Brite aber gewann den Sprint zur ersten Kurve und ging in Führung. In der dritten Kurve probte Rosberg den Gegenangriff, wollte außen vorbei ziehen, doch Hamilton blieb auf dem Gas und der Ideallinie. In ihren Rückspiegeln aber konnten sie sehen, wie Massa nach vorne geprescht war – von sieben auf drei innerhalb von nicht einmal dreihundert Metern. Und Vettel? Der Weltmeister ging nur als Zehnter ins Rennen, und er hatte zunächst genug damit zu tun, diesen Platz zu verteidigen.

          Mercedes war klar schneller als der Rest

          Schon nach zehn Runden war das Feld eine Art Zweiklassen-Gesellschaft: vorne die beiden Silberpfeile, zehn Sekunden und mehr dahinter der Rest. In diesem Takt ging es weiter. Nach fünfzehn Runden lag der Dritte schon zwanzig Sekunden zurück. Mercedes war zeitweise rund zwei Sekunden pro Runde schneller als der Rest der Welt. Der Champion war sogar noch langsamer. Erst klagte Vettel über Probleme mit dem verstellbaren Heckflügel, dann meldete sich auch noch sein neuer Teamkollege Daniel Ricciardo zu Wort, der genau in seinem Windschatten fuhr. „Wir verlieren Zeit. Was sollen wir machen?“, fragte der Australier. Die Antwort ging direkt an Vettel: „Lass ihn bitte vorbei.“

          Ganz vorne herrschte hingegen ein Kampf mit offenen Visieren. In der achtzehnten Runde griff Rosberg seinen Teamkollegen am Ende der Start- und Zielgeraden an, doch der konterte sofort – und drängte Rosberg zur Seite. Der wollte sich das nicht einfach so gefallen lassen und beschwerte sich lautstark am Kommandostand: „Sagt ihm, dass das so nicht okay ist!“ Eine Runde später, die gleiche Stelle, die gleichen Protagonisten. Wieder zog Rosberg erst vorbei, wieder konterte Hamilton und wieder qualmten die Reifen. Der Dampf aus der Nummer war erst raus, als Hamilton zum ersten Boxenstopp (20. Runde) abbog, Rosberg folgte zwei Runden später. Nun trennten sie rund fünf Sekunden voneinander.

          Beide wollten den Sieg, und jeder wählte dafür eine eigene Strategie. Hamilton ließ noch einmal die weiche Reifenmischung aufziehen, die mehr Grip bietet und damit ein höheres Tempo ermöglicht, aber auch schneller abbaut. Rosberg entschied sich gemeinsam mit seinem Renningenieur für die härtere Mischung. Hamilton vergrößerte den Abstand, nach dreißig Runden war er knapp acht Sekunden voraus. Aber was würde passieren, wenn er auf die härteren und Rosberg auf die weicheren Reifen wechseln würde? Am Kommandostand liefen die Hochrechnungen in Echtzeit. Es war noch immer ein Duell, auch wenn zehn Sekunden zwischen den beiden lagen.

          Der Safety-Car musste kommen, nachdem sich Gutierrez überschlug

          Hinter ihnen war es eng: Bottas, Massa, Perez, Hülkenberg, Button – immer wieder wechselte der Name des Drittplatzierten. Und es wurde noch turbulenter. In der 42. Runde fuhr Esteban Gutierrez von seinem Reifenwechsel zurück auf die Strecke, Pastor Maldonado (Lotus) fuhr ins Heck des Sauber, der sich daraufhin überschlug. Der Mexikaner blieb unverletzt, trotzdem ging das Safety-Car auf die Strecke und führte das Feld wieder zusammen. Sowohl Hamilton als auch Rosberg bogen vorher noch einmal zum Boxenstopp. Hamilton musste die härtere Mischung aufziehen lassen, um dem Reglement zu entsprechen, Rosberg bekam die weichere an seinen Silberpfeil – und hatte damit den großen Vorteil im Schlussspurt.

          Bevor es ernst wurde, aber meldete sich Paddy Lowe, der Mercedes-Chefingenieur, via Funk bei beiden Fahren: „Okay“, sagte der Brite. „Zehn Runden bis ins Ziel – können wir bitte sicher stellen, dass wir mit beiden Autos ins Ziel kommen.“ Es war eine deutliche Ansage. Rosberg attackierte sofort, Hamilton konnte sich erfolgreich wehren. Doch der Deutsche gab nicht auf. Fünf Runden vor dem Ende: die nächste Attacke – wieder ohne Erfolg. Jeden Angriff konterte Hamilton. Erst danach beruhigten sich die Gemüter wieder. Als sie sich aus ihren Cockpits gewuchtet hatten, klopften sie einander auf die Schulter. Als sie Helme abgenommen hatten, lächelten sie zusammen. Fortsetzung folgt. In zwei Wochen fährt die Formel 1 in China.

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