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Letztes Rennen in Abu Dhabi : Gemischte Abschiedsgefühle bei Sebastian Vettel

  • -Aktualisiert am

Ein letztes Mal gibt er Gummi: Sebastian Vettel dreht sich nach Rennende im Kreis. Bild: EPA

Beim letzten Saisonrennen der Formel 1 dreht sich alles um Sebastian Vettel – dessen Leidenschaft nochmals aufblitzt. Max Verstappen gewinnt, aber aus dem Wunschergebnis von Red Bull wird nichts.

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          Kleine und große Abschiede, schmerzhafte, gefühlvolle. Sie bestimmten das Finale der Formel 1 am Sonntag in Abu Dhabi. Der 15. Sieg für Max Verstappen im Red Bull erweiterte zwar dessen Rekordverbesserung. Nie zuvor hat ein Pilot in einer Saison so viele Rennen gewonnen. Und so strahlte der Niederländer mit Blick auf ein „phänomenales Jahr“. Aber in den Worten des Weltmeisters schwang auch etwas Wehmut mit, sich von so einer „grandiosen“ Saison verabschieden zu müssen. Weil die Konkurrenz lauert.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Charles Leclerc brauchte als Zweiter 8,7 Sekunden länger in seinem Ferrari. Kein Grund für gewaltige Freudensprünge des Siegertyps. Aber er kam mit einem breiten Lächeln zur Siegerehrung, während sich der Dritte, Sergio Perez, etwas quälte, eine gute Miene aufzusetzen. Das Tagesergebnis spiegelte die Rangfolge des Jahres. Im letzten Grand Prix zog Leclerc an dem Südamerikaner im zweiten Red Bull vorbei.

          Perez musste sich erst in der 58., der letzten Runde des 22. Grand Prix von dem Gedanken verabschieden, als weitaus Zweitbester in seinem Team auch Zweitbester der Fahrergilde werden zu können. Das tat weh. Dagegen nahm Rekordweltmeister Lewis Hamilton das Ende seiner Serie gelassen hin. Seit seinem Formel-1-Einstieg 2007 hatte er in jedem Jahr mindestens ein Rennen gewonnen, diesmal, nach Ausfall wegen eines Hydraulikschadens, keines.

          Formel 1

          Vettel im Blick, immer wieder Vettel. Als könne die Formel 1 nicht loslassen vom viermaligen Weltmeister. Aber bei allem Herzschmerz, einen Champion zu verlieren, schauten die Zuschauer auf dem Yas Marina Circuit und der Fernsehregisseur weniger auf die Verdienste und Erfolge des 35 Jahre alten Hessen als auf dessen letzten Wettkampf im Cockpit der Königsklasse.

          Im Mittelfeld, ja, aber dort, wo sich am meisten bewegte bei Vollgas in den ersten 15 Runden, weil Verstappen vorne vor Perez seine Kreise zog, so unbedrängt wie der Emir von seinem Hofstaat. Vettel im Angriffsmodus mit Blick auf Esteban Ocon im Alpine, fast im Heck steckend, mal außen herum versuchend, mal mit einer Antäuschung. Er spulte zur Freude des Publikums das ganze Steuerkunstprogramm aus 16 Jahren Formel-1-Erfahrung in wenigen Runden ab, als müsse er nur noch eines beweisen: dass er es noch kann so kurz vor der Abfahrt in die Rennfahrer-Rente.

          Die Beschleunigung kam wohl von Herzen. Jedenfalls glaubte der 35-jährige Hesse beflügelt zu sein von der menschlichen Wärme in der Hitze von Abu Dhabi. Hunderte aus dem Formel-1-Tross trafen sich am Samstagabend zu einer Ehrenrunde mit ihm auf der Strecke. Auf den Videowänden flimmerten Szenen einer großen Karriere: 299 Grands Prix, vier Titel, 53 Siege. Beim Klassenfoto der Piloten kurz vor dem Start klatschten die Kollegen. Auch von der voll besetzten Haupttribüne mit Fans aller Couleur kam Beifall: rot, orange, silbern, grün gewandete. Standing Ovations geleiteten Vettel zur letzten Abfahrt.

          Sie führte ihn in die Höhe auf Rang fünf zwischendurch und dann, wegen einer (falschen) Ein-Stopp-Strategie, in die Tiefe (19.). Heraus kam die Mitte: 10., ein letzter Punkt. „Ich habe das Rennen genossen.“ Und die Abschiedstour: „So viel Liebe und Zuneigung, das fühlt sich so an, als habe ich alles zurückbekommen, was ich in den vergangenen Jahren gegeben habe. Ich werde mit Sicherheit vieles vermissen. Aber jetzt freue ich mich, neue Dinge zu entdecken.“

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