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Nico Hülkenberg : Glücksgefühle nach dem Partnerwechsel

Einer der besten Fahrer im Feld - sagt Fernando Alonso über Nico Hülkenberg Bild: dpa

Formel-1-Pilot Nico Hülkenberg hat mit seiner Rückkehr zu Force India offenbar einen Treffer gelandet. Er ist ohnehin ein intelligenter Rennfahrer - und kompromisslos.

          Groß ist er, schmal und blond, am Kinn lässt er nur ein paar Bartstoppeln stehen. Wenn Nico Hülkenberg (Force India) seinen Helm abnimmt, dann zählt er nicht zu den spektakulärsten Typen der Formel 1. Und doch sollte ihn niemand unterschätzen, das hat selbst ein zweimaliger Weltmeister wie Fernando Alonso (Ferrari) erkannt: „Für mich ist Nico einer der besten Fahrer im Feld, und das sage ich schon seit drei Jahren.“

          Hülkenberg ist bisher die große Überraschung dieser Saison: Platz sechs in Australien, Platz fünf in Malaysia - achtzehn Punkte hat er damit in den ersten beiden Rennen gewonnen, vorerst steht er auf Platz sechs der Gesamtwertung. Genug aber hat der Sechsundzwanzigjährige damit nicht: „Wir müssen das Auto weiterentwickeln, wir brauchen mehr Grip auf der Hinterachse - dann können wir es weit nach vorne schaffen“, sagt er. Dort will er hin, auf dem Podium stand er in der Formel 1 schließlich noch nie.

          Hülkenberg ist so etwas wie das Stehaufmännchen der Branche. Immer wieder wurde er abgeschrieben, immer wieder stand seine Karriere in der Königsklasse des Motorsports vor dem Ende. Im Gegensatz zu anderen Fahrern weiß er keine großen Sponsoren hinter sich. Wenn Hülkenberg für sich wirbt, dann kann er das nur mit seinem Talent machen. „Die Formel 1 ist nicht berechenbar“, sagt er. „Du darfst dich niemals auf der sicheren Seite sehen.“

          Dafür hat er zu viel erlebt seit seinem ersten Grand Prix 2010. Williams, Force India, Sauber und nun wieder Force India - bisher trat Hülkenberg niemals zwei Jahre in Serie für denselben Rennstall an. Das soll sich ändern: Vor dieser Saison hat er einen langfristigen Kontrakt unterschrieben, Ausstiegsklauseln inbegriffen. „Ich bin sehr froh darüber, dass ich wieder bei Force India bin“, sagt er. Ob er auch froh sei, nicht mehr in einem Sauber zu sitzen und nicht zu Lotus gewechselt zu sein? „Nein, das möchte ich so nicht formulieren.“

          Hülkenberg wurde am Sonntag in Malaysia Fünfter

          Wer in der Formel 1 bestehen will, der muss manchmal auch Diplomat sein. Doch ein Blick auf die bisherigen Ergebnisse reicht, dann erkennt jeder, dass Hülkenberg die richtige Entscheidung getroffen hat. Der Partnertausch hat sich ausgezahlt für ihn, Force India hat auch dank der technischen Zusammenarbeit mit McLaren und dem Mercedes-Motor im Heck einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. Adrian Sutil leidet derzeit hingegen in seinem neuen Auto.

          Mit großen Erwartungen war er von Force India als Hülkenberg-Nachfolger zum Sauber-Team gewechselt, sein Fazit nach dem Aus in Sepang klang so: „Es hat sich da draußen angefühlt wie auf Schmierseife, das ist nicht normal.“ Dabei wollte der Dreißigjährige mit seinem Wechsel einen Sprung nach vorne machen. Doch wie das Werksteam Ferrari leidet auch das Kundenteam Sauber daran, dass die neue Antriebseinheit aus Maranello zu schwer ist und zu wenig Leistung generiert.

          Ferrari zeigte Interesse an Hülkenberg

          Hülkenberg gegen Sutil - das ist auch ein innerdeutsches Duell um den Platz hinter Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull) und dem WM-Führenden Nico Rosberg (Mercedes) in der öffentlichen Wahrnehmung. Zudem geht es um eine Chance, das eigene Potential vielleicht mal in einem Top-Team zu zeigen. Hülkenberg war nahe dran. Ferrari zeigte im vergangenen Sommer Interesse, doch der Wechsel scheiterte. Alonso blieb doch und widerstand zumindest vorerst dem Werben von McLaren.

          Zudem soll der Manager von Hülkenberg in den Verhandlungen mit den Italienern ein wenig zu forsch aufgetreten sein. Hülkenberg hat sich davon nicht beeindrucken lassen, ebenso wenig wie von der Gewichtsdiskussion, die seit mehr als einem halben Jahr durch das Fahrerlager geistert. Ob er mit 1,84 Metern und etwa 74 Kilo noch eine Zukunft in der Szene habe? Die Frage hat er stets weggelächelt. Und vor dem Rennen in Malaysia wurde er in einem Fastfood-Restaurant gesehen.

          Zieht es Hülkenberg zu Red Bull?

          Geschadet hat ihm all das nicht. Hülkenberg ist ein intelligenter Rennfahrer, und er ist kompromisslos. Selbst unter Druck macht er kaum Fehler, schon bei Sauber hat er stets das aus dem Auto herausgeholt, was möglich war - und manchmal gelang ihm sogar noch mehr. Immer wieder hat Hülkenberg davon gesprochen, wie gerne er auch einmal in einem Auto wie dem Red Bull sitzen würde. Wie gern er herausfinden wolle, was dann möglich sei. „Schritt für Schritt“, sagt er nun. Er hat zu viel erlebt, als dass er nach zwei guten Rennen schon an größere Aufgaben denken würde.

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