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Formel 1 : Hülkenberg in der Warteschleife

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Ein Kuss für die Menge – aber was bekommt er zurück? Nico Hülkenberg sucht ein Cockpit Bild: dpa

Vor dem Qualifying zum letzten Saisonrennen in São Paulo an diesem Samstag (17.00 Uhr) weiß Nico Hülkenberg noch nicht, wo er 2014 in der Formel 1 fährt. Force India und Sauber stehen zur Auswahl – Not und Elend, wie manch einer sagt.

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          Es geht um seine Zukunft in der Formel 1, und Nico Hülkenberg will sich in der kommenden Woche entscheiden – zwischen den beiden Rennställen Force India und Sauber. Lotus hat er praktisch abgeschrieben. „Das läuft nebenher mit, falls sich da doch noch etwas tut. Ich wurde so lange hingehalten, dass ich den Glauben daran verloren habe“, sagt der Sechsundzwanzigjährige vor dem Großen Preis von Brasilien an diesem Sonntag (Start: 17 Uhr MEZ/ RTL, Sky und im FAZ.NET-Liveticker). Hülkenberg ist der Wunschkandidat von Lotus, doch er kann dort nur fahren, wenn der arabische Finanzinvestor Quantum für seine Beteiligung von 35 Prozent am Team endlich bezahlt. Seit Juni warten die Verantwortlichen auf das Geld, ohne die Finanzspritze muss Lotus Pastor Maldonado und dessen Öl-Millionen aus Venezuela nehmen. Vierzig Millionen Euro soll dessen Mitgift betragen.

          Hülkenberg kann nur seine Leistungen auf der Rennstrecke anbieten. Er schwankt zwischen Force India und Sauber, mit leichten Pluspunkten für den Rennstall des indischen Paradiesvogels Vijay Mallya. Doch beide Teams stehen vor einer ungewissen Zukunft: Not oder Elend, spotten sie im Fahrerlager. Dabei ist Sauber vielleicht gar keine so schlechte Wahl nach den jüngsten Erfolgen. In der zweiten Saisonhälfte fuhr der Sauber teilweise sogar auf Augenhöhe mit Ferrari und Mercedes. In Austin kam Hülkenberg nur drei Sekunden hinter Silberpfeil-Pilot Lewis Hamilton ins Ziel. „Unser Entwicklungsetat im ganzen Jahr ist so groß wie der von Mercedes für ein Rennen“, spottet Sauber-Ingenieur Tom McCullough. Soll heißen: Wir leisten die bessere Arbeit.

          Rettung in homöopathischen Dosen

          Das war nicht immer so. Im ersten Halbjahr war Sauber die Enttäuschung der Saison. Der WM-Sechste des Vorjahres rutschte hinter Force India und Toro Rosso und konnte froh sein, dass es Williams noch schlechter erging. Mit der Sommerpause kam die Wende. In den ersten elf Rennen des Jahres holte Sauber 11 Punkte. In den letzten sieben waren es 46. In der Rennwagenfabrik in Hinwil ärgert man sich bereits, dass der Groschen so spät gefallen ist. Seit dem Großen Preis von Deutschland stimmen die Ingenieure das Auto anders ab: tiefer an der Vorderachse, mehr Abtrieb im Heck. Beim Rennen in Ungarn kam die einzige große Ausbaustufe ans Auto. Zusammen mit der Rückkehr zu den 2012er Reifen wurde aus einem Flop über Nacht ein ordentliches Rennauto. „Hätten wir das schon zu Saisonbeginn gehabt, hätte sich McLaren warm anziehen müssen“, glaubt Hülkenberg.

          In der zweiten Saisonhälfte gehört der Sauber zu den besten Autos

          Die neue Heckpartie mit einer geänderten Auspuffführung hat rund 500.000 Euro gekostet. Für Teams wie Red Bull und Mercedes ist dieser Betrag kaum erwähnenswert, für Sauber gleicht er angesichts der prekären finanziellen Lage einem Balanceakt. Die Eidgenossen stellten andere Projekte zurück, um die Entwicklungsstufe realisieren zu können. Dabei blieben auch einige Rechnungen länger liegen, als man es vom braven Schweizer Team gewohnt ist. Teamgründer Peter Sauber, ein redlicher Geschäftsmann, gab im Schweizer Fernsehen zu, wie sehr ihn das schmerze: „Wir hangeln uns von Ast zu Ast. Jeder der Gläubiger tut mir persönlich weh.“

          Saubers Rettung kommt in homöopathischen Dosen. Der Ankündigung, dass der Schweizer Rennstall mit russischen Instituten eine technische Kooperation eingeht, folgte eine Sitzprobe des 18 Jahre alten Russen Sergej Sirotkin und die Nachricht, dass die ersten Rubel geflossen seien. Sirotkin ist schon wieder raus aus der Nummer. Weil weniger Geld kam als versprochen. Er hat 4,5 Millionen für eine Demo-Fahrt in Sotschi, zwei Tage in der Fabrik und einen Testtag in einem alten Ferrari bezahlt. Inzwischen hört man, dass Sauber in Russland eine andere Geldquelle aufgetan hat. Gerüchten zufolge einen der fünf größten Öl- und Gasproduzenten des Landes. Auch die Mexikaner hätten auf einmal wieder Interesse, weil sonst der Ausverkauf der mexikanischen Fahrer drohe. Carlos Slim Junior will wenigstens einen seiner Landsleute im Geschäft halten. Zur Auswahl stehen Esteban Gutierrez und Sergio Perez.

          Alonso wirbt für Hülkenberg

          Hülkenberg sind das einige Unsicherheiten zu viel. Force India ist jedoch auch nicht auf Rosen gebettet, auch da werden Rechnungen spät bezahlt, doch es gibt wenigstens eine sichere finanzielle Basis. Das Team kalkulierte in diesem Jahr mit 104 Millionen Euro und wird diese Saison vermutlich auf Platz sechs vor Sauber beenden. Für Force India spricht auch der Motorenvertrag mit Mercedes. „Es ist eine Reise ins Ungewisse, weil du von den neuen Motoren nur Gerüchte und nicht viel Handfestes hörst. Aber irgendwie klingt das von Mercedes am besten“, sagt Hülkenberg. Saubers Motorenpartner Ferrari hält sich dagegen bedeckt. Die Verantwortlichen der Scuderia haben sich hinter den Kulissen für ein höheres Gesamtgewicht und ein höheres Spritlimit eingesetzt. Daraus schließt die Konkurrenz, dass die Entwicklung des neuen V6-Turbo nicht ganz unproblematisch verlief.

          Die Leistung auf der Strecke stimmt, nur die Sponsoren fehlen Hülkenberg

          Hülkenberg kann seine beiden Optionen gut einschätzen. Bei Force India war er 2011 Testfahrer und 2012 Stammpilot. Sauber kennt er von dieser Saison. Was ihn an Force India beeindruckt, ist, dass sich das Team aus jeder Krise freigestrampelt hat. Das Management setzt die richtigen Prioritäten, die Ingenieure kopieren an der richtigen Stelle, und die Fahrerwahl ist nie vom Geld, sondern immer von der Qualität bestimmt. Der frühere Formel-1-Pilot Martin Brundle kann nicht verstehen, dass Hülkenberg immer noch ohne Vertrag dasteht. Jede Woche macht er im britischen Bezahlsender Sky Werbung für den Deutschen: „Gemessen an seinen Leistungen müsste Nico fünf Verträge vor der Nase liegen haben und sich den besten aussuchen können. Für mich haben Ferrari und McLaren geschlafen.“ Auch Fernando Alonso (Ferrari) macht Werbung für seinen Kollegen: „Ich habe schon vor zwei Jahren gesagt, dass Nico zu den Besten im Feld zählt. Jetzt plötzlich wachen die Leute auf und wollen ihn alle selbst entdeckt haben.“

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