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Hilfe in Corona-Krise : Formel Sauerstoff

  • -Aktualisiert am

Ob es in diesem Jahr das traditionsreiche Formel-1-Rennen in Silverstone gibt, ist unklar. Bild: dpa

Die Formel 1 versucht, der Pandemie eine Schnippchen zu schlagen und dem zusammenbrechenden Kalender etwas entgegenzusetzen. Die besten Ideen aber entwickelt die Rennserie im Moment dort, wo sie wirklich gebraucht wird.

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          Not macht erfinderisch. Schon sieht sich die Formel 1 zweimal binnen einer Woche in Österreich kreisen und zweimal in England. Einmal im Uhrzeigersinn auf der Geburtsstrecke der Formel 1 vor den Toren von Silverstone, beim zweiten Mal gegen den Uhrzeigersinn? Eine schöne Vorstellung, der Pandemie eine Schnippchen zu schlagen und dem zusammenbrechenden Kalender etwas Handfestes entgegenzusetzen. Aber solche Wendungen, einfach mal die Rakete auf Rädern wie auf der Carrerabahn zu drehen, haben ihre Tücken. Viele der Auslaufzonen müssten binnen Tagen umgebaut, die Leitplankenöffnungen für die Rettungsteams verändert werden, damit unkontrollierte Boliden nicht vernichten, was die Fahrer retten soll.

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          Formel-1-Strategen haben schon besser gedacht. Nach der erwarteten Verschiebung des Großen Preises von Kanada (Mitte Juni) wächst der Druck, Lösungen zu präsentieren. 15 Grand Prix müssen es sein pro Saison, damit die Fernsehsender vereinbarte Zahlungen in vollem Umfang leisten. Ein Auftritt in Österreich Anfang Juli mag angesichts der angekündigten Lockerungen in der Alpenrepublik und des Einflusses von Red Bull realistisch erscheinen. Aber selbst ohne Zuschauer müssten – vorsichtig geschätzt – 1000 Personen Zugang zum Fahrerlager erhalten. Und dieser Tross soll in Quarantäne gehalten werden, damit zwei Wochen später in Mittelengland die Boliden kreisen dürfen, während der heilige Tennis-Rasen von Wimbledon im Schatten der Corona-Krise unbetreten wuchert?

          Die besten Ideen entwickelt die Formel 1 im Moment dort, wo sie gebraucht wird: bei der superschnellen Optimierung von Atemhilfsgeräten für Covid-19-Patienten. Nach 100 Stunden Arbeit zusammen mit der Uni London und ein paar Tagen Tests ist ein Modell von der britischen Zulassungsstelle freigegeben worden. Die Pläne zum kostenfreien Nachbau stehen im Netz. 25 Länder sollen nachgefragt haben. Gratulation.

          Die gemeinnützige Arbeit ist noch nicht beendet, obwohl die Formel 1 ihre Zwangspause für die Konstruktionsbetriebe auf 35 Tage verlängert hat. Das gibt dieser dynamischen Denkfabrik Spielraum, weit über das Ende ihres Sozialdienstes hinaus zu planen und Antworten auf eine Frage der Fridays-for-Future-Generation zu finden, die der Formel 1 Probleme bereiten wird: Wie wollt ihr euer Image als Luftverpester glaubwürdig loswerden? Mit der begonnenen Entwicklung von Biosprit und dem Hinweis auf die effizientesten Hybrid-Antriebe weltweit wird es nicht getan sein, solange die Batteriefraktion in der Rennsportbranche – und sei es aus politischen Gründen – als Lösung gehätschelt wird. Was die Formel 1 dringend brauchte, ist, Ironie dieser Geschichte, eine Art Atemhilfsgerät zum eigenen Gebrauch, das CO2 in Sauerstoff verwandelt. An Grips scheint’s nicht zu mangeln. Andernfalls könnte die große Sause, insofern sie die Pandemie überlebt, an ihren Abgasen zugrunde gehen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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