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Formel 1 : Hohe Strafe für Falschparker

  • -Aktualisiert am

Hin und weg: Schneller als in der Formel 1 wird nirgendwo der Reifen gewechselt Bild: picture alliance / Sven Simon

Das Boxenstopp-Tempo wird auch beim Formel-1-Rennen am Sonntag in China wichtig sein. Wer die optimale Position um zehn Zentimeter verpasst, verliert 0,2 Sekunden. Die Schlüsselfiguren beim Reifenwechsel sind die Männer am Schlagschrauber.

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          Schanghai. Red Bull hat nicht nur das schnellste Auto im Feld. Seit dem Rennen in Malaysia stellt der Titelverteidiger auch die schnellste Boxencrew. Mark Webbers zweiter Reifenwechsel ging in 2,05 Sekunden über die Bühne. Insgesamt blieb Red Bull bei fünf der sechs Boxenstopps in Sepang unter dem alten Rekord von 2,31 Sekunden, aufgestellt von McLaren in Deutschland 2012. Damals war die flinke Arbeit der Mechaniker rennenentscheidend. Über den schnelleren Boxenstopp kam Jenson Button im Kampf um Platz zwei an Sebastian Vettel vorbei.

          Das könnte beim Großen Preis von China an diesem Sonntag (Start 9 Uhr MESZ / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) wieder passieren. Nach den Erfahrungen im zweiten Training am Freitag droht eine Vielzahl von Boxenstopps. „Mann oh Mann“, sagte Mercedes-Pilot Nico Rosberg, „meine weichen Reifen sind völlig auseinandergefallen. Das wird ein interessanter Sonntag.“

          Mercedes scheint zumindest an der Box gerüstet für das Rennen. In Malaysia drückte Rosbergs Crew die Akkordarbeit auf 2,29 Sekunden, ein Teamrekord. Teamchef Ross Brawn sah es mit Stolz. Aber der Brite warnt: „Es ist eine Gratwanderung. Für jeden Stopp unter 2,5 Sekunden musst du Risiken eingehen. Das kann dich im Einzelfall teuer zu stehen kommen.“

          Schon geschehen, bei McLaren. Weil in Malaysia beim Halt von Button zunächst ein Rad nicht richtig fixiert wurde, verlor der Engländer Platz fünf, zehn Punkte. „Beim Training war uns ein Reifenwechsel unter zwei Sekunden gelungen. Da waren die Jungs wohl übermotiviert“, sagte Teamchef Martin Whitmarsh und seufzte.

          Die Einpark-Koordinaten müssen stimmen

          Je häufiger die kurzlebigen Pirelli-Reifen die Fahrer zum Service an die Boxen zwingen, umso wichtiger wird das Tempo der Abfertigung. Bei der An- und Abfahrt ist gegenüber der Konkurrenz nicht mehr viel zu gewinnen. Inzwischen haben alle Fahrer verinnerlicht, was ihnen Michael Schumacher einst vorgemacht hat. Die Einfahrt in die Boxengasse bis hin zu dem Punkt, an dem das Tempolimit von 100 Kilometer pro Stunde gilt, wird in den Trainingssitzungen immer wieder trainiert. Unterschiede gibt es nur noch beim Parken.

          15 Zentimeter Abweichung von der Markierung können die Mechaniker mit den Schlagschraubern noch ausgleichen. Ab dann kosten alle zehn Zentimeter, die sich der Fahrer vom optimalen Anhaltepunkt entfernt, 0,2 Sekunden Zeit. Auch die Einpark-Koordinaten der Y-Achse müssen stimmen. Steht das Auto zu weit rechts oder links, dann werden die Mechaniker mit den Reifen in der Hand gezwungen, nachzurücken. Da geht schnell eine halbe Sekunde verloren.

          „Zwei Zehntel sind bei den Werkzeugen drin“

          McLaren hat sich 2012 ein halbes Jahr lang mit den Reifenwechseln beschäftigt. Wer ist für welchen Job am besten geeignet? Wer hat die meiste Kraft, wer die besten Nerven? Wie ist die optimale Reihenfolge der Handgriffe in der Choreografie des Reifenwechsels? Die Crew, 24 Mann, trainiert täglich in der Fabrik. Und zwei Mal 15 Einheiten pro Trainingstag vor dem Rennen. Sportdirektor Sam Michael hat den Ehrgeiz, den Bestwert unter zwei Sekunden drücken, den Schnitt auf 2,5: „Zwei Zehntel sind noch bei den Werkzeugen drin, zwei Zehntel bei den Menschen.“

          Das ist ein ehrgeiziger Plan. Über die Saison 2012 gelang Red Bull mit 3,55 Sekunden pro Stopp der beste Schnitt, knapp vor Ferrari (3,58), McLaren und Mercedes (je 3,96). Ferrari-Technikchef Pat Fry spottete daraufhin: „McLaren schmückt sich gerne mit tollen Einzelstopps, aber sie bauen zu viele Fehlerquellen ein. Spitzenwerte sind nur möglich, wenn man bei bestimmten Prozeduren hohe Risiken zulässt. Bei McLaren wird das Auto vom hinteren Wagenheber gelassen, da drehen die Hinterräder bereits. Und das wegfahrende Auto stößt den vorderen Wagenheber aus dem Weg.“

          „Ausrüstung hat höchstens 50.000 Euro gekostet“

          An den Werkzeugen wird entwickelt wie an den Autos. „Die Topteams geben dafür eine halbe Million aus. Unsere Ausrüstung hat höchstens 50.000 Euro gekostet“, berichtet Sauber-Teammanager Beat Zehnder. Wer knapp rechnen muss, konzentriert sich lieber auf die Fahrzeugentwicklung. Die Schlagschrauber kommen zwar alle vom italienischen Ausrüster Paoli, werden aber für die eigenen Bedürfnisse adaptiert.

          Der Versuch, den Druck auf 20 Bar zu beschränken, scheiterte am Veto einiger Teams, darunter Red Bull. Dort werden die Radmuttern angeblich mit bis zu 40 Bar auf die Achsen geschraubt. Die Wagenheber sind durch die Bank Eigenkonstruktionen und kosten so viel wie ein Kleinwagen. Der vordere hat eine schwenkbare Achse, damit der Monteur aus dem Weg springen kann, wenn der Fahrer Gas gibt.

          „Wir stecken es kerzengerade auf die Nabe“

          Auch an Radnaben und Radmutter wird viel getüftelt. Williams will anhand von Video-Analysen entdeckt haben, wo Red Bull neuerdings seine Zeit gutmacht. Beim Aufstecken des neuen Rades. „Wir stecken es kerzengerade auf die Nabe, damit die Radmutter im Gewinde nicht verkantet“, sagt Teammanager Dickie Stanford: „Bei Red Bull werfen sie das Rad mit Schwung von der Seite auf die Achse, und es scheint automatisch immer zentriert zu sein.“

          Die Schlüsselfiguren im Reifenwechsel-Konzert sind die Männer am Schlagschrauber. Sie müssen stark wie Ochsen sein, weil sie relativ weit weg von der Achse sitzen, damit die Reifenwechsler dazwischen noch Platz haben. Dadurch entsteht ein langer Hebel. Die größte Angst ist, dass sich der Schlagschrauber mit der Radmutter verhakt, der Fahrer davon nichts mitbekommt und den Mechaniker beim Losfahren mitschleift. McLaren will das Problem gelöst haben: „Unser System schließt diesen Fall aus“, sagt Michael: „Diese Sicherheit macht die Jungs gelassener und schneller.“

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