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Formel 1 in der Corona-Krise : Viele neue Rekorde – und einige Kuriositäten

  • -Aktualisiert am

Auch der Hockenheimring könnte überraschend 2020 nochmal zum Zuge kommen in der Formel 1. Bild: dpa

Die Unsicherheiten der weltweiten Corona-Lage zwingen den Formel-1-Zirkus zu einem Crashkurs. Dabei kommt einiges heraus, das es noch nie gab. Und es stellen sich eine Menge Fragen.

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          In Corona-Zeiten ist alles anders. Die Pandemie verschaffte der Formel 1 viele neue Rekorde und statistische Kuriositäten. Noch nie begann eine Saison erst am 5. Juli. Noch nie eröffnete ein Rennen in Österreich ein Formel-1-Jahr. Noch nie gab es zwei Rennen auf der gleichen Strecke direkt hintereinander. Noch nie wurde ein Grand Prix nach einer Region benannt – das zweite Rennen in Spielberg firmierte offiziell unter Großer Preis der Steiermark. Vergleichbares gab es nur 1957, als die italienische Adriastadt Pescara zu Ehren kam. Der Titel „GP Italien“ war da bereits an Monza vergeben.

          Ein Novum war auch, dass diese Saison mit zehn Grand-Prix-Absagen begann. Erst am 2. Juni veröffentlichten die Rechteinhaber einen ersten Entwurf des Ersatzkalenders. Er umfasste nur acht Rennen, verteilt auf zehn Wochen. Die Unsicherheiten der weltweiten Corona-Lage zwingen den Formel-1-Zirkus zu einem Crashkurs. Rechteinhaber Liberty Media will so schnell wie möglich so viele Rennen wie möglich austragen, bevor womöglich eine zweite Infektionswelle wieder zu Schließungen und Reisewarnungen führt.

          Acht Grands Prix sind das Mindestprogramm für eine WM. Eigentlich müssten diese auf mindestens drei Kontinenten stattfinden, doch der Automobil-Weltverband (Fia) hat diese Regel wegen „außergewöhnlicher Umstände“ außer Kraft gesetzt. 15 Grands Prix müssen stattfinden, damit die TV-Anstalten und die Seriensponsoren ihre Gebühren in voller Höhe bezahlen. Das wären dann rund 60 Prozent der Einnahmen aus einem normalen Jahr. Da diese verkürzte Saison die Teams rund 20 Prozent weniger kostet, halten sich die Verluste in Grenzen.

          Dass der Großteil der Rennen im Kernmarkt Europa stattfindet, ist keine Reminiszenz an die gute alte Zeit, sondern Notwendigkeit. Die Europa-Tour garantiert kurze Wege, geringere Transportkosten, Flexibilität und weniger böse Überraschungen bezüglich Reisebeschränkungen oder Sonderregelungen für bestimmte Nationalitäten. Ein Problem erwartet der Rennzirkus in dieser Woche beim Rennen in Ungarn. Nicht-EU-Bürger dürfen ihre Hotels in Budapest nicht verlassen, außer zur Arbeit an der Rennstrecke.

          Bei Zuwiderhandlungen drohen 15.000 Euro Strafe. Weil der Großteil des Fahrerlagers einen britischen Pass besitzt, wollen Fia-Präsident Jean Todt und Formel-1-Chef Chase Carey mit den ungarischen Behörden über Erleichterungen für den Rennzirkus verhandeln. Weltmeister Lewis Hamilton macht sich keine Sorgen, er sagt: „Ich wohne im Motorhome an der Strecke.“

          Bei der Planung des Kalenders segelt die Formel 1 auf Sicht. Ein Ort, der heute weitgehend frei von Corona ist, kann morgen ein Hotspot sein. Deshalb werden die Veranstaltungen von nun an nur noch kurzfristig bekanntgegeben. In der vergangenen Woche kamen zwei neue Rennen dazu. Eine Woche nach dem Rennen in Monza findet ein weiteres Rennen in dem Land statt, das einmal Corona-Hochburg war. Mugello gibt als Grand Prix der Toskana am 13. September sein Formel-1-Debüt. Ferrari hat all seine politische Macht eingebracht, damit der neunte WM-Lauf auf der eigenen Teststrecke nördlich von Florenz ausgetragen wird. Die Scuderia will ihren 1000. GP-Start mit einem Heimspiel feiern. „Das wird das einzige Fest für Ferrari in diesem Jahr bleiben“, spottet die Konkurrenz.

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          Die ersten neun Rennen werden damit jeweils im Dreierpack ausgetragen. So lässt sich das Konzept einer geschlossenen Blase am ehesten realisieren. Der Tross von 2000 Menschen reist quasi in selbst gewählter Quarantäne von Rennen zu Rennen und darf nur jedes vierte Wochenende verschnaufen. Lediglich der zehnte Grand Prix steht isoliert da – vor und nach dem Rennen in Russland ist eine Woche Pause. Obwohl die Infektionszahlen steigen, plant Sotschi mit Zuschauern. Die Einnahmen sollen die Kosten decken, um Menschen und Material an die Schwarzmeerküste und wieder zurück zu fliegen. Ein Teammanager sagt: „Wir werden mit einem unguten Gefühl die Reise nach Sotschi antreten.“

          Das nächste Triple ist bereits ausgehandelt – aber noch nicht offiziell: Imola, Hockenheim und Portimão sind für Oktober vorgemerkt. Die Reihenfolge steht noch nicht fest. Für Hockenheim wäre es eine weitere Chance nach dem vermeintlich letzten Auftritt 2019. Imola gäbe 14 Jahre nach dem letzten Grand Prix von San Marino ein Comeback. Und Portimão an der Algarveküste wäre nach Mugello die zweite neue Rennstrecke in der GP-Historie. Für Portugal wäre es sogar das erste Formel-1-Rennen seit 1996.

          Der Rest des Programms steht noch in den Sternen. Formel-1-Chef Carey verhandelt mit Kanada, Vietnam und China, um ein oder zwei Rennen in die Pause nach der Europa-Saison und vor dem Finale im Mittleren Osten zu quetschen. Die chinesische Regierung hat zwar alle Großveranstaltungen bis Ende des Jahres abgesagt, doch die Zirkusdirektoren der Formel 1 hoffen auf eine Ausnahmeregelung. In Schanghai ließe sich noch ein bisschen Geld vom Veranstalter abschöpfen. In diesen Zeiten zählt jeder Dollar.

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