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Formel 1 in Bahrein : Ein Toter in Manama

  • Aktualisiert am

Tage des Zorns: Waffen und Parolen gegen das Königshaus Bild: AFP

Nach nächtlichen Ausschreitungen ist in Bahrein ein Demonstrant tot aufgefunden worden. Die Polizei geht massiv gegen die Opposition vor. Weltmeister Vettel bezeichnete Berichte über die Lage zuvor noch als „großen Hype“.

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          In Bahrein ist nach schweren Ausschreitungen zwischen Polizisten und Gegnern der Herrscherfamilie ein Aktivist tot aufgefunden worden. Bei dem Toten handelt es sich nach Angaben der Oppositionspartei Wefaq um Salah Abbas Habib, der zu einer Gruppe von Demonstranten gehörte, die sich am späten Freitagabend in einem Dorf nahe der Hauptstadt eine Auseinandersetzung mit Polizisten geliefert hatte. Angehörige des Opfers erklärten, er sei erschossen worden. Seine Leiche war auf einem Hausdach gefunden worden. Ein Vertreter der Regierung lehnte eine Stellungnahme zu dem Vorfall ab.

          Die Polizei war in der Nacht zum Samstag mit Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen. Maskierte Jugendliche hatten Brandbomben auf die Sicherheitskräfte geworfen und versuchten, auf den Platz in der Hauptstadt Manama vorzudringen, der im vergangenen Jahr das Zentrum der Proteste war.

          Ungeachtet der Proteste fand in Bahrein wie geplant das Training und die Qualifikation für das Formel-1-Rennen am Sonntag statt. Sicherheitskräfte postierten entlang der Zufahrtsstraße zur Rennstrecke. An der Straße sei auch Stacheldraht installiert worden, sagten Aktivisten der Opposition. Die Veranstalter hatten die Forderungen von Menschenrechtsaktivisten nach einer Absage des Rennens abgelehnt. Im Vorjahr war das Rennen wegen der Unruhen gestrichen worden.

          Aufgeheizt: Die Stimmung in Manama

          Die schiitische Opposition, die sich vom sunnitischen Königshaus unterdrückt fühlt, hatte „Tage des Zorns“ rund um das Rennen angekündigt, um ihrer Forderung nach demokratischen Reformen vor internationaler Kulisse Nachdruck zu verleihen.

          Die Kritik am Schweigen der Formel 1 wird unterdessen immer lauter. „Ich hoffe, dass diese Fahrer, die nicht über die Geschehnisse sprechen wollen, eines Tages ihre Meinung ändern. Wenn nicht, werden sie ihre Kinder vielleicht fragen, warum sie in einem Land ein Rennen gefahren sind, in dem die Herrschenden so viele Leute verhaften und foltern“, sagte Zainab Al-Khawaja, die Tochter eines inhaftierten Oppositionsführers, der britischen Zeitung „The Independent“.

          Klares Signal der Straße: Keine Formel 1

          Ihr Vater, der dänisch-bahreinische Menschenrechtsaktivist Abdulhadi Al-Khawaja, ist seit dem 8. Februar im Hungerstreik. Er war nach den blutigen Unruhen in Bahrein im Vorjahr verhaftet und von einem Sondergericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

          Die Formel-1-Verantwortlichen und die Fahrer lehnten auf dem Bahrein International Circuit in Sakhir bislang klare Worte zu dem Konflikt ab. Chefvermarkter Bernie Ecclestone erklärte: „Wir sind nicht hier, um uns in die Politik einzumischen.“ Weltmeister Sebastian Vettel hatte gesagt: „Unser Job ist der Sport, sonst nichts.“ Zudem bezeichnete der 24-Jährige die Berichte über die Lage in Bahrein als „großen Hype“.

          „Alles nur ein Hype“: Sebastian Vettel zeigt sich der politischen Diskussion nicht gewachsen

          Automobil-Weltverbandschef Jean Todt verteidigte das Festhalten an dem für Sonntag geplanten Rennen. „Ja, das ist gut für den Sport“, sagte der Franzose dem britischen Sender BBC. „Wir sind kein politisches Organ, sondern ein sportliches“, fügte Todt hinzu.

          Die Führungskräfte der vier Top-Teams Red Bull, McLaren, Mercedes und Ferrari wichen Fragen nach einer Einschätzung der Situation aus. „Wir sind hier, um ein Autorennen zu fahren, das ist unser höchste Priorität“, sagte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh und fand damit Zustimmung bei Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Red-Bull-Teamchef Christian Horner betonte: „Die Formel 1 ist Sport. Es ist falsch, sie politisch zu benutzen.“ Ferrari-Kollege Stefano Domenicali äußerte immerhin die diplomatische Hoffnung, „der begonnene Dialog zwischen allen Seiten werde so bald wie möglich das bestmögliche Ergebnisse für alle bringen.“

          Tränengas liegt in der Luft

          „Ist noch irgendwas von diesem alten Klischee eines moralischen Kompasses übrig?“, kommentierte „The Independent“ und beschrieb Vettel als „schändlichen Mann“. Die britische „Times“ veröffentlichte eine beißende Karikatur, die Ecclestone in einem Rennwagen zeigt, der von einem Scheich mit Blut betankt wird. Im Hintergrund liegen Leichen.

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