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Formel 1 : Honda und Renault geben erst einmal das Tempo vor

  • Aktualisiert am

Der Renault könnte wieder das schnellste Auto sein Bild: REUTERS

Die Scuderia Ferrari und ihr Chefpilot Schumacher wirken zwar optimistisch. Aber die Beobachter konnten bisher nichts von jenem Rausch der Geschwindigkeit entdecken, von dem man in Maranello träumt. Die Konkurrenz scheint wieder einen Vorsprung zu haben.

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          Die Wahrheit liegt auf der Strecke? Also ganz diszipliniert abwarten bis zum ersten Qualifikationstraining am Samstag, bei dem alle Teams und Fahrer Farbe bekennen müssen? Die Nerven hat kaum jemand. Und so hat das aufregende Spiel längst begonnen.

          Warum sollte die Formel 1, das Sinnbild eines systematisch kontrollierten Geschäfts mit dem Zeitsparen, auch nicht hochrechnen können, wie es ausgeht? Wenn doch Heerscharen kluger Ingenieure über Monate, fast Jahre ihre Computer mit einer Flut von Daten aus den Testfahrten füttern, um schon Ergebnisse zu bekommen, ehe sich ein Rad beim offiziellen Training zum ersten Großen Preis der Saison gedreht hat. In Wirklichkeit wissen die führenden Köpfe der Rennställe auf die Zehntelsekunde genau, wie schnell sie sein können. Und aus der vergleichenden Analyse der Testfahrten schließen sie zudem auf ihre Konkurrenzfähigkeit. Der Tenor ist so einheitlich, daß sich die erste Hackordnung herauslesen läßt: Honda und Renault geben das Tempo vor, McLaren-Mercedes ist den beiden auf den Fersen!

          Die Einschüchterungsversuche der Branche

          Und Ferrari? Schulterzucken im Fahrerlager von Bahrein. Die Scuderia und ihr Chefpilot wirken zwar optimistisch. Aber erstens haben sich die Italiener nicht dem allerletzten Leistungsvergleich mit der Elite auf offener Strecke gestellt, sondern lieber privatissime geübt. Und zweitens konnten die Beobachter bei anderen Gelegenheiten nichts von jenem Rausch der Geschwindigkeit entdecken, von dem man in Maranello träumt.

          Aufgeweckt hat die gesamte Branche eine Meldung von der Teststrecke in Valencia: Anthony Davidson, Testfahrer von Honda, unterbot beim Showdown vor der Abreise nach Bahrein den Streckenrekord um eine halbe Sekunde. Einschüchterungsversuche sind der Branche nun wirklich nicht fremd. Aber selbst wenn Honda nur mit einem Tropfen Benzin im einzigen Tank gefahren wäre, so gilt dieses Resultat doch als ein Fanal: So schnell muß man erst einmal fahren.

          Bei Mercedes steht die Zeit still

          Honda ist vor dem Comeback als Hersteller-Team nicht nur in Valencia schnell gewesen, die Renner aus Japan liefen auch während der Wintertests wie am Schnürchen. Weshalb die Rundenanalysten der britischen Fachzeitschrift "Sportauto" felsenfest glauben, ihr Pilot Jenson Button sei nun endlich am Drücker: "Jenson hat eine realistische Chance, beim Auftakt zum ersten Mal in seiner Karriere ein Formel-1-Rennen zu gewinnen."

          Beste Chancen rechnet sich aber auch der Weltmeister aus. Fernando Alonsos Renault ist nicht langsamer als der Honda und ebenfalls von erstaunlicher Haltbarkeit. Was beide Rennställe zu den umfangreichsten Testfahrten ihrer Geschichte nutzten, während bei McLaren-Mercedes neben dem jüngsten Boliden auch die Zeit stillzustehen schien.

          Verbilligung macht Motoren teurer

          Jedenfalls sprach Mercedes-Sportchef Norbert Haug angesichts von Standfestigkeits- und Schubschwächen Ende Januar vom November-Stand des Projektes. Allerdings bescherte die jüngste Neuerung im Aggregat der britisch-deutschen Fahrgemeinschaft ein Frühlingserwachen. Am nötigen Tempo für Spitzenpositionen - wie bei Toyota mit Ralf Schumacher oder dem Debütanten BMW-Sauber (Nick Heidfeld) - fehlt es offenbar nicht mehr. Aber hält der Renner, was Mercedes-Werbung gerne versprach? Gebrochene Teile oder Versprechen gehören zum Alltag der Formel 1. Hatte Max Mosley, der Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA), die neue Motorenformel für 2006 (Achtzylinder mit 2,4 Liter Hubraum) nicht als Teil eines riesigen Spar- und Sicherheitsmodells durchgedrückt? Langsamer sind die Boliden tatsächlich geworden; um etwa vier Zehntelsekunden oder etwa 15 Kilometer pro Stunde. Billiger als früher aber ist ein Coup in der Formel 1 vorerst nicht zu landen.

          Honda hat mit der Entwicklung des rund 750 PS starken Motors vor anderthalb Jahren begonnen. Dem Antrieb steht nun wie bei allen anderen Herstellern ein sündhaft teures Tuning bevor, selbst wenn 50 zusätzliche PS die Rundenzeiten nur um eine Zehntelsekunde drücken. "Mit den alten Triebwerken", sagt Mercedes' Sportchef Haug, "hätten wir ein Drittel der Ausgaben gehabt." Es wäre einfacher und billiger gewesen, die Reifenhersteller zu weiteren Einschnitten zu zwingen. Statt dessen aber ließ der mächtige Mosley die Rückkehr zu dem im vergangenen Jahr verbotenen Reifenwechsel während des Tankstopps zu. Angeblich der Show wegen. Weil es doch so lustig sein kann, wenn etwa ein Ferrari wie einst am Nürburgring im Chaos wie ein Dreirad behandelt wird.

          Die Wahrheit liegt doch auf der Strecke

          Die Renaissance der Sprintrennen über zwanzig Runden zwischen den Boxenstopps kommt der Scuderia eher entgegen. Weshalb Verschwörungstheoretiker wieder einmal von einer Lex Ferrari sprechen. Tatsächlich fehlte dem Bridgestone-Pneu im vergangenen Jahr über die Dauerbelastung eines ganzen Rennens die notwendige Haftung, um mit der Konkurrenz auf Michelin-Reifen mithalten zu können. Der Rückschritt aber scheint Ferrari keinen großen Fortschritt zu erlauben. McLarens Teamchef Ron Dennis sprach am Donnerstag von einem Vorteil für die Michelin-Kundschaft. Bridgestone-Piloten behaupten und hoffen, je nach Asphalttemperatur klebe der Reifen oder nicht. Unter einer gewissen Hitze - wie in Bahrein - soll er den gewünschten Effekt entfalten. Das beweist zweierlei: Der Formel 1 droht wieder eine Gummischlacht und: Die Wahrheit liegt doch auf der Strecke.

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